Federica Brignone: Das Gold-Märchen geht weiter
Sie hat Metallteile im Bein und ist noch nicht vollständig genesen. Doch das hinderte Federica Brignone nicht am totalen Triumph bei den Olympischen Spielen. Schon ihr Sieg im Super-G war eine Fabelerzählung. Der Sieg im Riesenslalom wirkte dann endgültig wie eine Geschichte aus einer Welt, wo es Feen und Zaubertränke gibt.

Die 35-Jährige aus Mailand ist seit Jahren eine fixe Grösse im Skirennsport. Brignone ist zweifache Gesamtweltcupsiegerin, hat 37 Siege auf höchster Stufe und ist amtierende Weltmeisterin im Riesenslalom. Aber Brignone hatte eben auch diesen schwerwiegenden Crash im vergangenen April, erst zehn Monate ist es her.
Sie erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch, einen Kreuzband- und Meniskusriss. Brignone wusste nicht, ob sie je wieder in den Skizirkus zurückkehren werde. «Noch im November war ich nicht sicher, ob ich wieder Skifahren kann», sagte sie. Zwei Tage vor dem Super-G musste sie wegen den Schmerzen ein Training abbrechen.
Brignone war bereits eine Gewinnerin, weil sie bei diesen Spielen überhaupt am Start stand. Im entscheidenden Moment richteten sich die haushohen Erwartungen an andere. «Die Medien fragen seit sechs Jahren nach diesem Event», erzählte sie. Und sie behielt auch die Nerven, als sie am Sonntag als Führende in den zweiten Lauf ging.
Hector und Stjernesund: Das Zeiten-Wunder
Die Schwedin Sara Hector und die Norwegerin Thea Louise Stjernesund waren im 1. Lauf genau gleich schnell. Sie benötigten je 1 Minute, 3 Sekunden und 97 Hundertstel. Bei der für Albanien startenden Italienerin Lara Colturi wurde ebenfalls die gleiche Zeit gestoppt - soweit, so realistisch.

Absurd wurde es erst am Nachmittag: Hector und Stjernesund zeigten auch im 2. Durchgang dieselbe Performance. Mit der gleichen Endzeit fuhren sie zur Silbermedaille. Bei Hector kam der Erfolg nicht allzu überraschend. Die 33-Jährige gewann in Peking Olympiagold und überzeugt auch im Riesenslalom-Weltcup mit Konstanz. Die 29-jährige Stjernesund gehörte hingegen nicht zu den Favoritinnen. In ihrer Karriere stand sie erst viermal auf dem Podest.
Camille Rast: Erneut ist sie nicht zufrieden
Es wirkte so, als hätte Camille Rast mit Olympia bereits abgeschlossen. Anders waren ihre Worte nach dem Riesenslalom kaum zu interpretieren. «Die Spiele sind bald vorbei. Der Weltcup kommt bald zurück – und darauf freue ich mich», sagte sie. Auf den Einwand eines Reporters, dass mit dem Slalom noch ein wichtiges Rennen ausstehe, antwortete sie: «Ja ... ja ..., auf einer Juniorinnen-Strecke mit 44 Sekunden Laufzeit.»
Dass Rast von der Olympiapiste wenig hält («zu einfach, zu flach»), ist kein Geheimnis mehr. Am Sonntag ging sie jedoch einen Schritt weiter. Sie sagte: «Die Frage ist, wieviel Wert hat eine Medaille, wenn die Piste so ist? Für das Publikum bleiben Olympische Spiele wichtig, das ist klar. Aber über eine ganze Weltcupsaison konstant zu sein, ist etwas anderes.» Der Frust über den 12. Schlussrang dürfte bei der Analyse mitgeholfen haben.

Die Platzierung von Camille Rast erzählte letztlich aber nur die halbe Wahrheit. Der zeitliche Rückstand war überschaubar. Nur 37 Hundertstel fehlten zu Silber. «Ich verliere in beiden Läufen im zweiten Sektor relativ viel Zeit. Das bezahle ich teuer», sagte Rast.
Am Mittwoch folgt ihr letzter Einsatz, der Slalom, in dem sie in dieser Saison die Nummer 2 hinter Mikaela Shiffrin ist. Die Schweizer Hoffnungen werden dann auch auf Wendy Holdener ruhen, die sich positiv über die Piste äusserte. Holdener scheint bereits im Tunnel zu sein. Vom Riesenslalom meldete sie sich kurzfristig ab, um nochmals Slalom trainieren zu können.
Shiffrin und Scheib: Die Geschlagenen
Das Olympia-Trauma wird Mikaela Shiffrin auch bei ihrem zweiten Einsatz nicht los. Nachdem in der Team-Kombination Gold bereitlag und Shiffrin nur die 15. beste Laufzeit zeigte, landete sie auch im Riesenslalom neben dem Podest. Über eine Sekunde fehlten zu Gold. Eine Medaille wäre aufgrund dieser Saison, in der sie nur einmal auf dem Podest stand, überraschend gewesen.
Eher hätte man der Österreicherin Julia Scheib einen Erfolg zugetraut. Scheib führt in der Disziplinenwertung, vier von acht Rennen gewann sie in diesem Winter. Am Ende reichte es nur zu Platz 11, ein Hundertstel besser als Camille Rast.



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