
Das war ein Husarenritt, just zum Start der olympischen Langlaufrennen in Tesero. Als Nadja Kälin im Skiathlon auf dem Schlussanstieg die Finnin Nerttu Niskanen und die Norwegerin Astrid Lind einfach stehen liess, war auch der Stadionspeaker beeindruckt: «Incredibile, Ka-linn!»
Die 24-Jährige zog es durch und lief mit einer Jubelgeste als Vierte ins Ziel. Schneller waren nur die beiden Schwedinnen Frida Karlsson und Ebba Andersson sowie die Norwegerin Heidi Weng, die sich schon zuvor deutlich abgesetzt hatten.
Ja, das war historisch: Noch nie war eine Schweizer Langläuferin in einem olympischen Einzelrennen so gut klassiert. Nadine Fähndrich wurde vor vier Jahren im Sprint Fünfte. Und in Distanzrennen war zuvor der siebte Rang von Brigitte Albrecht 1998 in Nagano der Spitzenwert. Und auch das Schweizer Aushängeschild der 1980er-Jahre Evi Kratzer schaffte es «nur» auf die Ränge 8 und 9.
«Ich wusste, ich kann mich auf meine Schlussstärke verlassen»
Es sei perfekt gelaufen, sagt Kälin im Ziel. Auch der an olympischen Spielen ja eigentlich als undankbar bekannte Platz vier fühle sich für sie rundum als Erfolg an: Gegen die ersten drei war am Ende nichts auszurichten. Wobei: «Kurzzeitig ging es sogar um Bronze.» Und zwar in der ersten Rennhälfte in der klassischen Technik, als sie zusammen mit Heidi Weng an auf die zu jenem Zeitpunkt drittplatzierte Lind aufschloss. Nach dem Skiwechsel aber lag Kälin auf Rang acht. «Im Skating wusste ich dann, dass ich nicht zu viel führen darf und mich auf meine Stärke zum Schluss verlassen kann.» Es war auch taktisch eine reife Leistung.

Kälin unterstreicht mit dem Resultat ihre Stärke, just auf Grossanlässe bereit zu sein. Vor einem Jahr an der WM in Trondheim belegte sie die Einzelränge 8, 6 und 8. Für das 10-km-Rennen lässt dies hoffen. Ohnehin ist der Auftakt mit Kälins Exploit ein Mumm-Macher für das Schweizer Team, denn nicht nur der Formaufbau, sondern auch das Material habe gepasst und einiges zur starken Leistung beigetragen, sagt Kälin. Auch ihre Schwester Marina zeigte mit dem 19. Rang ein gutes Rennen, Anja Weber wurde 25., Fabienne Alder landete bei ihrem Olympia-Debüt auf Rang 46.
Am Sonntag sind die Männer gefordert - wo Kälins Partner Beda Klee und Nicola Wigger im Skiathlon am Start stehen.


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