
Spanien ist auch gegen Aussenseiter Belgien seiner Rolle als WM-Favorit gerecht geworden. Der Europameister zog durch ein etwas holpriges, aber am Ende verdientes 2:1 gegen mutige, aber auch unterlegene Rote Teufel ins Halbfinale von Dallas ein. Dort trifft die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente am Dienstag in einer Art vorweggenommenem Endspiel auf Topfavorit Frankreich.
Wie schon im Achtelfinal gegen Portugal stach Joker Mikel Merino (88.) wenige Minuten nach seiner Einwechslung entscheidend zu, er profitierte von einem Patzer des eingewechselten belgischen Torhüters Senne Lammens, der einen Schuss von Pau Cubarsi nach vorne prallen liess. Spanien steht erstmals seit dem Titelgewinn 2010 bei einer WM wieder in der Runde der besten vier.

Auch vom ersten Gegentor bei dieser WM, das Charles De Ketelaere erzielte, liessen sie die Iberer nicht aus der Fassung bringen (41.). Fabián hatte die Rote Furie zunächst in Führung gebracht (30.). Belgiens Torhüter Thibaut Courtois, der zahlreiche gute Chancen der Spanier zunichte gemacht hatte, musste in der 70. Minute unter Tränen ausgewechselt werden - offenbar wegen einer Verletzung. Für ihn kam Lammens von Manchester United.
Für die Belgier, die 1986 WM-Vierter und 2018 WM-Dritter geworden waren, erfüllte sich die Hoffnung von einem dritten Halbfinale nicht. Sie waren mutig, vor allem Linksaussen Jéremy Doku konnte die Spanier teilweise gut beschäftigen, auch Kevin De Bruyne hatte bisweilen gute Einfälle, doch die Abwehr der «Roten Furie» gab sich trotz des ersten Gegentreffers in diesem Turnier zu selten eine Blösse.
Spanien hatte zuvor erstmals seit 2010 wieder das Viertelfinale erreicht. 2014 war für den Titelverteidiger das Turnier bereits nach der Vorrunde zu Ende gewesen, 2018 in Russland und 2022 in Katar jeweils im Achtelfinale und jeweils nach Elfmeterschiessen. Diese Hürde hatten die Spanier diesmal durch ein spätes 1:0 gegen Portugal übersprungen.
Gegen Belgien setzte sich fort, was auch in den fünf Siegen ohne Gegentor zu beobachten war. Die Spanier dominierten den Ball, sie erspielten sich hin und wieder Chancen, sie legten sich ihren Gegner Spielzug für Spielzug zurecht. Die beste Gelegenheit war zunächst ein Schuss von Lamine Yamal von der Strafraumgrenze, der aber knapp neben das Tor ging (21.).
Die überfällige Führung entsprang einer Hereingabe von Yamal, den abgeblockten Schuss des starken Dani Olmo staubte Fabián ab. Für Trainer de la Fuente durchaus eine Bestätigung, den Mittelfeldspieler von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain anstelle des eher enttäuschenden Pedri vom FC Barcelona aufzustellen.
WM-Rekordserie von Goalie Simón gerissen
Doch auch der besten Abwehr unterliefen bisweilen Fehler. In der 41. Minute verschaffte ein überraschender Pass von De Bruyne Abwehrspieler Timothy Castagne ein wenig Luft am rechten Flügel, dessen Flanke wuchtete De Ketelaere ins Tor - nach 649 Minuten war WM-Rekordhalter Unai Simón erstmals wieder bezwungen.
Letztmals auf der WM-Bühne überwunden wurde Simón zuvor vom Japaner Ao Tanaka beim 1:2 in der Vorrunde der WM 2022. Während seiner erfolgreichen Serie hatte Simón bis zum Spiel gegen Belgien lediglich in einem Elfmeterschiessen hinter sich greifen müssen.
Den vorherigen Rekord hielt der Italiener Walter Zenga, der bei der WM 1990 im eigenen Land 517 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war. Simón übernahm den Rekord im Gruppenspiel gegen Österreich.
Die Belgier hatten ohnehin angekündigt, die zu Zu-null-Serie der Spanier zu beenden. Dieses Etappenziel hatten sie erreicht, es reichte jedoch nicht zum Sieg über Spanien.
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