Cristiano Ronaldo hat das Trainingslager von Portugals Nationalteam vorzeitig verlassen. Die Entscheidung folgte auf die Pressekonferenz von Nationaltrainer Jorge Jesus und ein Gespräch mit Verbandschef Pedro Proença, wie der 41-Jährige in den sozialen Medien mitteilte. «Sobald die Zeit reif ist, werde ich allen Portugiesen die Wahrheit über die Gründe erzählen, die zu meiner Abreise vom Nationalteam geführt haben», erklärte Ronaldo.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich der Stürmer mit Trainer Jesus verkracht hat. Dieser hatte ihn im letzten Nations-League-Spiel gegen Norwegen nicht eingesetzt. Für Ronaldo war es das erste Pflichtspiel mit Portugal seit der WM 2006, in dem er 90 Minuten auf der Bank sass – abgesehen vom bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen die Schweiz an der EM 2008.
Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf die Aussagen von Trainer Jesus bei der Pressekonferenz vor der Partie gegen Dänemark vom heutigen Donnerstagabend zu werfen. Der 72-Jährige erklärte am Mittwoch, dass Ronaldo voraussichtlich erneut nicht in der Startformation stehen werde. Dies sei mit diesem so abgesprochen gewesen.
«Wenn alle drei Tage ein Spiel stattfand, spielte er selten»
Jesus, der zuletzt Trainer bei Ronaldos Klub Al-Nassr war, erklärte gemäss A Bola: «Ich kenne seine körperliche Verfassung genau und habe das schon in Saudi-Arabien so gehandhabt. Wenn alle drei Tage ein Spiel stattfand, spielte er selten.» Ronaldo würde nach Spielen zwei Tage lang nicht trainieren, verriet Jesus und fügte an, dass er sich auch beim Nationalteam nie gegen eine bestimmte Rolle gewehrt habe. «Wenn ich spielen soll, spiele ich. Wenn ich auf der Bank sitzen soll, sitze ich auf der Bank», habe Ronaldo ihm gesagt.

Ein Problem gebe es zwischen ihm und seinem Spieler nicht, stellte Jesus kurz vor der Abreise Ronaldos aus dem Trainingscamp der Seleçao klar. Am Ende treffe er als Trainer die Entscheidungen und dies tue er im Interesse der Mannschaft und mit dem Ziel des grösstmöglichen Erfolgs. Deshalb wollte er Ronaldo auch keine Einwechslung versprechen.
«So arbeite ich nicht. Das Spiel wird mir zeigen, ob ich ihn brauche», so Jesus, der mit Blick auf den 2:1-Sieg in Norwegen anfügte: «Ich dachte, dass ich ihn in den letzten Minuten brauchen würde, aber das Spiel hat mir etwas anderes vorgegeben, also habe ich ihn nicht eingewechselt.» Jesus schickte Ronaldo während des Spiels zum Aufwärmen, wechselte ihn dann aber nicht ein.
Der 72-jährige Trainer, der in seiner Karriere unter anderem bei Benfica, Sporting und Fenerbahce angestellt war, untermauerte, dass er nicht nach vergangenen Erfolgen oder Leistungen aufstellen werde. «Der Status verleiht keine Rechte», so Jesus.
«Glaubt ihr, dass sich ein Spieler weigert, zu trainieren? Nur, wenn er weg will»
Gleichzeitig nahm der Trainer Ronaldo in Schutz. Gerüchte darüber, dass dieser das Training verweigert habe, dementierte Jesus. «Glaubt ihr, dass sich ein Spieler auf Nationalteamniveau weigert, zu trainieren? Nur, wenn er weg will», erklärte dieser. Kurz darauf, war Ronaldo tatsächlich weg.
Auch in seiner Abwesenheit dürfte der Superstar ein grosses Thema rund um die beiden verbleibenden Spiele in dieser Länderspielpause bleiben. Nach dem Duell mit Dänemark trifft Portugal am Sonntag zu Hause auf Norwegen. Jesus' Ära als Nationaltrainer hat mit zwei Siegen eigentlich erfolgreich begonnen. Der Krach mit dem vor allem in Portugal überlebensgrossen Ronaldo könnte dies in den Augen der dortigen Öffentlichkeit aber überschatten.
Und das Internet dreht durch
Dass Ronaldos dramatischer Abgang ein gefundenes Fressen für die Untiefen der sozialen Medien werden würde, ist nicht sonderlich zu verwundern. Hier eine kleine Auswahl.
In diesem KI-generierten Video heisst es: Jorge Jesus beim Eintreten in die Kabine, nachdem Ronaldo gegangen ist.
(watson.ch/cam)

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