Holzkoloss

22 Rekurse gegen Muni Max in Andermatt – jetzt spricht Bernhard Russi

Muni Max wartet nach dem Umzug in den Kanton Uri immer noch auf seinen Wiederaufbau. So geht es weiter.

Er ist der eigentliche König des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2025 im Glarnerland: Muni Max. Der imposante Holzkoloss. 182 Tonnen schwer. 21,3 Meter hoch. 36,25 Meter lang. Bestehend aus 4400 Einzelteilen. Zusammengebaut mit 18727 Schrauben.

Nach dem Eidgenössischen zügelt Muni Max vom Glarnerland in den Kanton Uri. Die Idee: Künftig soll Max die Leute in Andermatt begeistern. Mehr als ein Jahr ist seither vergangen. Und noch immer lautet die Frage: Wo ist Max?

«Er befindet sich gerade im Winterschlaf», sagt Franz-Xaver Simmen. «Und wartet, bis er wieder aufstehen darf. Das ist leider so.» Simmen ist Präsident des Vereins «Max der Uristier». Und damit die treibende Kraft hinter der Idee, Max den Touristen so schnell wie möglich präsentieren zu können.

Max soll auf dem Nätschen zu stehen kommen. In unmittelbarer Nähe der Mittelstation der Gondelbahn. Auch die Matterhorn-Gotthard-Bahn hält dort. Rund eine Millionen Leute passieren jährlich den Ort. 2025 notierten die MGB-Bahnen 313'863 Passagiere, die mit dem Glacier-Express Andermatt durchquerten.

Bernhard Russi: «Diese Bilder gehen um die Welt»

Holz-Muni Max an diesem neuralgischen Ort? Es wäre ein Coup für die Region. Das Problem: Die Sache mit der Baubewilligung ist komplizierter, als sich das die Verantwortlichen erhofft hätten. 22 Einsprachen sind eingegangen. Max droht, noch länger auseinandergebaut in Einzelteilen unter einer Plache in Erstfeld und Altdorf warten zu müssen.

Anruf bei Bernhard Russi. Der Abfahrts-Olympiasieger und Weltmeister aus dem Kanton Uri regt einige Gedanken an: «Überall auf der Welt lechzen Destinationen nach Alleinstellungsmerkmalen. Das Matterhorn können wir in Andermatt nicht nachbauen. Andere setzen auf Hängebrücken oder strahlende Drehrestaurants. Und wir könnten Muni Max haben, etwas, das es in diesen Dimensionen noch nie gab – und schwer zu kopieren ist.»

Wenn sich Russi den Effekt für Andermatt vorstellt, kommt er zum Schluss: «Genial! Im Glacier-Express wird jede Brücke via Durchsage angekündigt. Dann springen alle Passiere an die Fenster und fotografieren. Stellen Sie sich vor, wenn künftig auch Muni Max auf den Handys der internationalen Gäste landet. Diese Fotos bleiben ja selten unter Verschluss, sondern werden geteilt. Man kann sich vorstellen, was das für eine Wirkung hat. Diese Bilder gehen um die Welt.»

Die Gegner: «Das Vorgehen provoziert Misstrauen und Widerstand»

Muni Max, Superstar? Coup für den Kanton Uri? Eine Attraktion, die den Sommertourismus zusätzlich ankurbelt? So könnte es sein. So müsste es doch sein. Zu diesem «logischen» Schluss kommt, wer den Blick von aussen auf das Projekt richtet. Aber so einfach ist es nicht. Denn Muni Max spaltet die Einheimischen. Und provoziert Widerstand im Dorf.

Franz Gehrig ist einer der Kritiker. Er hat eine Petition lanciert, mit der er Transparenz und ein sauberes Verfahren fordert. 1249 Menschen haben diese bis anhin unterschrieben. Viele aus Andermatt selbst.

Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Gehrig seine Skepsis. «Der Verein will den Max einfach so schnell wie möglich aufstellen. Und ignoriert sämtliche Bedenken. Mindestens rechtlich muss es so ablaufen wie sonst auch. Jeder, der ein Gartenhäuschen bauen will, braucht auch eine anständige Baubewilligung.» Und Gehrig fügt an: «Zunächst hiess es, es sei alles privat finanziert. Dann werden plötzlich doch Steuergelder beantragt. Diese Kommunikation ist irritierend. Das Vorgehen provoziert Misstrauen und Widerstand.»

Gehrig hat Bedenken bezüglich Skibetrieb, Sicherheit und auch Verkehrskonzept. «Man erhofft sich dank dem Muni mehr Besucher - und dass diese mit der Gondel oder dem Zug auf den Nätschen kommen. Das glaube ich nicht. Im Sommer kommen die Leute mit dem Auto. Jetzt heisst es, es werden keine neuen Parkplätze gebaut. Schauen wir mal.»

Gemeindepräsident: «Die Gegner sind immer lauter»

Eine Baubewilligung reichte der Verein «Max der Uristier» ein. Allerdings spekulierte er auf ein Schnellverfahren. In der Hoffnung, Max schon im Sommer 2026 aufbauen zu können. Dieses Vorhaben ist gescheitert. Weil die Gemeindeversammlung in Andermatt die «Teilrevision der Nutzungsplanung» ablehnte.

Der Entscheid der Gemeindeversammlung hat zur Folge, dass es einen sogenannten «Quartiergestaltungsplan» braucht. Darin müssen alle Details rund um Max geregelt sein.

Dieser sogenannte «QGP» ist seit diesem Freitag auf der Homepage der Gemeinde Andermatt publiziert. Und wie in einem politischen Prozess Usus, kann nun jede und jeder teilnehmen am «Mitwirkungsprozess».

Peter Baumann ist Gemeindepräsident von Andermatt. Etwa vier Monate werde das Verfahren dauern, rechnet er vor. Danach können die 22 Einsprachen von der Baukommission behandelt werden. Gefragt nach der Stimmung in Andermatt, sagt Baumann: «Es gibt Befürworter und Gegner. Ehrlicherweise muss ich sagen: Touristisch ist Max sehr interessant. Aber einige im Dorf sagen auch: zu gross, zu ambitioniert!» Wobei Baumann eines zu bedenken gibt: «In solchen Projekten machen sich die kritischen Stimmen mehr bemerkbar.»

Die grosse Frage lautet nun: Kann Muni Max im Sommer 2027 aufgebaut werden – oder wird die Bewilligung mit Einsprachen weiter verzögert? «Es gibt beide Szenarien», sagt Baumann.

Klar ist: Einen Plan B bezüglich Standort verfolgt der Verein «Max der Uristier» nicht. «Wir ziehen das mit vollem Elan durch», sagt Präsident Franz-Xaver Simmen. Sein Elan findet problemlos den Weg durchs Telefon bis zum Zuhörer. «Eines können Sie mir glauben: Sobald Max steht, ist die Polarisierung vorbei. Dann begeistert er jeden und jede.» Dass der verzögerte Baubeginn zu einem Image-Schaden führen könnte, glaubt Simmen jedenfalls nicht. «Zu viel Harmonie und ein Objekt, das alle kalt lässt, wäre doch schlecht!»

Auf knapp zwei Millionen Franken belaufen sich Preis und Kosten für Max am Ende insgesamt. Wenn der Muni einmal steht, soll man ihn begehen können. Aus dem Risiko-Investment könnte eine Goldgrube werden für die ganze Region. Aber noch ist es nicht soweit. Das weiss auch Simmen. Er sagt: «Wenn man uns böse will, sind weitere Verzögerungen möglich.» Doch der Glaube an den Coup ist viel grösser.

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