Fussball

Miro Muheim spricht über seine Siegestore mit dem HSV – und die offene Zukunft

Miro Muheim, 28, erlebt in Hamburg eine wundersame Verwandlung. Eigentlich ausgemustert, blüht er in neuer Rolle auf. So erlebte der Ex-FCSG-Verteidiger die aufwühlenden letzten Wochen.

Ein bisschen Augenzwinkern ist erlaubt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Also sagt Miro Muheim: «Ich habe gehört, wer zu spät das Siegtor macht, hat keine Chance mehr auf die Man-of-the-Match-Trophäe. Deshalb habe ich mir gedacht: Vielleicht probiere ich, das nächste etwas früher zu machen…»

Muheim und die Tore zum Sieg für den Hamburger SV – es ist die aussergewöhnlichste Schweizer Fussballgeschichte dieser Saison. Weil das Toreschiessen für Muheim als linker Verteidiger grundsätzlich nicht zur Kernkompetenz gehört. Aber auch, weil Muheim wegen Verletzungen und interner Konkurrenz beim HSV eigentlich gerade ausgemustert wurde. Doch dann wird alles anders.

In Hoffenheim erleidet HSV-Captain Nicolai Remberg einen Kreuzbandriss. Muheim wird eingewechselt, auf der ungewohnten Position als Sechser vor der Abwehr. Der 28-Jährige bereitet das 2:2 vor und schiesst in der 94. Minute sogar das 3:2. Eine Woche später. Jetzt ist der VfB Stuttgart zu Gast in Hamburg. Muheim darf von Anfang an spielen. Und wieder: Kurz vor Schluss erzielt er das Siegestor. 1:0. Ein strammer Schuss ins Glück, 117 km/h werden gemessen.

Aus dem Nichts wird Muheim zum Helden im fussballverrückten Hamburg. «Schwierig, zu realisieren, was da alles passierte», sagt Muheim mit ein paar Tagen Abstand. Seit etwas mehr als fünf Jahren lebt er jetzt in Hamburg. Es ist die sechste Saison mit dem HSV nach dem Transfer vom FC St.Gallen. Muheim wie der HSV sind sich das Leiden gewohnt, Jahr für Jahr verpasste der Verein den Aufstieg, ehe es 2025 endlich klappte. Und nun diese Glücksgefühle.

Für Muheim persönlich sind es die beiden schönsten Wochen seiner HSV-Zeit. Dabei ist seine Zukunft beim Verein gerade ungewiss. Der Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Über den Sommer musste er die Nachricht verdauen, dass Trainer Merlin Polzin auf andere Spieler setzt. «Wir haben uns bewusst entschieden, die Seiten mit mehr Intensität zu besetzen», sagt Polzin, «aber Miro hat die neue Rolle angenommen. Er ist in schwierigen Wochen nicht mit Reden aufgefallen, sondern mit Handeln. Er hatte eine richtig gute Haltung und sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Deshalb freut es mich persönlich unheimlich für ihn, dass er jetzt so eine tolle Phase hat.»

Muheim selbst sagt: «Klar kann man jetzt nicht erwarten, dass ich das jede Woche mache. Aber diese Tore geben mir schon sehr viel – ich glaube, das würde jedem viel Energie geben. Nun versuche ich einfach jeden Tag und jede Woche zu zeigen, dass ich für den HSV wertvoll bin.» Möglich, dass die neue Position Muheim am Ende sogar eine erneute Vertragsverlängerung einbringt.

Der Zürcher hat mit dem HSV jedenfalls so einiges durchgemacht. Hektik und Unruhe gehören beim HSV eigentlich zur DNA. «Aber wir haben uns über die letzten Jahre eine gewisse Widerstandsfähigkeit angelegt und viel gelernt aus der Vergangenheit», sagt Muheim. Ein Beispiel ist der Start in diese Saison. Nach drei heftigen Niederlagen zum Start (0:2 gegen Dortmund, 0:5 gegen Mainz, 0:5 gegen Leipzig) wird nicht alles über den Haufen geworfen – sondern der Vertrag mit Trainer Merlin Polzin verlängert.

Nun hat der HSV dreimal in Serie gewonnen. Rang 9 ist der zwischenzeitliche Lohn. Ein vierter Sieg en suite? Gab es zuletzt vor 17 Jahren. In Paderborn am Wochenende besteht die Chance dazu. Wer weiss, vielleicht darf sich Muheim auch bald wieder über ein Nati-Aufgebot freuen. Zumal Ricardo Rodriguez mit einer Oberschenkelverletzung ausfällt und für die Spiele am 13. und 16. November höchst fraglich ist.

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