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Fussball

Mehr Millionen für die Nati: Das wahre Problem hat die Fifa damit aber nicht gelöst

Der Weltverband schwimmt im Geld und erhöht die Antrittsprämien für die Teilnehmer der WM 2026. Das entlastet zwar deren Budgets, beseitigt aber nicht die finanzielle Ungerechtigkeit.

Zwei ihrer drei Gruppenspiele trägt die Schweizer Fussball-Nati in Kalifornien (San Francisco, Los Angeles) aus, auch ihr Base-Camp schlägt sie im wegen des milden Klimas «Golden State» genannten US-Bundesstaat auf. Dazu die durchaus machbaren Gruppengegner Katar, Bosnien-Herzegowina und Kanada. Doch so attraktiv die Perspektive auf das WM-Abenteuer ist, birgt sie auch Schattenseiten.

Usus ist eigentlich seit jeher, dass die WM-Teilnehmer im Austragungsland ihre Erfolgsprämien nicht versteuern müssen. Kanada und Mexiko haben auf Geheiss der Fifa dieser Steuerbefreiung zugestimmt, das dritte und grösste Gastgeberland indes nicht. Die USA will nicht nur die Erfolgsprämien an die Verbände besteuern, sondern auch die Löhne der Spieler und Funktionäre während deren Einsatzzeit an der WM. Kommt dazu, dass die Steuersätze zwischen den einzelnen Bundesstaaten stark variieren. In Kalifornien, «Haupt-Arbeitsort» der Nati an der WM, wird mit 13,3 Prozent der höchste Steuersatz aller US-Staaten erhoben.

Je nach Austragungsort sind die Teilnehmerverbände mit unterschiedlichen finanziellen Realitäten konfrontiert. Teams, die in Bundesstaaten mit niedrigeren Steuersätzen oder ausserhalb der USA ansässig sind, werden finanziell im Vorteil sein.

Breel Embolo wirds nicht freuen: Auch sein Lohn wird während der WM 2026 in den USA versteuert.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

Diese Ungerechtigkeit hat verheerende Folgen: Die WM-Teilnahme, eine wichtige Einnahmequelle des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), droht zum Verlustgeschäft zu werden. Der SFV gab Anfang Jahr bekannt, dass die Nati die Viertelfinals erreichen muss, damit von den 8,1 Millionen Franken Antrittsprämie und den Erfolgszahlungen ein Gewinn übrig bleibt. Gemeinsam mit anderen Verbänden hat man das Problem mit den Steuern bei der Fifa deponiert. Mit Bitte um eine Lösung bis zum Fifa-Kongress am 30. April.

Die Reaktion des Weltverbands: Er zahlt nun jedem Teilnehmer 1,5 Millionen Franken mehr Antrittsprämie aus. Die Tagespauschalen pro Person werden auf 665 Franken erhöht (2022 in Katar 470 Franken).

Mehr Geld von der Fifa entlastet zwar das Budget des SFV, der auch mit den exorbitant hohen Reise- und Verpflegungskosten in den USA zu kämpfen hat. Das eigentliche Problem, die unterschiedliche Stuerbelastung je nach Spielort, ist jedoch nicht gelöst. Gegenüber CH Media teilt der SFV mit: «Stand jetzt hat sich nichts geändert und wir müssen davon ausgehen, dass die ungleiche Steuerpraktik weiterhin besteht. Die Fifa bemüht sich allerdings weiterhin darum, für die teilnehmenden Verbände (nicht aber für die Spieler und Offiziellen) eine Steuerbefreiung zu erhalten.»

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat seinen Kumpel Donald Trump in der Steuerproblematik bislang nicht zum Einlenken gebracht.
Bild: Mark Schiefelbein

Bei einem Gruppen-Aus wäre für den SFV das Horrorszenario «Verlust» mittlerweile abgewendet. Ein unabhängig vom sportlichen Erfolg garantierter Gewinn, in der Vergangenheit Standard, würde indes ausbleiben. Der SFV dazu: «Das ist problematisch, weil uns die Endrundenerträge Investitionen in die Weiterentwicklung von Bereichen ermöglichen, die sich nicht selber finanzieren.»

Sportliches Ziel der Nati ist gemäss Trainer Murat Yakin «die erfolgreichste Schweizer WM der Geschichte». Das wäre die erstmalige Qualifikation für den Halbfinal, garniert mit einer Fifa-Prämie von über 21 Millionen Franken. Damit würde die WM 2026 auch aus finanzieller Sicht zum Rekordturnier für den SFV werden - trotz Steuerungerechtigkeit. (wen)

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