
Wer seit der Erstaustragung Jahr für Jahr an der Startlinie des SwissCity- Marathons steht, muss ein Lauffreak sein. Auf den 56-jährigen Michael Siegrist trifft diese Bezeichnung nur bedingt zu. Denn seine grosse sportliche Leidenschaft galt einst dem Inline- Sport. In dieser Sportart bestritt der Servicemonteur über 10 Jahre lang nationale und internationale Wettkämpfe. In einem Trainingslager in Italien lernte er eher zufällig die Läuferin Lucia Mayer-Hofmann kennen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine enge Freundschaft und Michael agierte am Zürich Marathon als Begleiter.
Wenn der Marathon vor die Haustür kommt
Um selbst mitzulaufen, verspürte er damals noch keine Lust, merkte gegenüber seiner Kollegin aber an, dass er sich der Herausforderung Marathon stellen würde, wenn ein solches Event vor der Haustür stattfände. Gesagt, getan – als 2007 der SwissCity- Marathon ins Leben gerufen wurde, nahm Michael Siegrist die 42,195 Kilometer in Angriff – auch im Rückblick ein unbeschreibliches Erlebnis. «Meine Kolleginnen und Kollegen meinten damals, ich sei ein Spinner, über die vergangenen 20 Jahre hinweg konnte ich jedoch viele von ihnen zum Mitlaufen animieren.» Ab 2018 bestritt Michael Siegrist, der über die 20 Austragungen hinweg immer an der Marathonstrecke gewohnt hat, jeweils den Halbmarathon. «Der Aufwand dafür ist etwas kleiner und zudem konnte ich so nach meinem eigenen Rennen auch andere unterstützen. Ein Highlight war beispielsweise, als ich 2012 Lucia Mayer-Hoffmanns Zieleinlauf als Siegerin des Marathons mitverfolgen konnte.» Während die gebürtige Luzernerin in ihrer Karriere über die Marathondistanz Limiten für Europaund Weltmeisterschaften unterbot, stand für Michael Siegrist stets der Spass im Zentrum. Die einmalige Stimmung, die schöne, abwechslungsreiche Strecke und die super Organisation machen für den Luzerner den SwissCityMarathon aus und sorgen dafür, dass der Termin Jahr für Jahr fix in seiner Agenda steht.
Eine Bestzeit, eine Belohnung und grosse Vorfreude Heute stellt der Laufsport für den gelernten Sanitär vor allem einen Ausgleich zum physisch herausfordernden Arbeitsalltag dar. «Unabhängig vom Wetter und der Tageszeit ist diese Sportart mit kleinem Aufwand betreibbar. Ich liebe es, ohne Trainingsplan einfach loszulaufen und unterwegs zu entscheiden, wie schnell und coupiert ich laufen will.» Auch bei seiner 19. Teilnahme am SwissCityMarathon stand nicht die Zeit, sondern das Lauferlebnis im Fokus. «Ich habe eine Knieoperation hinter mir, weshalb ich im Vorfeld nur einmal wöchentlich laufen konnte. Dennoch schien mir das Ziel, gemeinsam mit meinem über 30 Jahre jüngeren Firmpatenkind Raphael Stirnimann eine Zeit unter 2 Stunden zu erreichen, realistisch.»
Der Lauftag begann mit einem Blick aus dem Fenster, der ein trockenes Rennen versprach. Nach einer kurzen Anreise, spannenden Begegnungen und den letzten Vorbereitungen fiel um 10 Uhr der Startschuss. «Das Wetter war gut und trotz Kälte war die Stimmung an der Strecke grossartig. Raphael und ich liessen uns davontragen und lagen bei Kilometer 16 super im Rennen.» Das Duo hielt das Tempo und erreichte das Ziel nach 1:54:23 Stunden. «Raphael stellte sogar eine persönliche Bestzeit auf, was mich enorm gefreut hat.» Im Ziel wartete das Supportteam mit einem wohlverdienten Bier auf die beiden. Dann galt es, vor dem Regen zu flüchten und die Speicher wieder aufzufüllen. «Mit einem Bad und einem leckeren Nachtessen liess ich den Lauftag ausklingen. Schon bald werde ich mich für die nächste Austragung anmelden, denn für mich ist klar, dass ich auch 2027 wieder am Start sein werde – dann hoffentlich bei Sonnenschein.»





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