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48. Luzerner Stadtlauf

Ein Leben in Bewegung: Warum Walter Zemp noch nicht ans Geniessen denkt

Die Schule Eschenbach ist Stammgast am Luzerner Stadtlauf. Mit der 18. Teilnahme in Folge endet die Zeit von Initiant Walter Zemp. Er geht Ende Schuljahr in Pension.
Walter Zemp prägte Generationen – und bleibt auch nach seiner Pension in Bewegung.
Bild: Pius Amrein (1. 4. 2026)

«Ich betreibe jede Sportart, die mir spannend vorkommt», sagt Walter Zemp. Der Primarlehrer aus Eschenbach bezeichnet Sport als seinen Lebensbegleiter. Er ist oder war Fussballer, Jogger, Biker, Squasher, Rennreiter, Fitness-Freak, Skifahrer und Langläufer, um nur die wichtigsten Sportarten zu nennen. Zudem war er 30 Jahre Juniorentrainer beim FC Eschenbach, organisierte Lauf- sowie andere diverse Sportevents und 18 Teilnahmen der Schule Eschenbach am Teamlauf für Schulen des Luzerner Stadtlaufs. Ende Jahr ist endgültig Schluss, aber nicht mit sportlichen Aktivitäten. Dazu fühlt sich der 65-Jährige noch zu fit und zu ehrgeizig. Mit dem Ende des laufenden Schuljahres und nach 45-jähriger Tätigkeit an der Schule Eschenbach geht der gebürtige Stadtluzerner in Pension. «Ich könnte noch gut einige Jahre unterrichten. Doch ich habe entschieden, 45 Jahre sind genug. Das Leben hat noch anderes parat, als täglich Lehrer zu sein. Ich habe auf allen Primarstufen unterrichtet.» Der Rhythmuswechsel von zehn Jahren auf eine andere Primarstufe habe immer wieder neue Herausforderungen gebracht. «Doch der Unterricht auf der Primarstufe 1./2. Klasse sei die schönste Aufgabe gewesen. «Als Lehrer ist man wie ein Selbstständigerwerbender, du bist der Chef eines kleinen Unternehmens mit guter Berufsethik.»

Anstellung in der Nähe von Perlen gesucht

Dass Walter Zemp 1980 als Lehrer in Eschenbach gelandet ist, hat wieder mit Sport zu tun, genauer gesagt mit dem Rennreiten. Schon bei seiner Ausbildung am städtischen Lehrerseminar war Zemp fast täglich morgens um 4 Uhr auf der Rennbahn auf der Allmend anzutreffen, versorgte die Pferde und stieg 1976 mit Ponyrennen in den Pferderennsport ein. 1979 machte er die Lizenz als Amateur-Rennreiter. 1980 wurden die Pferdeanlagen von der Luzerner Allmend nach Perlen-Buchrain in den neu errichteten Perlenhof verlegt. Und auch dort war Zemp, der inzwischen das Lehrerpatent erworben hatte, fast täglich anzutreffen. Um die Rennreiterei weiterhin «halb professionell» zu betreiben, bewarb er sich in allen umliegenden Schulen für ein Teilzeitpensum. Als ihm der damalige Nationalrat Franz Jung eine Stelle als Lehrer der 7. Primarklasse in Eschenbach anbot, sagte der damals knapp 20-Jährige spontan zu. Dass er auch nach 45 Jahren noch in Eschenbach – und das immer in einem 100-Prozent-Pensum – unterrichten würde, hatte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht ausmalen können.

Sportgedanken im Unterricht fördern

Walter Zemp war nicht nur Lehrer aus Leidenschaft und täglich mit vollem Engagement dabei, er brachte den Schülerinnen und Schülern auch den Sport näher. Er machte sie auf die Notwendigkeit der körperlichen Fitness und deren Wohlbefinden aufmerksam, förderte im Unterricht Sportziele, jedoch ohne die Lernenden unter Druck zu setzen. Er machte das nicht nur mit Enthusiasmus und schönen Worten, sondern auch mit Taten. Zemp wurde vom Schulleiter als Sportminister bezeichnet, auch weil er die anderen Lehrpersonen immer daran erinnerte, den Sportgedanken im Unterricht zu fördern. Er war aber nicht nur Motivator, der die Kinder zum Sport animierte, er engagierte sich auch als Organisator. So rief er unter anderem den Neuheimlauf (2008) und den Hübelilauf (2014), beide benannt nach Eschenbacher Schulhäusern, ins Leben. Auch integrierte er dabei seine Klasse in die Organisation. Während der Hübelilauf als Basis für die Jüngsten dient, ist der Neuheimlauf für die älteren Jahrgänge mit vielen Höhenmetern eine echte Herausforderung.

90 Siege bei den Rennamateuren

Zurück zum Rennreiten. 1981 schaffte Walter Zemp den Durchbruch. Er wurde Schweizer Meister bei den Amateuren. «Um im Rennreiten Erfolg zu haben», sagt Walter Zemp, «braucht es eines der drei G: Glück, Geduld oder einen Vater mit viel Geld.» Er habe es dank Glück und etwas Ausdauer geschafft. Unter der Trainerlegende Fritz Rindlisbacher und mit Pferden des Rennstalls Perlenhof holte Zemp bis zum Rücktritt 1996 90 Siege bei den Amateuren. Ab dem 50. Sieg erlangte er den Status eines Jockeys, die offizielle Bezeichnung für Berufsrennreiter. Als unvergessliche Erinnerung nennt Zemp das Rennen im Spätherbst 1981, nur zwei Jahre nachdem er die Lizenz erworben hatte, im westdeutschen Haupthürdenrennen in Mühlheim-Ruhr vor Tausenden von Zuschauenden. Schon während seiner Karriere als Rennreiter wurde er auch Rennpferdbesitzer und Trainer. Auch hier konnte er die Erfolge als Rennreiter erweitern und realisierte nochmals gut 20 Siege. 1996 war dann endgültig Schluss. Ein Nachkomme eines seiner Rennpferde, der nun seit nunmehr 30 Jahren zusammen mit zwei Ponys in seinem Stall den Lebensabend geniesst, erinnert ihn täglich an diese erfolgreichen Zeiten.

18. Teilnahme am Stadtlauf in Folge

Seit 18 Jahren gehört die Teilnahme der Schule Eschenbach am Luzerner Stadtlauf zum festen Bestandteil. Die Vorbereitungen für den Grossevent werden individuell von Fasnacht bis Ostern in den Sportlektionen betrieben. Mit der Teilnahme möchte Walter Zemp den Kinder ein einmaliges Teamerlebnis bieten, sie zum Laufen motivieren, aber auch die Sportziele im Unterricht fördern. Auch die Unterstützung eines lokalen Events ist ihm wichtig. Obwohl das Mitmachen und nicht der Rang im Zentrum steht, setzt Walter Zemp einen Anreiz für gute Leistungen. Alle, die sich unter den besten 10 Prozent ihrer Kategorie klassieren, erhalten einen internen Erinnerungspreis in Form eines goldenen Laufschuhs.

2010 war ein spezielles Jahr in der Geschichte der Stadtlauf-Teilnahmen: Zum einen stand ein zweistündiges Vorbereitungstraining mit der Langstreckenläuferin und Olympiateilnehmerin Maja Neuenschwander auf dem Programm, zum andern stellte die Schule Eschenbach ein Laufteam mit Lehrpersonen. Und eines ist Walter Zemp nach der Derniere am 25. April 2026 gewiss: Die Tradition Stadtlauf wird auch nach seiner Pensionierung weitergeführt.

Ehrgeiz ist noch immer omnipräsent

Für Walter Zemp beginnt im Sommer ein neuer Lebensabschnitt – ohne Schule zwar, aber weiterhin mit viel Leidenschaft für den Sport. «Ich hätte nie so viel Zeit in den Sport investieren können, hätten meine Frau Marianne und ich Kinder grossziehen dürfen.» Auch der Ehrgeiz, immer gewinnen zu wollen, wird nach der Pension weiterleben. «Ich bin noch nicht im Geniessermodus angekommen », sagt Walter Zemp, «es ist immer noch so wie in jungen Jahren. Wenn ich nicht gewinne, bin ich immer noch einige Zeit richtig sauer.» Gelegenheit dazu hat er Ende Mai. Dann stehen die Schweizer Meisterschaften im Squash an. Alles andere als Gold in der Kategorie über 65-Jährige wäre eine Enttäuschung. Schliesslich hat er schon Stufen tiefer mehrere Titel geholt. Auch mit einem Sieg wäre der Siegeshunger noch nicht gestillt. Und Enttäuschungen im Sport mag Walter Zemp gar nicht.

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