Ski alpin

Tochter als Chefin? So plant Loïc Meillard seine erste Ski-Saison als Vater

Die Schweizer Ski-Stars beantworten gut drei Wochen vor Saisonstart die drängendsten Fragen.

Vater Loïc Meillard: «Es sollte nicht mehr Weltmeisterschaften geben»

«Welcome home little girl!» Es ist Ende Mai, als Loïc Meillard die Geburt seiner ersten Tochter verkündet. Es ist das nächste Highlight eines aussergewöhnlichen Jahres. Drei Olympia-Medaillen, die Hochzeit mit Zoé Chastan, der langjährigen Medienbetreuerin der Schweizer Ski-Männer. Und nun eben: Vater.

Wie verändert sich das Leben dadurch für Meillard? «Am Ende ist nichts riesig anders – aber gleichzeitig auch ganz viel», sagt der bald 30-Jährige. Und erzählt ein kleines Beispiel aus der Saison-Vorbereitung: «Anstatt wie früher eine Trainingseinheit am Morgen und eine am Nachmittag zu machen, habe ich versucht, beides in eine Einheit zu verpacken. So konnte ich am Nachmittag Familienzeit geniessen.»

Speziell war für Meillard der temporäre Abschied von seiner Familie vor dem gut dreiwöchigen Trainingslager in Neuseeland. «Da hat das Herz natürlich weh getan. Aber es gehört zum Job und ich konnte mich ja genügend darauf vorbereiten», sagt Meillard. Ob und wie seine Familie ihn während der kommenden Saison begleitet, ist noch nicht abschliessend definiert. «Sie werden einmal ein Rennen schauen kommen, mal nicht – das sehen wir dann.»

Meillard hat sich in den letzten Jahren zum Spezialisten für Grossanlässe entwickelt. Er ist Slalom-Weltmeister, Slalom-Olympiasieger, gewann dazu jeweils die Bronze-Medaille im Riesenslalom und je eine in der Team-Kombination. «Es wird auch wieder ein Grossanlass kommen, wo ich keine Medaille gewinne – aber das ist nicht schlimm. Meine Medaillen kann mir niemand mehr wegnehmen.»

Doch vielleicht hilft ihm diese Ausgangslage vor der Heim-WM ja umso mehr. «Stimmt, ich habe weniger Druck und kann es mehr geniessen.» Wobei Meillard ergänzt: «Bei WM und Olympia zählt nur dieser eine Tag, nur die Medaille. Da musst du bereit sein und liefern. Ich mag diese Ausgangslage.»

Apropos WM: In der Diskussion, ob es künftig in jedem Jahr eine WM geben sollte, hat auch Meillard eine klare Meinung: «Ich verstehe die FIS, dass sie zusätzliche Weltmeisterschaften möchte, um mehr Geld zu verdienen. Aber aus Athleten-Sicht sage ich: Der Wert einer Medaille sinkt. Darum würde ich auf zusätzliche Weltmeisterschaften verzichten.»

Franjo von Allmen: Der Blick zurück ist keine Stärke

Wenn der dreifache Olympiasieger über seine Motocross-Aktivitäten erzählt, blüht er regelmässig auf. Franjo von Allmen macht klar, dass er sich diesen sommerlichen Ausgleich zum Skisport auch dann nicht nehmen würde, wenn jemand auf die Idee kommen sollte, es ihm ausreden oder gar verbieten zu wollen. «Es ist zum einen ein Ausgleich, bei dem ich abschalten kann. Zum anderen sehe ich auch viele Parallelen zum Skifahren. Man muss adaptieren und reagieren können und auch die Ausdauer wird trainiert.»

Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Skisport ist die Risikobereitschaft, die man mitbringen muss. Hat Franjo von Allmen vor gar nichts Angst? «Eigentlich nicht. Höchstens davor, ein Interview auf Französisch geben zu müssen.»

Der 25-Jährige ist nicht der Typ, der oft und lange zurückblickt. So sind die goldenen Tage von Bormio schon beinahe verblasst. «Ich muss mich manchmal sogar dazu zwingen, innezuhalten. Ich weiss, dass ich etwas erreicht habe, das wohl nicht so schnell wieder passieren wird. Aber meine Konzentration ist nun wieder auf die neue Saison gerichtet. Olympia ist schon wieder sehr weit weg.»

Daniel Yule: Rennhund gibt jetzt im Training Gas

Der Walliser ist mit sieben Weltcupsiegen der erfolgreichste Schweizer Slalomfahrer der Skigeschichte. Im Januar 2020 gewann der Sohn britischer Eltern sogar drei Rennen in Serie. Doch seit zwei Jahren harzt der Motor. Selbst der Skiwechsel zu Atomic nach 19 Jahren bei Fischer stoppte die Abwärtstendenz beim 33-Jährigen nicht. Platz 11 in Gurgl blieb das beste Resultat der gesamten Saison.

Frage an Daniel Yule: Wann wird er Ende Saison von einem guten Winter sprechen? «Ich muss spüren, dass es in eine gute Richtung geht. Die letzten zwei Saisons waren enttäuschend. Ich will am Start stehen mit der vollen Überzeugung, dass man wieder mit mir rechnen muss.»

Um dies zu erreichen, hat Yule sein Mindset angepasst. Er werde zwar auch in Zukunft kein Trainingsweltmeister sein, «aber vielleicht war es auch eine Ausrede, immer zu behaupten, ich sei halt der Renntyp. Ich habe mir vorgenommen, mit höheren Erwartungen und höherer Intensität in die Trainings zu gehen – auch wenn ich das Adrenalin nach wie vor nicht spüre.»

Malorie Blanc: Positive Antworten auf offene Fragen

Sie habe im Frühling viele Fragen gehabt, sagt Malorie Blanc zum unerwarteten Abschied ihres Trainers Stefan Abplanalp nach nur einer Saison. Die 22‑jährige Speedspezialistin war ebenso überrascht über diesen Vorgang wie der Rest des Teams und hätte sich rückblickend «eine bessere Kommunikation» gewünscht.

Inzwischen sind die Wogen geglättet und die Waadtländerin spricht punkto neuer Trainer an ihrer Seite «von einer Chance, Neues kennenzulernen und eine andere Perspektive zu erhalten. Die ersten Eindrücke sind positiv, die Leute sind wirklich cool. Man spürte in Zermatt und in Chile die Ruhe, welche sie mitbringen. Ich habe ein gutes Gefühl».

Nicht in Erinnerungen schwelgen will Malorie Blanc auch in Bezug auf ihren Sieg im Super-G bei der WM-Hauptprobe in Crans-Montana. Das mache sie nicht zur Topfavoritin für die Titelkämpfe. «Jedes Rennen beginnt wieder von vorn – egal, ob es die gleiche Strecke ist. Ich kann nicht einfach dasselbe tun wie im Vorjahr. Es würde nicht funktionieren.» Was sie mitnehme, seien die positiven Emotionen und das Wissen, «dass es eine wirklich schöne WM-Strecke mit vielen technischen Passagen ist».

Luca Aerni: Neuer Optimismus auch im Slalom

Der Routinier hat in jüngster Zeit einen beeindruckenden Wandel vollzogen. Zwischen Januar 2014 und Januar 2024 klassierte sich der 33-Jährige im Weltcup insgesamt 16-mal in den Top 10 eines Slaloms. Seither nie mehr. Im vergangenen Winter schaffte es der Berner mit Wurzeln im Wallis kein einziges Mal in den zweiten Lauf.

Dafür setzte Aerni im Riesenslalom zum Höhenflug an und sammelte in den vergangenen zwei Winter seine ersten vier Top-10-Plätze im Riesenslalom. Nun traut sich Luca Aerni im hohen Skifahreralter auch wieder bessere Leistungen im Slalom zu: «Im Training investiere ich nach wie vor 50 Prozent in den Slalom. In diesem Sommer in Neuseeland waren mein Speed und mein Timing wieder deutlich besser.»

Den Grund sieht er beim Wechsel auf ein älteres Skimodell. Aber Aerni ist Realist genug, um zu wissen, dass es mit Startnummer 60 «sicher schwierig wird. Aber wenn ich gut Ski fahre, kann es auch hier in die Punkte reichen.»

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