Fussball-WM 2026

Titel-Traum geplatzt: Ist Lionel Messis Zeit im argentinischen Nationalteam vorbei?

Argentiniens Superstar weinte nach dem verlorenen WM-Endspiel bitterlich – während die Fans ihn feierten. Es waren bewegende Szenen. Die eines Abschieds?
Lionel Messi nach der Final-Niederlage gegen Spanien.
Bild: Stephanie Scarbrough

Der Traum vom nächsten WM-Titel ist geplatzt. Und womöglich auch Lionel Messis Karriere im Trikot der Albiceleste zu Ende. Nach der 0:1-Finalniederlage nach Verlängerung gegen Spanien weinte Argentiniens Superstar vor den eigenen Fans bittere Tränen. Es waren bewegende Szenen, die viele als Abschied des 39-Jährigen von der Nationalmannschaft deuteten.

Vor der gewaltigen, hellblau-weissen Wand im Finalstadion von East Rutherford bei New York konnte Messi seine Emotionen nicht mehr zurückhalten. Mit der ungeliebten Silbermedaille um den Hals liefen ihm Tränen übers Gesicht. Minutenlang harrte er vor den argentinischen Fans aus, die immer wieder seinen Namen skandierten. Während hinter ihm die spanische Titelparty begann, wollte Messi nicht einmal hinschauen. Langsam, wie in Trance, verliess er schliesslich den Platz und später das Stadion wortlos.

«Er ist der beste Spieler, der je den Rasen betreten hat»

Vieles deutet darauf hin, dass Messis 34. WM-Spiel zugleich sein letztes war. Öffentlich äusserte sich der Captain nicht. Doch rund um ihn begann unmittelbar nach dem Schlusspfiff der Abgesang auf einen der grössten Fussballer aller Zeiten.

«Er ist der beste Spieler, der je den Rasen betreten hat», sagte Nationaltrainer Lionel Scaloni über den achtmaligen Weltfussballer. Er habe mit Messi zwar noch nicht über dessen Zukunft gesprochen, doch jeder könne stolz darauf sein, was dieser für Argentinien geleistet habe. Die Niederlage setzte auch Scaloni schwer zu. Unter Tränen erklärte der Trainer, er müsse sich Zeit nehmen, um über seine eigene Zukunft nachzudenken. Kurz darauf brach er die Pressekonferenz ab.

Auch der argentinische Verband verabschiedete seinen Captain mit emotionalen Worten. «Deine Tränen sind auch unsere. Danke für deine Hingabe, für die Magie und dafür, dass du bis zur letzten Sekunde alles gegeben hast. Wir lieben dich für immer, Leo», hiess es in den sozialen Medien. Verbandspräsident Claudio Tapia schrieb: «Es gibt keine Worte, die ausreichen würden, um dir für alles zu danken, was du uns gegeben hast. Du bist unsterblich, Leo. Du bist ein Gigant.» Auch Messis ältester Sohn Thiago meldete sich via Instagram zu Wort. «Wir lieben dich, Leo», schrieb er seinem Vater und bezeichnete ihn als den besten Spieler aller Zeiten.

Besonders schmerzhaft war die Niederlage, weil Messi Argentinien überhaupt erst ins Endspiel geführt hatte. Mit acht Toren und vier Assists hatte er grossen Anteil daran, dass der Weltmeister von 2022 erneut um den Titel spielen durfte. Immer wieder hatte der Routinier seine Mannschaft durch schwierige Phasen getragen und in den entscheidenden Momenten den Unterschied ausgemacht. Im Final aber blieb der Ausnahmekönner ungewohnt blass. Spanien dominierte die Partie und liess den Südamerikanern keinen einzigen Schuss aufs Tor zu. Gegen diese Übermacht konnte selbst Messi nichts ausrichten.

Lange Umarmung mit Lamine Yamal

Das Endspiel zeigte zugleich, wie abhängig Argentinien noch immer von seinem überragenden Spielmacher ist. Solange Messi das Team durch das Turnier trug, blieb der Titeltraum am Leben. Als er im Final kaum Akzente setzen konnte, fehlten der «Albiceleste» die Mittel, um den Europameister ernsthaft zu fordern. «Der Gegner hat sehr gut gespielt», sagte Scaloni anerkennend über den neuen Weltmeister, der das Endspiel kontrollierte und verdient gewann.

Kurz nach dem Schlusspfiff schritt Spaniens Jungstar Lamine Yamal auf den völlig niedergeschlagenen Messi zu. Der Argentinier erhob sich, die beiden Spieler umarmten sich lange. Das Bild erinnerte an jenes berühmte Foto von vor knapp 19 Jahren, als Messi den damals wenige Monate alten Yamal bei einem Fototermin badete. Nun begegneten sich beide als Gegner im WM-Final. Der eine möglicherweise am Ende seiner einzigartigen Nationalmannschaftskarriere, der andere am Anfang einer grossen Laufbahn. Es wirkte fast so, als würde eine Generation den Staffelstab an die nächste weiterreichen.

Lionel Messi (rechts) und Lamine Yamal umarmen sich nach dem Schlusspfiff.
Bild: Yuki Iwamura

Messi prägte den Weltfussball während fast zwei Jahrzehnten wie kaum ein anderer Spieler. Seit seiner ersten WM 2006 gehörte er bei jedem Turnier zum argentinischen Aufgebot. 2014 verlor er den Final gegen Deutschland nach Verlängerung, acht Jahre später führte er sein Land in Katar endlich zum lang ersehnten WM-Titel und erfüllte damit den Traum einer ganzen Nation. Hinzu kommen zwei Titel bei der Copa América sowie unzählige Erfolge auf Clubebene, allen voran mit dem FC Barcelona, wo er zur Vereinslegende wurde. Insgesamt absolvierte Messi 207 Länderspiele und erzielte dabei 125 Tore. Werte, die seine aussergewöhnliche Karriere zusätzlich unterstreichen.

2016 hatte Messi nach einer bitteren Finalniederlage gegen Chile seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft schon einmal erklärt. Ebenfalls in East Rutherford. Damals kehrte er nach wenigen Wochen zurück. Diesmal scheint die Situation anders zu sein. Bei der nächsten WM in vier Jahren wäre Messi bereits 43 Jahre alt.

Ob sein Entscheid tatsächlich bereits gefallen ist, weiss derzeit nur er selbst. Seine Tränen aber sprachen Bände. Während die argentinischen Fans ihren Captain ein letztes Mal feierten, schien allen bewusst zu werden, dass mit Lionel Messi möglicherweise eine der grössten Nationalmannschaftskarrieren der Fussballgeschichte zu Ende ging.

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