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Leichtathletik

Gold, Silber, Bronze – und ein Weltrekord: Die Schweiz zeigt eine WM für die Geschichtsbücher

Ein kompletter Medaillensatz und ein neuer Bestwert: Das Schweizer Leichtathletik-Team brilliert an der Hallen-WM im polnischen Torun. Eine Übersicht.

Ob in Belgrad, Glasgow oder Nanjing: Die Schweizer Leichtathletik hat sich auch dank ihren Leistungen an Hallen-Weltmeisterschaften mit Nachdruck in der erweiterten Weltspitze etabliert. Acht Medaillen heimsten Schweizer Athletinnen und Athleten an den letzten drei Indoor-Welttitelkämpfen ein. Und auch nun wieder reist das Schweizer Team aus dem polnischen Torun, wo am Wochenende die neuerliche WM-Austragung stattfand, äusserst reich beschenkt zurück: Mit Gold, Silber, Bronze und einem Weltrekord im Schlepptau. Eine Übersicht.

Simon Ehammer

Stolzer Urkundeninhaber: Simon Ehammer.
Bild: Michael Buholzer

Mit einem Gewinnerlächeln zeigte Simon Ehammer auf die Leuchttafel, die in vier Ziffern von der Sensation kündete: 6670. So viele Punkte erreichte der Appenzeller im Siebenkampf. Weltrekord. Die Bestmarke von Ashton Eaton, die 14 Jahre lang Bestand hatte, übertraf Ehammer um 25 Punkte. Noch am selben Abend nahm der 26-Jährige die Glückwünsche des entthronten US-Amerikaners in einem Videoanruf entgegen.

Ehammer zeigte über zwei Tage einen Wettkampf ohne Schwächen. Er entschied vier Disziplinen für sich, pulverisierte mehrere persönliche Bestleistungen und einen Weltbestwert und distanzierte die Konkurrenz derart, dass ihm der WM-Titel in der Halle – sein zweiter nach 2024 – schon vor dem abschliessenden 1000-Meter-Lauf nicht mehr zu nehmen war. Auch über die eigentlich ungeliebte Mitteldistanz blieb Ehammer cool, lief als Vierter zwei Sekunden schneller als gefordert ins Ziel und krönte sich zum neuen Weltrekordhalter.

Audrey Werro

In einem hochklassigen 800-Meter-Rennen lief Shootingstar Audrey Werro zu Silber.
Bild: Michael Buholzer

Die Freiburgerin ist erst 21 Jahre alt. Doch aus dem hoffnungsvollen Nachwuchstalent ist bereits eine internationale Spitzenläuferin geworden. Vor einem Jahr schnupperte Werro bereits an ihrer ersten Medaille in der Elite, verpasste das Podest in Nanjing als Vierte nur knapp.

Und nun? Stiess Werro in neue Sphären vor. In einem hochklassigen 800-Meter-Final musste sie sich einzig Keely Hodginskon geschlagen geben. Und wäre die britische Dominatorin nicht gewesen, Werro hätte sich mit ihrer Spitzenzeit von 1:56,64 Minuten gut und gerne mehr als nur Silber verdient. Ein Schweizer Rekord für Werro – und ein nächster Meilenstein. Nichts scheint mehr unmöglich.

Angelica Moser

Allen Widerständen zum Trotz sprang Angelica Moser zu Bronze.
Bild: Michael Buholzer

Dass Erfolg teilbar ist, zeigte sich am Beispiel der Stabhochspringerin. Wie im Vorjahr holte Angelica Moser WM-Bronze. Wieder waren es die 4,70 Meter, die ausreichten. Den Bronzegewinn teilte sich die 28-Jährige mit der Tschechin Amalie Svabikova und der Neuseeländerin Imogen Ayris.

In Nanjing war es ein Bänderriss gewesen, dieses Mal waren es Oberschenkelprobleme, die die Zürcherin plagten. Sie aber nicht an Höchstleistungen hinderten. Mit dick einbandagiertem Oberschenkel meisterte Moser die ersten drei Höhen ohne grosse Mühe. Erst die 4,80 Meter erwiesen sich als zu hoch. Ein Makel, mit dem Moser vortrefflich leben konnte.

Ditaji Kambundji

An Devynne Charlton (links) gab es für Kambundji kein Vorbeikommen.
Bild: Michael Buholzer

Freiluft-Weltmeisterin ist sie schon. Auf einen WM-Titel in der Halle muss Ditaji Kambundji aber weiter warten. In einem der schnellsten Hallen-Finals der Geschichte erwies sich Devynne Charlton von den Bahamas wie im Vorjahr erneut als zu stark. Die Sprinterin aus der Karibik lief die 60 Meter Hürden in 7,65 Sekunden – ein Weltrekord.

Doch nicht nur Charlton war schneller. Übertrumpft wurde Kambundji auch von der Niederländerin Nadine Visser und der Polin Pia Skrzyszowska. Letztlich musste sich Kambundji mit Platz vier begnügen. Auch die europäische Konkurrenz ist stärker geworden. Diese schmerzliche Erfahrung hielt diese Hallen-WM für die Bernerin bereit.

Und sonst?

Wie verlief die WM für die übrigen Schweizerinnen und Schweizer? Zuweilen bitter, wie im Fall von Annik Kälin. Vor einem Jahr hatte sie in der Halle noch doppelt Silber geholt. Heuer musste sie eine Enttäuschung verkraften. Im Weitsprung-Final schied die 25-Jährige bereits nach drei Anläufen aus. Kälin war es nicht gelungen, in das nach dem dritten Sprung auf zehn Athletinnen reduzierte Teilnehmerfeld zu gelangen. Wie ihr zweiter Versuch war auch der dritte ungültig, im ersten war sie mit einer Weite von 6,31 Metern unter den Erwartungen geblieben.

Auch für Ajla Del Ponte war es keine WM nach Wunsch. Die 29-Jährige gab nach schwierigen Jahren ihr Comeback an jenem Ort, an dem sie 2021 Europameisterin wurde. Doch diesmal brachte der Sprinterin die Arena in Torun kein Glück. Bereits nach dem Vorlauf waren die Wettkämpfe für die Tessinerin zu Ende.

Im Vorlauf war über 60 Meter Hürden auch für Larissa Bertényi und Fabio Kobelt Schluss. Ivan Pelizza und Valentina Rosamilia (800 Meter) blieben im Halbfinal hängen, wie auch Léonie Pointet (60 Meter Sprint), Joceline Wind und Delia Sclabas (1500 Meter).

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