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Langlauf-Weltcup

Nadine Fähndrich belohnt die vielen Schweizer Fans: Ihr Sturmlauf aufs Podest ist eine mentale Meisterleistung

Die beste Schweizer Langläuferin holt beim Heimsprint im Obergoms die Kohlen aus dem Feuer. Die 30-Jährige kämpft sich auf den letzten Metern auf den dritten Platz vor.
Nadine Fähndrich holt sich beim Heimrennen im Wallis ihren Weltcup-Podestplatz Nummer 19.
Bild: SALVATORE DI NOLFI

Nach dem letzten Anstieg im Sprintfinal der Frauen schien das Rennen gelaufen. Nadine Fähndrich hatte den Anschluss an das Spitzentrio definitiv verloren. Trotz lautstarker Unterstützung durch eine beeindruckende Zahl Schweizer Langlauffans fand die Innerschweizerin den sechsten Gang nicht. Die zehn Meter Rückstand auf dem Kulminationspunkt wirkten als zu grosse Hypothek, um den ersehnten Podestplatz bei der Olympia-Hauptprobe noch zu realisieren.

Diesen Gedanken hatte in diesem Moment auch Fähndrich selbst. Denn sie erinnerte sich daran, dass die beiden Schwedinnen Maja Dahlqvist und Linn Svahn sowie die Deutsche Laura Gimmler auf der Zielgeraden «im Normalfall schneller sind als ich».

Doch die sechsfache Weltcupsiegerin steckte trotz ihrer Live-Prognose bei Laktat-Überschuss nicht auf, kämpfte sich im Stadion noch einmal Meter für Meter heran und überholte nach der letzten Kurve die Weltcupführende im Sprint, Maja Dahlqvist. Auch auf Siegerin Svahn (26 Hundertstel) und insbesondere auf Gimmler (12 Hundertstel) machte sie den Abstand beinahe noch wett.

Es war eine grossartige Willensleistung von Nadine Fähndrich. Aber noch beeindruckender war ihr mentales Meisterstück. Denn der Blick auf den eigenen Rückstand am Hügel und die vermeintliche Endschnelligkeit der Konkurrentinnen blieb nicht die einzige psychologische Herausforderung für Fähndrich an diesem Tag. Sie selbst sagte zur Herausforderung im Kopf: «Vor zwei Jahren hätte ich es unter diesen Umständen wohl nicht einmal in den Final geschafft.»

Der Schneefall über Nacht und die im Verlauf des Sprinttags glasiger werdende Spur sorgten für Verhältnisse, die ihr nicht liegen. «Ich bin eine Kraftläuferin und bei diesen Bedingungen waren aber technische Finesse und Gefühl gefragt. Das liegt mir weniger.»

Zudem signalisierte ihr die Smartwatch in den zwei äusserst anspruchsvollen Aufstiegen bereits im Viertel- und Halbfinal, die sie jeweils als Zweite souverän überstand, abnormal hohe Pulswerte. Privattrainer Ivan Hudac beruhigte sie und führte dies auf die Folgen ihres Höhentrainingslagers in der vorletzten Woche zurück. «Es war kein einfacher Tag für mich. Zum sehr hohen Puls kam auch noch eine überaus grosse Nervosität. Aber auch damit kann ich heute besser umgehen als noch beim letzten Weltcup im Goms, als mich dieser Zustand hemmte», sagte Fähndrich.

Auch wenn mit Jonna Sundling die wohl stärkste Schwedin auf einen Start verzichtete, sammelte Nadine Fähndrich mit ihrem dritten Rang eine Extraportion Zuversicht in Richtung Olympia. Sie hat nun die definitive Bestätigung, dass selbst dann alles möglich bleibt, wenn es eigentlich nicht ihr Tag ist.

In 20 Sekunden Anstieg nimmt Johannes Kläbo der gesamten Konkurrenz mehr als 20 Meter ab.
Bild: IMAGO/Terje Pedersen

Das Rennen der Männer geriet einmal mehr zu einer Machtdemonstration von Johannes Kläbo. Der Norweger wählte im Viertelfinal, Halbfinal und Final jeweils andere Taktiken - wohl zu Testzwecken im Hinblick auf den Olympiasprint. Ernsthafte Gegenwehr erlebte er bei keiner seiner drei Varianten.

Die Kadenz bei seinem Antritt im Final am letzten Hügel erinnerte an eine hochtourige Nähmaschine. Klaebos Vorsprung betrug danach bereits vor der Zielgerade mehr als 30 Meter. Sprinten musste er in diesem Sprint definitiv nicht. Und nach seinen Einsätzen wirkte der norwegische Langlauf-Überflieger so frisch, als käme er gerade aus dem Wellness-Bereich in einem Spa.

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