Eishockey-WM

Kevin Fiala über sein WM-Aus: «Ich stand sehr nahe am Comeback, es ist sehr hart»

NHL-Stürmer Kevin Fiala reichte die Zeit nach seiner schwerwiegenden Beinverletzung an den Olympischen Spielen nicht aus, rechtzeitig für die Heim-WM wieder fit zu werden. Nun sprach er in einer Medienrunde über seine Gefühlslage.
Kevin Fiala spricht anlässlich der Heim-WM in Zürich in einer Medienrunde über seine Verletzungszeit.
Bild: ANDREAS BECKER

Die Anspannung ist ihm ins Gesicht geschrieben, als der verletzte NHL-Stürmer Kevin Fiala vor dem Spiel gegen Grossbritannien, mit einer stützenden Schiene am Bein, überraschend die Garderobe der Schweizer Nationalmannschaft betritt und die startenden sechs Spieler verkünden darf. Tags zuvor kam die Ehre dem ebenfalls verletzten Andrea Glauser zuteil, der die Spielernamen besonders emotional bekannt gegeben hatte. «Er hatte einen super Job gemacht. Und ich muss sagen: Ich war nervöser, als wenn ich gespielt hätte. Es war lustig», sagte Fiala hinterher.

Anfang Woche hatte diese Zeitung erfahren, dass Kevin Fiala bis zuletzt ein Thema blieb, die Nationalmannschaft zu verstärken. Bis dann schliesslich die Hiobsbotschaft doch eintrudelte: Die Zeit wird nicht reichen.

Vor dreieinhalb Monaten verletzte sich Fiala an den Olympischen Spielen schwer am Unterkörper, als Kanadas Tim Wilson mit voller Wucht auf sein Schien- und Wadenbein fiel. «Ich habe bis vor einer Woche daran geglaubt, dass ich an der WM teilnehmen kann. Aber die Los Angeles Kings haben auch etwas zu sagen, nicht nur ich. Schlussendlich bin ich jetzt als Fan und Zuschauer da, als Teamkollege. Ich werde alles dafür tun, einen guten Vibe zu geben», sagte Fiala am Freitag gegenüber SRF.

Kevin Fiala spricht anlässlich der Heim-WM in Zürich in einer Medienrunde über seine Verletzungszeit.
Bild: Pascal Muller/freshfocus

Am Samstagmorgen ging Kevin Fiala in einer Medienrunde noch detaillierter auf seinen Heilungsprozess ein. Es gehe von Tag zu Tag besser und er erziele bedeutende Fortschritte. «Ich stand sehr nahe am Comeback, am Dienstag stand ich noch auf dem Eis. Es ist hart, nun zuschauen zu müssen und vielleicht ist das Ganze noch etwas härter an einer Heim-WM mit all den Schweizer Fans im Rücken», so Fiala.

Auf die Frage, ob er denn gespielt hätte, wenn nur er über eine Teilnahme entschieden hätte, will der St. Galler nicht ins Detail eingehen. «Es ist kompliziert. Ich hätte es gerne als Spieler miterlebt, aber schlussendlich hat es einfach nicht sollen sein, das muss ich akzeptieren. Ein Traum ist geplatzt. Jetzt muss ich einen neuen Ballon aufblasen und neue Ziele verfolgen.»

Kevin Fiala verletzt sich im Spiel gegen Kanada Mitte Februar an den Olympischen Spielen schwer am linken Bein.
Bild: Darryl Dyck

Erster Flug in die Schweiz mit Familie zu viert

Als am Mittwoch die Medizin-Abteilung der Los Angeles grünes Licht für eine Reise in die Schweiz erteilte, sei alles sehr schnell gegangen. «Wir haben am Morgen den Flug gebucht und sind noch gleichentags am Abend geflogen.» Zum ersten Mal reiste Kevin Fiala mit seiner Frau Jessica, seiner zweijährigen Tochter Masie-Mae sowie seinem zwei Monate alten Töchterchen Zoie-Lou zu viert als Familie in die Schweiz. «Interessant», sei der 10-Stunden-Direktflug gewesen, meint Fiala schmunzelnd. «Die Kleine hat neun Stunden durchgeschlafen, aber die grössere hat die Reise noch nicht so gut verstanden. Aber sie hat es gut gemacht.»

Dass Kevin Fiala die Reisestrapazen auf sich genommen hat, um die Heim-WM hautnah miterleben zu können und trotz des verletzungsbedingten Ausfalls bei der Mannschaft sein möchte, beweist einmal mehr, wie sehr der Zusammenhalt im Schweizer Nationalteam gelebt und der Teamspirit hochgehalten wird. «Ich bin jetzt da, um die Jungs zu unterstützen. Aber es geht nun nicht um mich, nicht um den armen Kevin Fiala. Es geht darum, dass ich dem Team helfen möchte. Ob es mich braucht, weiss ich nicht. Aber ich gebe alles Mögliche, damit wir als Mannschaft erfolgreich sind: meine Energie, meine Power und meine Liebe.»

Den Rest der Heim-WM in der Schweiz will Kevin Fiala bei der Mannschaft verbringen, ehe er dann zeitnah wieder zurück nach Los Angeles reisen wird. Und das, wer weiss, am liebsten als Teammitglied eines Weltmeisters.

Kommentare (0)