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Fussball-Nati

Jetzt bietet Murat Yakin sogar einen Dänen auf: Stefan Gartenmann heisst die grosse Überraschung im Nati-Kader

Auf der Suche nach potenziellen Nationalspielern weitet Murat Yakin seine Suche aus. Neben dem in Argentinien aufgewachsenen Lucas Blondel nominiert er auch Stefan Gartenmann für die Nati. Den Namen noch nie gehört? Kein Problem. Denn selbst in Gartenmanns Heimat Dänemark sind Szenekenner über das Nati-Aufgebot erstaunt.
Stefan Gartenmann, die neuste Yakin-Entdeckung, nach 1:0 von Ferencvaros im Europa-League-Playoff gegen Viktoria Pilsen. Das Rückspiel verloren die Ungarn mit 0:3.
Bild: David Balogh / Uefa

Es muss irgendwann um den Jahreswechsel herum gewesen sein, als Murat Yakin einen Anruf eines Agenten erhielt. Was dieser zu sagen hatte, weckte das Interesse des Nati-Trainers. Es gäbe da einen Dänen, damals 27, Innenverteidiger, unbestrittener Stammspieler beim ungarischen Serienmeister Ferencvaros. Und dieser Däne mit dem Namen Stefan Gartenmann hätte Schweizer Vorfahren.

Doch hat die Nati in der Verteidigung überhaupt Bedarf an Spielern, die nicht in einer Top-Liga engagiert sind? Im Moment, also für die beiden Testspiele in Nordirland und gegen Luxemburg, auf jeden Fall. Ausserdem: Wann, wenn nicht jetzt, ist der richtige Zeitpunkt, um neue Spieler in die Nati zu integrieren?

Yakin ist geradezu gezwungen, in der Abwehr zu improvisieren. Verteidigungsminister Manuel Akanji ist ebenso verletzt wie Becir Omeragic (Montpellier). Nico Elvedi hat zuletzt sowohl in Gladbach, aber insbesondere im Nationalteam, nicht überzeugt. Aurèle Amenda hat seit der Genesung eines Syndesmosebandrisses im Januar keine Minute für Frankfurt bestritten. Und Luca Jaquez wartet nach seinem Wechsel im Winter von Luzern zu Stuttgart auf seinen ersten Bundesliga-Einsatz.

Einzig Cédric Zesiger, normalerweise ein Nati-Wackelkandidat, konnte seine Position mit dem Wechsel von Wolfsburg zu Augsburg verbessern. In Bayern ist er nicht nur Stammspieler, sondern auf einem veritablen Höhenflug. Seit Zesiger im Januar erstmals für seinen neuen Klub auflief, hat Augsburg in neun Bundesliga-Partien nie verloren.

Ardon Jashari muss Forfait erklären

Bei Amenda, aber auch bei Fabian Rieder, macht Yakin eine Ausnahme von der Regel, die besagt, dass Spielpraxis ein entscheidendes Kriterium für die Selektion ist. Für beide spricht indes, dass sie im Nationalteam überzeugt haben und für sie künftig eine wichtige Rolle vorgesehen ist.

Wie übrigens auch für Ardon Jashari. Er gilt als designierter Nachfolger von Captain Granit Xhaka, der nicht zur Nati einrückt, weil in den kommenden Tagen sein drittes Kind zur Welt kommen soll. Für Jashari hätte sich dadurch die Möglichkeit geboten, sich in der Schaltzentrale zu beweisen. Weil er aber zuletzt bei Brügge eine sehr hohe Pace gegangen ist und eine Entzündung auszukurieren will, bat er Yakin um eine Pause.

Zu erwarten war, dass Yakin auf Noah Okafor verzichten würde. Der Offensivspieler war beim Nationaltrainer schon während der EM wegen mangelhafter Einstellung in Ungnade geraten. Statt Okafor darf nun erstmals Lausannes Supertalent Alvyn Sanches Nati-Erfahrung sammeln.

Das ist keine Überraschung. Einerseits, weil der 22-jährige Mittelfeldspieler zur Super-League-Attraktion avancierte, für Lausanne in dieser Saison elf Tore erzielte. Andererseits dürfte er im Herbst, sollte er in einem europäischen Top-Klub reüssieren, auch in Portugal zum Thema fürs Nationalteam werden.

Das erste Nati-Aufgebot 2025

Tor: Gregor Kobel (Dortmund), Yvon Mvogo (Lorient), Pascal Loretz (Luzern)
Abwehr: Aurèle Amenda (Frankfurt), Lucas Blondel (Boca Juniors), Eray Cömert (Valladolid), Stefan Gartenmann (Ferencvaros), Albian Hajdari (Lugano), Ricardo Rodriguez (Betis Sevilla), Miro Muheim (Hamburger SV), Isaac Schmidt (Leeds), Cédric Zesiger (Augsburg)
Mittelfeld/Sturm: Michel Aebischer (Bologna), Remo Freuler (Atalanta), Fabian Rieder (Stuttgart), Vincent Sierro (Toulouse), Simon Sohm (Parma), Djibril Sow (FC Sevilla), Denis Zakaria (Monaco), Dan Ndoye (Bologna), Andi Zeqiri (Lüttich), Ruben Vargas (FC Sevilla), Alvyn Sanches (Lausanne), Joël Monteiro (Young Boys), Breel Embolo (Monaco), Zeki Amdouni (Benfica).

Programm
17. – 20. März: Trainingslager in Portugal.
21. März: Nordirland–Schweiz in Belfast.
25. März: Schweiz–Luxemburg in St.Gallen.

Isaac Schmidt wird von seinen St. Galler Kollegen der kurz vor seinem Wechsel zu Leeds United gefeiert.
Bild: Manuel Nagel

Überraschend ist hingegen die erstmalige Selektion von Isaac Schmidt. Der Aussenverteidiger ist letzten Sommer von St.Gallen zu Leeds gewechselt. Der 25-jährige Lausanner hat beim Tabellenführer der zweiten englischen Liga aber schwierige Monate hinter sich. Den letzten Einsatz bestritt er Ende Dezember.

Die Nomination des dritten Neulings, den in Argentinien aufgewachsenen Rechtsverteidiger Lucas Blondel von den Boca Juniors, war vorhersehbar. Allein, weil Yakin kein grosses Geheimnis aus seiner Dienstreise vor einigen Wochen nach Buenos Aires gemacht hatte, um den Sohn des früheren Schweizer Tennisprofis Jean-Yves Blondel (ATP 548) kennenzulernen.

Stefan Gartenmann, der grosse Unbekannte

Stefan Gartenmann (links) hat sich beim ungarischen Serienmeister Ferencvaros als Stammspieler etabliert.
Bild: Denes Erdos/AP

Dafür liess Yakin nichts über eine andere Dienstreise durchsickern. Jene vor etwa zwei Wochen nach Budapest, um sich mit Stefan Gartenmann zu treffen. Doch wer ist dieser Mann?

Der Innenverteidiger, am 2. Februar 28-jährig geworden, ist in der 50’000-Einwohner-Stadt Roskilde 30 Kilometer westlich von Kopenhagen aufgewachsen. Mit 16 verliess er nicht nur sein Elternhaus, sondern auch seine dänische Heimat. Gartenmann liess sich beim holländischen Klub Heerenveen zum Profi ausbilden. Zurück in Dänemark, wurde er 2020 mit Sönderjyske Cupsieger.

Gartenmann gilt in seiner Heimat als Mentalitätsspieler, wird als harter Arbeiter, Teamplayer und «Warrior» beschrieben. «Kein Schönwetter-Fussballer», wie uns ein Kenner des dänischen Fussballs verrät. Ein Spieler, der zwar den Ruf eines verlässlichen Verteidigers hat, für den die dänische Nationalmannschaft aber doch unerreichbar schien. Schliesslich konnte er sich in der Saison 2022/23 beim dänischen Topklub Midtjylland nicht wirklich etablieren und wurde nach einer Saison zu Aberdeen ausgeliehen. Entsprechend ist der Dänemark-Kenner erstaunt, dass Gartenmann nun für die Schweizer Nati aufgeboten worden ist.

Trotzdem ist es Tatsache. Doch mit den Papieren wurde es eng. Gartenmann, dessen Vater ebenfalls in Dänemark aufgewachsen ist, konnte erst am Dienstag in der Schweiz seinen neuen Pass abholen. Gegenüber Yakin sagte er: «Ich will meinen Grossvater, der aus dem Thurgau stammt, stolz machen.»

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