Fussball

Andrea Pirlo stolpert über seine Russland-Nähe – und Italien sucht weiter einen Nationalcoach

Italiens Fussball kann bei der erhofften Rückkehr zu alter Grösse nicht auf Andrea Pirlo zählen. Dem Weltmeister von 2006 wird ein Werbedeal in Russland zum Verhängnis.

Wer wird neuer italienischer Nationaltrainer? Andrea Pirlo wird es nicht. Der 47-Jährige gab bekannt: «Ich habe erfahren, dass ich nicht mehr als Kandidat im Gespräch bin.»

Andrea Pirlo wird nun doch nicht Nationaltrainer von Italien.
Bild: Luis Vieira/AP

Pirlos Nachricht gingen Diskussionen um einen Werbedeal voran. Der frühere Mittelfeldspieler von Milan und Juventus Turin kassiert als globaler Markenbotschafter Geld vom russischen Wettanbieter «Fonbet». Vor wenigen Wochen war er für eine Autogrammstunde in Moskau, was angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Aufsehen erregte.

Nun zog der italienische Verband FIGC offenbar die Notbremse und distanzierte sich von Andrea Pirlo als neuem «Commissario tecnico» (Nationaltrainer). Der aktuelle Coach von Dubai United betonte, die Zusammenarbeit sei «ausschliesslich kommerzieller und sportlicher Natur. Ihr eine politische Bedeutung zuzuschreiben, bedeutet, mir Überzeugungen zuzuschreiben, die ich nie geäussert habe und die mir fremd sind.»

Hört Paolo Maldini nun schon wieder auf?

Italiens neuem Verbandspräsidenten Giovanni Malagò könnte noch mehr Arbeit bevorstehen. Paolo Maldini, erst gerade als Technischer Direktor eingestellt, soll so sauer über den Pirlo-Entscheid sein, dass er sich angeblich einen Rücktritt überlegt. Das wäre ein weiterer Schlag für den Calcio im Land des vierfachen Weltmeisters, der die WM-Endrunden 2018, 2022 und 2026 alle verpasst hat. Bereits wird mit Giorgio Chiellini ein anderer Abwehrheld früherer Tage als möglicher Maldini-Ersatz ins Spiel gebracht.

Andrea Pirlo war nicht die erste Wahl. Als Wunschkandidat galt Pep Guardiola, doch er sagte laut «Gazzetta dello Sport», dass er sich das Amt im Moment nicht zutraue. Nun richten sich viele Blicke in Richtung Roberto Mancini. Er war schon einmal Nationaltrainer – und führte Italien inmitten der Jahre ohne WM-Teilnahme aus dem Nichts zum Gewinn des EM-Titels im Sommer 2021.

Gerüchte ohne Ende

Zudem gilt plötzlich auch Antonio Conte wieder als valabler Kandidat – für den Fall, dass Maldini zurücktritt. Denn während er betont hatte, weder Mancini noch Conte zu wollen, gilt letzterer als Kandidat des möglichen Maldini-Nachfolgers Chiellini.

Im Normalfall könnte man solche Gerüchte-Konstrukte in der italienischen Presse wohl unter der Rubrik «Sommerloch» ablegen. Doch die «Squadra Azzurra» steckt derart in der Krise, dass sie – wieder einmal – viel mehr ist als bloss eine Fussballmannschaft.

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