Es war im Dezember 2022, als der Urner Lukas von Deschwanden 19 Tore in einem NLA-Spiel erzielte und damit den Rekord von Martin Friedli egalisierte. Am Mittwochabend schien es, als ob diese Bestmarke in Gefahr geraten könnte, denn der Topskorer im Dress des HC Kriens-Luzern war im Auswärtsspiel bei Wacker Thun nicht zu bremsen. Nach etwas mehr als 40 Minuten hatte Luca Sigrist, der 20-jährige Ausnahmekönner, bereits zwölf Mal getroffen. Letztlich gab es aber keinen Eintrag in die Geschichtsbücher, kurz darauf verliess Sigrist das Feld zwecks Schonung seiner Kräfte.
Auch ohne seine individuelle Genialität schaukelten die Krienser Handballer das Spiel locker nach Hause, am Ende resultierte ein abgeklärter 43:31-Sieg. In der Thuner Lachenhalle, wo nicht nur sie in der Vergangenheit gegen einen emotional aufgeladenen Gegner des Öfteren Prügel bezogen hatten, kamen sie diesmal in der Manier eines Trainingsspiel zum siebten Meisterschaftssieg in Serie. «Alle haben gespielt, alle haben ihre Leistung gebracht. Das gibt jedem Sicherheit, auch in den Playoffs müssen wir mit der ganzen Kaderbreite kommen», sagte Trainer Thomas Zimmermann.
In der ersten Hälfte läuft einiges schief
In der ersten Halbzeit brachte sich der HCKL noch selbst um eine reichere Ernte. Zur Pause führte er nur mit 19:16, obwohl er bereits in dieser Phase das klar bessere Team gewesen war. Zwar lag er nach 22 Minuten mit fünf Toren Differenz (14:9) vorne, insgesamt schlichen sich im Angriff aber zu viele Fehler ein. Fünf Fehlwürfe und sieben technische Fehler standen zu Buche. Wyatt Aellen betrat im Gegenstoss den Kreis, Radojica Cepic fiel das Spielgerät aus der Hand, der ansonsten starke On Langenick spielte dem Gegner beim Gegenstoss den Ball in die Hände.
Selbst Sigrist performte noch nicht nach Zimmermanns Gusto: «Wir liessen den Ball zu wenig laufen. In der ersten Halbzeit haben wir es im Angriff nicht gut gemacht.» Die Abwehr agierte derweil solid, auch wenn nach einem guten Start die Paraden von Torhüter Kévin Bonnefoi fehlten. Nach dem Seitenwechsel kam schliesslich mehr Variabilität in die Krienser Offensive, eindrücklich war auch die Effektivität des Tempogegenstossspiels.
Zimmermann steuert eifrig die Belastung
Wacker Thun war überfordert, musste den Gegner bald ziehen lassen, nichts erinnerte mehr an die einst kampfstarken und aggressiven Berner Oberländer. «Wacker spielt nicht mehr mit der Härte von früher, vielleicht haben sie auch nicht mehr die Spieler dazu. Doch ich schaue auf uns», sagte Zimmermann und freute sich über die Möglichkeit, am Schaltpult der Belastungssteuerung viele verschiedene Knöpfe drücken zu können.
Beispiele gefällig? Ein halbes Dutzend Varianten kamen im Innenblock der Abwehr zum Einsatz, vorübergehend agierten beispielsweise Gino Delchiappo und Nils Flückiger gemeinsam im Zentrum der Verteidigung. Vorne häufen sich derweil die Phasen, in denen Zimmermann auf die 7-6-Variante setzt, zudem tat der an Schulterproblemen laborierende Valentin Wolfisberg etwas, das man in diesem Jahr von ihm noch nicht gesehen hat: Er suchte und fand den erfolgreichen Abschluss aus der Distanz. «Jeder hat seine Fähigkeiten, und die wollen wir nutzen», erklärte Zimmermann.
Kriens-Luzern hat Platz zwei auf sicher
Das gelang vorzüglich, spätestens nach Sigrists letztem Treffer in der 42. Minute war die Partie beim Stand von 30:21 entschieden. Zwei Spiele stehen für die Krienser in der Qualifikationsphase noch aus. Am Samstag empfangen sie den RTV Basel, am nächsten Mittwoch den BSV Bern. Nach der Übungseinheit unter Wettkampfbedingungen in Thun mutieren die beiden Heimspiele tatsächlich zu Trainingsspielen. Der zweite Platz ist ihnen nun nämlich nicht mehr zu nehmen, Verfolger Pfadi Winterthur kam trotz einer Siebentore-Pausenführung in Basel nicht über ein 32:32-Remis hinaus und kann den HCKL nicht mehr abfangen.
Wacker Thun - HC Kriens-Luzern 31:43 (16:19)
Lachenhalle. – 785 Zuschauer. – SR Abalo/Maurer. – Strafen: je 1-mal 2 Minuten. – Thun: Winkler (4 Paraden)/Fürst (4); Kiener (3), Joshua Baumann (1), Gadza (3/2), Buck (4), Gruber (2), Meschke (4), Leandro Römer; Stettler (3), Delhees (5), Flavian Römer (2), Cakaric (3), Guignet, Yanic Baumann (1), Lädrach. – Kriens-Luzern: Bonnefoi (6 Paraden)/Scheidiger (4); Aellen (2), Orbovic (2), Sigrist (12/4), Cepic (5), Langenick (7), Bader (3); Oertli (1), Müller (3), Delchiappo, Flückiger (2), Wolfisberg (4), Zimmermann (2), Epp. – Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Sipic, Schelker, Schlumpf, Milosavljevic und Idrizi (alle verletzt).
Fussball. 3. Liga. Gruppe 3: Zell - Buttisholz 4:1.

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