Bevor sich die internationale Leichtathletik unter freien Himmel wagt, steht mit der Hallen-WM ein letztes Indoor-Highlight auf dem Programm. Von Freitag bis Sonntag messen sich in der polnischen Stadt Torun 674 Athletinnen und Athleten aus 118 Nationen. Mittendrin: das 13-köpfige Aufgebot von Swiss Athletics, das mit der Zielsetzung von mindestens zwei Medaillen antritt.
Die Medaillenhoffnungen
Die Schweizer Delegation führt Ditaji Kambundji an. Die 23-Jährige hat ein phänomenales Jahr hinter sich. Im Herbst wurde sie in Tokio über 100 Meter Hürden als erste Schweizer Frau Weltmeisterin und vollendete damit eine Saison, die zuvor mit EM-Gold und WM-Silber in der Halle bereits ausgezeichnet begonnen hatte. Auch gegenwärtig befindet sich die Bernerin in Form: Nur Devynne Charlton (Bahamas) lief in diesem Jahr über 60 Meter Hürden schneller.
Berechtigte Hoffnungen auf Edelmetall macht sich auch Simon Ehammer. Der Appenzeller führt die Jahres-Weltbestenliste im Siebenkampf an, unterbot zuletzt zweimal die WM-Limite über 60 Meter Hürden und schaffte im Weitsprung 8,12 Meter – Saisonbestwert. Der 26-Jährige beabsichtigt, an der Hallen-WM seinen Schweizer Rekord von 6506 Punkten zu übertrumpfen und schielt auf die europäische Bestmarke des Norwegers Sander Skotheim (6558). Wie Ehammer für gewöhnlich im Mehrkampf zu Hause, wird sich Annik Kälin derweil nur im Weitsprung messen. Die Bündnerin gewann im letzten Jahr zweimal Silber in der Halle, einmal an der EM, einmal an der WM.
Angelica Moser hat an Torun gute Erinnerungen, feierte sie in jener Halle doch 2021 den EM-Titel im Stabhochsprung. Auch in jüngsten Jahren war die Zürcherin erfolgreich, gewann 2024 und 2025 zwei weitere Male EM-Gold, einmal im Freien, einmal in der Halle. Vor einem Jahr an der Hallen-WM in Nanjing holte sie Bronze. Die Fussverletzung und die Oberschenkelprobleme, die sie in den letzten Wochen plagten, scheinen überwunden. Ein erneuter Medaillengewinn ist ein realistisches Szenario für die 28-Jährige.
Fest in der Leichtathletik-Elite etabliert hat sich auch Audrey Werro. Die Freiburgerin ist in der Mitteldistanz nicht nur die schnellste Frau der Schweiz, sondern mit 1:57,27 Minuten über 800 Meter aktuell auch die zweitbeste Läuferin weltweit. In Nanjing vor einem Jahr fehlte ihr nur 1 Hundertstel zu WM-Bronze. In Torun soll es für die 21-Jährige nun mit der ersten Medaille an einem Grossanlass klappen.
Die Rückkehrer
In extremis schaffte es Ajla Del Ponte an die Hallen-WM. Im Hundertstel-Krimi setzte sich die Tessiner Sprinterin an der Schweizer Hallenmeisterschaft vor rund drei Wochen gegen Géraldine Di Tizio-Frey durch. Für Del Ponte, die in den letzten Jahren von körperlichen Problemen ausgebremst wurde und eine Depression überwand, wird es der erste Grossanlass als Einzelathletin seit 2022 sein. Obschon die 29-Jährige nicht zu den Favoritinnen im 60-Meter-Sprint gehört, muss mit der Europameisterin von 2021 zu rechnen sein.
Ein kleines Comeback feiert auch Valentina Rosamilia. Für die jüngsten Grossanlässe war sie zuletzt nicht selektioniert worden, nun schaffte sie den «Cut». Ihre 1:59,81 Minuten über 800 Meter sind persönlicher Bestwert in der Halle und lassen die 23-Jährige auch in Torun auf einen Exploit hoffen.
Neulinge und eine Arrivierte
Auf wen gilt es sonst zu achten? Freilich auf Léonie Pointet, die zurzeit als schnellste Schweizer Sprinterin über 60 Meter gilt. Für sie ist es die erste Hallen-WM überhaupt. WM-Premieren feiern auch Larissa Bertényi, Fabio Kobelt (beide 60 Meter Hürden), Delia Sclabas (1500 Meter) und Ivan Pelizza (800 Meter). Joceline Wind (1500 Meter) nimmt derweil schon zum dritten Mal an einer Hallen-WM teil.






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