Fussball-WM 2026

Die Nati strauchelt im letzten WM-Test gegen Australien: Captain Xhaka mit einer Wutrede light

Die Schweiz startet in einer Woche mit dem Spiel gegen Katar in die WM. Im letzten Test gegen Australien reichte es trotz eines brillanten Starts nur zu einem 1:1-Unentschieden. Auch, weil Torschütze Dan Ndoye zu viele Chancen liegen lässt.
Dan Ndoye jubelt über sein Tor zum 1:0.
Bild: AP

Es sind brillante erste 20 Minuten, die unsere Nati im letzten WM-Test zeigt. Klar, das australische Team ist von überschaubarer Qualität. Erst recht, wenn wie gegen die Schweiz einige Stammspieler auf der Bank Platz nehmen. Trotzdem ist es phasenweise berauschend, was die Mannschaft von Murat Yakin zeigt.

Weil Ruben Vargas über muskuläre Probleme klagt und Breel Embolo wegen der verspäteten Anreise nach dem Visum-Drama noch in der Akklimatisation-Phase ist, tritt die Schweiz nicht in Bestbesetzung an. Yakin überrascht deshalb einmal mehr mit seiner Aufstellung. Nicht, weil Zeki Amdouni für Embolo ganz vorne beginnt. Auch nicht, weil Shootingstar Johan Manzambi erneut in der Startformation steht. Sondern, weil Michel Aebischer in einer offensiven Position, quasi in vorderster Reihe mit Ndoye und Amdouni, agiert.

Aebischer, die eierlegende Wollmilchsau

Aebischer, gelernter zentraler Mittelfeldspieler, macht unter Yakin gerade die Metamorphose zur eierlegenden Wollmilchsau durch. Ausser im Tor, in der Innenverteidigung oder als Stossstürmer hat er unter Yakin schon jede Position gespielt. Und weil er das immer zuverlässig, manchmal sogar überragend macht wie an der EM vor zwei Jahren, ist er trotz Abstieg mit Pisa in die Serie B ein unverzichtbarer Spieler für diese Nati. Auch gegen Australien macht er seine Sache bis zur Auswechslung in der Pause gut.

Michel Aebischer (rechts) jubelt mit Torschütze Dan Ndoye.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

Die Startphase ist wie erwähnt überzeugend. Phasenweise sieht das aus wie Joga bonito. Der Begriff, ursprünglich von Pelé geprägt, steht für pure Spielfreude, Kreativität und technische Finesse. Es geht darum, nicht nur das Spiel zu gewinnen, sondern es mit brasilianischer Leichtigkeit, Kunststücken und Respekt vor dem Gegner zu zelebrieren.

Einerseits gelingt das der Schweiz, weil sie mit einer gewissen Portion Ernsthaftigkeit in die Partie geht. Andererseits, weil sie mit ihrem Offensiv-Spiel für einige Wow-Momente sorgt. Mit diesen ständigen Positionswechseln, den schnellen Ballkombinationen, mit der Lust zu agieren und zu dominieren, hat Murat Yakin diese Nati auf ein neues Level gehoben. In der Offensive war die Nati wohl noch nie so unberechenbar.

Ndoye hat Chancen für drei Tore

Es ist deshalb nur eine logische Folge, dass die Schweiz früh schon in Führung geht. Dan Ndoye veredelt ein brillantes Zuspiel von Granit Xhaka zum 1:0. Der Mann, der mit Nottingham lange gegen den Abstieg kämpfen musste, hat in der Nati wie Aebischer ebenfalls eine Verwandlung durchgemacht. Vom ineffizienten Spektakelspieler zum zuverlässigen Skorer. Sein Tor war bereits das dritte im vierten Länderspiel dieses Jahres.

Allein mit dank seiner Schnelligkeit, seinen Dribbelkünsten und seinem Instinkt kommt Ndoye immer wieder zu guten Abschlussmöglichkeiten. In der Nati ist er längst unbestritten. Aber der 25-jährige Waadtländer ist halt eben immer noch nicht ein Spieler mit einer herausragenden Chancenverwertung. Schon bevor er zum 1:0 trifft, lässt er zwei gute Möglichkeiten aus Und in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit scheitert er das zweite Mal allein vor Australiens Torhüter Patrick Beach.

Akanji und Elvedi sehen beim Gegentor schlecht aus

Neben den mangelhaften Abschlüssen kann man der Schweiz vorwerfen, dass sie ab Mitte der ersten Halbzeit mindestens zwei Gänge runterschaltet. Klar, ein Ziel eines solchen Testspiels lautet auch, sich eine Woche vor dem WM-Auftaktspiel gegen Katar nicht zu verletzen. Aber es geht auch ein kleines bisschen ums Resultat. Und das sieht am Schluss halt nicht so gut aus - nur 1:1, weil sich Verteidigungsminister Manuel Akanji und sein Adjudant Nico Elvedi in der 56. Minute von einem langen Ball übertölpeln lassen und ihren Torhüter in einen aussichtslosen Kampf gegen zwei gegnerische Stürmer schicken.

Klar, Manuel Akanji in einem Ernstkampf ist ein anderer Spieler als Manuel Akanji in einem Testspiel. Diesen Eindruck haben wir nicht erst gegen Australien gewonnen. Aber auch andere, wichtige Spieler wie Remo Freuler tauchen zusehends ab. Aus dem zu zwei Dritteln uninspirierten Auftritt etwas für den WM-Auftakt gegen Katar herzuleiten, wäre indes falsch. Denn Anspannung, Intensität, Leistung- und Opferbereitschaft werden in einer Woche ganz anders sein. Und immerhin hat die Schweiz gezeigt, wenn auch nur während den ersten 20 Minuten, dass sie überzeugende Argumente hat, um an dieser WM für Aufsehen zu sorgen.

Xhaka verschafft sich Luft

Unzufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: Granit Xhaka hat ziemlich viel Redebedarf.
Bild: Gregory Bull/AP

Einiges an Interpretationsspielraum lassen die Aussagen von Captain Granit Xhaka zu: «In der ersten Halbzeit müssen wir vier Tore machen. Einiges war nicht gut in dieser Woche. Und dann tritt man auch so auf, wie wir aufgetreten sind. Ich habe gelernt, dass ich nicht zu viel sagen darf. Aber wenn wir an der WM so auftreten wie gegen Australien, fahren wir nach drei Spielen nach Hause. Wir müssen aufwachen. Es wäre falsch, zu glauben, wir schaffen diese Gruppe easy. Dieses 1:1 gegen Australien sollte ein Wachruf sein. Es ist aber nicht so, dass diese Mannschaft arrogant ist. Ich glaube daran, dass man im Spiel für die gute Arbeit im Training belohnt wird. Aber das war leider in der vergangenen Woche nicht jeden Tag der Fall.»

San Diego. - 6107 Zuschauer. - SR Koroleva (USA). - Tore: 14. Ndoye 1:0. 56. Yengi 1:1.
Schweiz: Kobel; Widmer (71. Zakaria), Elvedi (71. Amenda), Akanji (80. Cömert), Rodriguez (71. Muheim); Freuler (80. Okafor), Xhaka (80. Fassnacht); Aebischer (46. Rieder), Manzambi (71. Jashari), Ndoye (46. Sow); Amdouni (71. Itten).
Australien: Beach; Circati (46. Geria), Souttar (82. Degenek), Herrington (46. Burgess); Trewin (82. Devlin), O'Neill (46. Italiano), Okon-Engstler (71. Irvine), Behich (71. Bos); Volpato (46. Metcalfe), Yengi (71. Toure), Irankunda (71. Leckie).
Bemerkungen: Schweiz ohne Embolo (spätere Ankunft) und Vargas (angeschlagen). Verwarnungen: 32. Akanji, 33. Yengi, 45. Xhaka, 69. Irankunda, 82. Okafor.

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