WM 2026

Von Bouaddi über Brown zu Maza: Das sind bislang unsere WM-Entdeckungen

Es gibt die grossen Tenöre wie Messi, die Fleissigen wie Freuler, die Riesentalente wie Yamal. Und junge Akteure, die noch nicht aller Öffentlichkeit bekannt sind, das WM-Schaufenster aber für beste Eigenwerbung nutzen – wir haben vier herausgepickt.

Am Sonntagabend beginnen die WM-Sechzehntelfinals. Bevor sich das Teilnehmerfeld um 16 Mannschaften reduziert, stellen wir vier Spieler vor, die uns neben dem 20-jährigen Schweizer Johan Manzambi überzeugt haben – aber noch nicht wirklich dem breiten Publikum bekannt sind.

Ayyoub Bouaddi (18/Marokko/Lille)

In Frankreich ist Ayyoub Bouaddi längst en vogue. Das Eigengewächs des OSC Lille (96 Pflichtspiele) gefällt auch im Dress von Marokko an der WM und ist einer jener Spieler, die in Frankreich ausgebildet und aufgrund familiärer Wurzeln für ein Heimatland der Eltern auflaufen. Bouaddi debütierte im Alter von 16 Jahren und 3 Tagen in der Conference League für die Profimannschaft von Lille und ist damit der jüngste Spieler der Klubhistorie. Er zieht für Marokko im zentralen Mittelfeld die Fäden, dabei lief er in den Nachwuchsauswahlen noch für Frankreich auf. Für ihn war der Entscheid eine Mischung aus Identität, sportlicher Perspektive und persönlicher Überzeugung – zumal Marokko seit dem WM-Halbfinal 2022 im Buhlen um Spieler glaubwürdige Visionen vorzeichnen kann. Bei Bouaddi haben sie sich bereits jetzt mit dem Stammplatz an dieser WM erfüllt.

Ayyoub Bouaddi (rechts) behauptet im Zweikampf mit dem Schotten Ryan Christie den Ball.
Bild: Charles Krupa/AP

Der 18-Jährige hat einen Marktwert von 50 Millionen Euro, offenbar haben ihn namhafte Klubs wie Real Madrid oder Arsenal auf dem Zettel. Auf dem Rasen fällt er mit seiner Technik auf, der Ruhe am Ball, der Zweikampfstärke, mit seiner Übersicht und im Passspiel. Dabei ist Fussball nicht die einzige Passion; Bouaddi gilt als guter Schüler mit einem Faible für Mathematik – dieses Fach studiert er. Daher rührt sein Spitzname «Einstein».

Alessandro Circati (22/Australien/Parma)

Ungewöhnlich ist seine Karriere nicht. Aber vielleicht steht sie ein wenig dafür, dass Italien gerade keine gute Generation hat. Alessandro Circati absolvierte bislang beide WM-Partien für Australien, der Stammspieler des Serie-A-Klubs Parma war früher auch auf dem Schirm italienischer Nachwuchsauswahlen. Der «Guardian» schrieb jüngst über den in Fidenza geborenen 22-Jährigen: «Circati überzeugt durch seine Ruhe am Ball, ein sauberes Aufbauspiel und ein für sein Alter bemerkenswert reifes Stellungsspiel. Der Innenverteidiger verteidigt proaktiv, antizipiert viele Situationen früh und scheut sich nicht, die Kette nach vorne zu schieben.»

Alessandro Circati an der Pressekonferenz Australiens.
Bild: JASON HENRY/EPA

Circatis Entscheidung für Australien war letztlich eine Frage der Identität. Er zog bereits als Kleinkind nach Perth und sagte einmal, dass er sich mehr als Australier sehe und nicht wirklich das Gefühl habe, zu Italien dazuzugehören. Der U18 von Parma schloss sich der 191 Zentimeter grosse Defensivspieler im Februar 2021 als 17-Jähriger an. Eines ist gewiss: Parma wird für Circati nicht die Endstation gewesen sein, der Marktwert liegt derzeit bei 12 Millionen Euro.

Ibrahim Maza (20/Algerien/Bayer Leverkusen)

Geburt in Berlin, Mutter aus Vietnam, Vater Algerier – eine doppelte Staatsbürgerschaft und schliesslich der Entscheid, nicht weiter für die Nachwuchsauswahlen Deutschlands aufzulaufen: vergleichbare Zuschreibungen gelten für viele Fussballer auf dem internationalen Parkett und hier gilt sie für Ibrahim Maza, der seit Oktober 2024 bereits auf 19 Länderspiele für Algerien kommt, das vom ehemaligen Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic angeleitet wird. Maza ist trotz seiner erst 20 Jahre im zentralen offensiven Mittelfeld gesetzt.

Algeriens Ibrahim Maza (weiss) gegen Jordaniens Abdallah Nasib.
Bild: Eakin Howard/AP

In der 2.Bundesliga entwickelte sich Maza bei Hertha Berlin prächtig, der Wechsel in die 1.Bundesliga war nur eine Frage der Zeit. Seit der vergangenen Saison schnürt er seine Fussballschuhe für Bayer Leverkusen und absolvierte nach dem Weggang von Granit Xhaka und Trainer Xabi Alonso 44 Pflichtspiele. «Mazadona» wird er wegen seiner Technik, Kreativität und den Dribblings genannt, und es ist denkbar, dass es in diesem Sommer nach der WM zur neuerlichen Luftveränderung kommt; der Marktwert liegt inzwischen bei 45 Millionen Euro, Tendenz klar steigend.

Nathaniel Brown (23/Deutschland/Eintracht Frankfurt)

Ein Indiz dafür, dass da ein Spieler richtig gut ist: Wenn die Bayern sich für ihn interessieren und kurz davor sind, den Zuschlag zu erhalten. In diesem Fall handelt es sich um Nathaniel Brown, den Linksverteidiger, der auch auf der Schiene spielen kann. Der 23-Jährige ist seit Januar 2024 bei der Frankfurter Eintracht engagiert, blieb damals bis zum Saisonende aber bei Nürnberg. Seit Sommer 2024 hat er seinen Marktwert von 3 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro erhöht und wurde jüngst von den Frankfurter Fans zum Spieler der Saison gewählt.

Jubel bei Nathaniel Brown nach seinem 5:1 gegen Curaçao.
Bild: Eric Smith/AP

Brown hat wegen seines Vaters auch den US-amerikanischen Pass, lief jedoch für die deutsche U21-Nachwuchsauswahl auf. Zum Leidwesen von David Raum, der zuvor als gesetzt galt, hat sich Brown im A-Team von Julian Nagelsmann im WM-Jahr seit Ende März etabliert. Und jetzt an der Endrunde kräftig mitgeholfen, dass die Deutschen bereits nach zwei Gruppenspielen erstmals seit dem WM-Titel 2014 eine Runde weiterkommen. Gegen Curaçao (7:1) bereitete er das 2:1 vor und erzielte das 5:1 selbst. Als Browns Stärken gelten das hohe Tempo, Pressing und Dynamik und die feine Technik – wie man sie bei einem Linksfuss oftmals sieht. Zudem rackert er auf seiner Seite unermüdlich rauf und runter.

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