Der Formbarometer von Europameister Spanien verhält sich in diesen Tagen gerade wie der Wetterbarometer in Galicien. Er ist wechselhaft wie das Wetter im Nordwesten des Landes. Auf das vielversprechende 3:1 im letzten Test gegen Nicht-WM-Teilnehmer Peru mit drei Toren in der ersten Stunde folgte zum WM-Auftakt das enttäuschende 0:0 gegen Kap Verde.

Was haben sie nach der Nullnummer gegen den WM-Neuling geschimpft und gestänkert in den Medien in Madrid und Barcelona. Der Europameister sei vom Himmel gefallen «wie eine Sternschnuppe», schrieb die Sport-Zeitung «Marca». Und das Konkurrenzblatt «AS» meinte: «Der grosse Favorit auf den Titel? Diese Schlagzeile können wir getrost beiseitelegen.»
Die Kommentare haben eine kurze Halbwertszeit
Na, gut. Auch der «AS»-Kommentar hatte eine Halbwertszeit von bloss wenigen Tagen. Denn nach dem 4:0 gegen Saudi-Arabien darf man den Weltmeister von 2010 getrost wieder zu den grossen Favoriten auf den Titel zählen. Klar, es war «nur» Saudi-Arabien. Ein Gegner, der im Fifa-Ranking als Nummer 59 nur die Unbedeutsamkeit von vier Rängen vor Kap Verde klassiert ist.
Und doch: Hatte dieses Saudi-Arabien nicht an der letzten WM den späteren Weltmeister Argentinien geschlagen? Hatten sie in Spanien vor diesem Gegner in den letzten Tagen nicht plötzlich so etwas wie Angst? Und hatte dieser Gegner zum WM-Auftakt nicht Uruguay an den Rand einer Niederlage gebracht?
Eben! Es ist also durchaus als Ansage zu verstehen, wenn die Spanier gegen dieses Team nach 24 Minuten schon 3:0 führen. Oder: Der Barometer kündigt nach dem Tief eine Hochdruckperiode an. Und man könnte diesem Hoch durchaus einen Namen geben: «Yamal».
Yamal ist wieder da, aber noch nicht für 90 Minuten
Das Wunderkind des FC Barcelona wurde gegen Kap Verde noch schmerzlich vermisst. Seit April machte Lamine Yamal wegen einer Verletzung kein Spiel mehr. Gegen Kap Verde wurde der 18-Jährige im Verlaufe der Partie aus der Not heraus noch eingewechselt, ohne Einfluss zu nehmen. Ja, sein lädierter Oberschenkel hatte das Potenzial, zur Staatsaffäre zu werden.
Nun gegen Saudi-Arabien stellte Trainer Luis de la Fuente den Flügel von Beginn weg auf, obwohl er wusste, dass Yamal nur Kraft für 45 Minuten haben würde. Aber dann genügten zehn Minuten, um die Partie in die gewünschten Bahnen zu lenken. Mittelstürmer Mikel Oyarzabal flankte von links auf den hinteren Pfosten, wo Yamal zur frühen Führung einschob.
Es war der Auftakt in eine Phase, die bis zur Halbzeit andauerte und in welcher die Spanier nach Belieben dominierten und Oyarzabal, der Siegtorschütze des EM-Finals 2024 gegen England, die Treffer zum 2:0 und 3:0 nachlegte. Damit war der Fehlstart korrigiert und De la Fuente hatte erreicht, was er mit Yamals Einsatz von Beginn weg wollte: eine frühe Entscheidung. Yamal konnte danach für weitere Aufgaben geschont werden. Auf dass das Hoch noch ein wenig andauere.
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