«1, 2 oder 3… Du musst Dich entscheiden, 3 Felder sind frei.» Erinnern Sie sich an den TV-Evergreen, an die erste Kinder-Quizshow, die seit 1977 im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wird? Der Moderator – ganz früher war das Michael Schanze, heute ist es Elton – gibt pro Frage drei mögliche Antworten vor. Um zu antworten, müssen die Kinder auf das richtige Antwortfeld vor dem Symbol springen.
1, 2 oder 3 - mit dieser Frage ist vor dem letzten WM-Gruppenspiel gegen Kanada auch unsere Nati konfrontiert. Dass über die 3 gesprochen wird, hängt mit dem vergrösserten Teilnehmerfeld zusammen. Während es früher nur für 1 und 2 in der K.o.-Phase weiterging, erreichen nun acht der zwölf besten Gruppendritten die Sechzehntelfinals. Wobei 3 aus Schweizer Optik sehr unwahrscheinlich ist. Einerseits müsste die Nati gegen Kanada hoch verlieren, andererseits Katar gegen Bosnien-Herzegowina einen Kantersieg landen.
Letztmals wars 1994 ähnlich entspannt
Beschäftigen wir uns also mit 1 oder 2. Spieler, Trainer und Staff verkünden unisono, man strebe den Gruppensieg an. Das gehört sich auch so als seriöser Sportsmann. Ausserdem verleiht man dadurch einem Spiel etwas mehr Bedeutung, das man eigentlich relativ entspannt angehen könnte. Jedenfalls ist es seit 1994 – damals ebenfalls in den USA – nicht mehr vorgekommen, dass die Schweiz an einer WM vor dem letzten Gruppenspiel praktisch fix für die K.o-Phase qualifiziert ist.
Natürlich wäre es völlig verfehlt, von der Mannschaft am Mittwoch zu verlangen, sie müsse Platz 2 anstreben. Aber es ist eine Absurdität dieser WM, dass wir für einmal sehr gut damit leben können, wenn die Schweiz nicht gewinnt. Damit würde sie die Gruppe auf Platz 2 abschliessen, was einige Vorteile beinhaltet.
Was für Platz 2 spricht: Rhythmus, Anspielzeit, Spielort, Gegner
Erstens: Die Mannschaft bliebe im Rhythmus, würde den Sechzehntelfinal bereits am Sonntag bestreiten. Und das sogar in der Nähe der gewohnten Umgebung von San Diego. Nämlich im prächtigen SoFi-Stadion in Los Angeles, wo die Schweiz Bosnien-Herzegowina mit 4:1 deklassiert hat. Krallt sich die Nati den Gruppensieg, gehts erst am Freitag, 3. Juli, wieder weiter. Das sind neun Tage nach dem letzten Gruppenspiel. Da bestünde einerseits die Gefahr eines Spannungsabfalls. Andererseits wäre die Gestaltung des Tagesablaufs eine Herausforderung, um Lagerkoller zu vermeiden.
Zweitens: Als zweitplatziertes Team würde die Schweiz den Sechzehntelfinal um 21 Uhr bestreiten. Ideal für uns Daheimgebliebenen. Als Gruppensieger hingegen steigt das erste K.o.-Spiel um 5 Uhr unserer Zeit. Es gibt definitiv publikumsfreundlichere Anspielzeiten.
Drittens: Auf dem Siegerweg bekäme es die Nati in den Sechzehntelfinals zwar mit einem Gruppendritten zu tun. Aber im Achtelfinal würde wahrscheinlich Portugal warten.
Der Weg als Gruppenzweiter ist verlockender. Die Schweiz würde in der nächsten Runde voraussichtlich auf Südkorea treffen, in einem allfälligen Achtelfinal auf den Sieger aus Niederlande/Japan gegen Brasilien/Marokko. Das tönt zwar auch sehr knackig. Aber nichts ist so grauenvoll wie die Erinnerungen an das 1:6 im WM-Achtelfinal 2022 gegen Portugal.




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