In Mexiko haben sie den gleichen WM-Traum wie wir Schweizer. Erstmals seit langem soll es wieder in einen Viertelfinal gehen. Zwar warten die Mexikaner im Gegensatz zu uns nicht gerade 72 Jahre darauf, aber auch 40 Jahre des Wartens sind genug. 1986 klappte es letztmals – es war die WM im eigenen Land. Seit diesem Erfolg gilt Mexiko als der «ewige Achtelfinalist» schlechthin. Von 1994 bis 2018 scheiterte die «El Tri» sieben Mal in Folge in der Runde der letzten 16.

Mexiko ist trotzdem durchaus ein grosses Fussball-Land. Das verdeutlicht auch diese Zahl: 60 WM-Spiele hat das Land absolviert. Aber eben: nur zwei waren ein Viertelfinal. Keines ein Halbfinal oder Final. Die Länder mit mehr WM-Spielen im Palmares als Mexiko gehören alle zur Gilde der Weltmeister-Nationen.
WM-Start mit Musik und Knall-Effekt
Nun also folgte vor heimischem Publikum der nächste Anlauf, es wieder einmal unter die besten acht zu schaffen. Und es fing ja ganz gut an. Keine zehn Minuten waren gespielt, da führte Mexiko in diesem Eröffnungsspiel im Azteken-Stadion von Mexiko-City gegen Südafrika schon 1:0. Julian Quiñones profitierte von einem Ballverlust von Südafrikas Defensiv-Organisator Sphephelo Sithole und droch den Ball zwischen den Beinen von Goalie Ronwen Williams hindurch ins Tor.
Es war sozusagen ein WM-Auftakt mit Knall-Effekt, fast so, als wollten die Mexikaner im Spiel fortführen, was kurz zuvor eine Reihe illustrer Pop-Stars – angeführt von der Kolumbianerin Shakira, die mit dem Nigerianer Burna Boy den offiziellen WM-Song «Dai dai» performte – angefangen hatte: eine laute, farbenfrohe und spektakuläre Show nämlich.

Nur: Die Mexikaner spielten in der Folge vielleicht noch zehn Minuten lang Rock-and-Roll-Fussball und schalteten dann aber in den Modus des akustischen Jazz. Einen Pfostenschuss kurz vor der Pause gab es, vereinzelt Konterchancen ebenfalls. Aber auch als die Mannschaft des für defensive Taktik bekannten Nationaltrainers Javier Aguirre ab der 50. Minute und der Notbremse von Südafrikas «Pechvogel» Sithole in Überzahl und nach einer weiteren Roten Karte gegen Südafrika wegen einer Tätlichkeit sogar mit elf gegen neun spielen konnte, wollten die anfängliche Leidenschaft und Leichtigkeit nicht so richtig zurückkehren.
Südafrika am Ende nur noch zu neunt
Zum aus mexikanischer Sicht standesgemässen, ungefährdeten Sieg kam der Gastgeber dennoch. Raul Jimenz drückte eine Flanke von der rechten Seite mit dem Kopf in der 67. Minute zum 2:0 ins Tor. Der 35-jährige Stürmer erzielte im 127. Länderspiel seinen 47. Treffer.
Ob dieser nie gefährdete, aber doch nicht rundum zufriedenstellende Startsieg die Stimmung im Land ins Positive kippen lässt? Zuletzt hatten die Mexikaner ihre heissblütigen Fans nämlich nicht mehr auf ihrer Seite. Bei einem Testspiel im März gegen Portugal pfiff das Publikum die eigene Mannschaft gnadenlos aus.
So weit kam es gegen Südafrika natürlich nicht. Aber wenn die Mannschaft tatsächlich Historisches schaffen will, wird sie schon in den nächsten Spielen gegen Südkorea und Tschechien mehr anbieten müssen, als bloss eine rockig-poppige Startphase und ein paar vereinzelte, klangvolle Takte.
Und Südafrika? Das Team nahm erstmals seit der Heim-WM vor 16 Jahren wieder an einer Endrunde teil. Ausser dem spektakulären Torhüter Williams zeigte die Auswahl des belgischen Trainers Hugo Broos wenig, das Argumente für einen weiten Weg in diesem Turnier liefern würde. Die Vergrösserung des Teilnehmerfelds auf 48 Teams hat Südafrika wieder einmal an eine WM gespült - für den erstmaligen Vorstoss in die K.o.-Phase wird es aber so nicht reichen.

Die schönsten Bilder der WM-Eröffnungsfeier:


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