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Fussball-Nati

Maximale Monotonie oder ein Spiel wie Meditationsmusik: Nullnummer unserer Nati in Norwegen

Was für ein Kontrast zum aufwühlenden 3:4-Spektakel gegen Deutschland. Immerhin können die Schweizer für sich in Anspruch nehmen, eine der aufregendsten Offensivreihen Europas vollständig unter Kontrolle zu haben.
Schwere Kost in Oslo: Breel Embolo (links) im Infight mit Kristoffer Ajer.
Bild: Toto Marti/Freshfocus

Die Hoffnung auf ein Spektakel-Spiel war nicht unbegründet. Hier die Norweger: 36 Tore in 8 Spielen in der WM-Qualifikation. Italien einmal 3:0, einmal 4:1 bezwungen und damit erstmals seit 1998 an einer WM dabei. Und einer steht besonders im Fokus, wenn Norwegen spielt: Erling Haaland. Ein Garant für Spektakel. Tore pflastern seinen Aufstieg zum Weltstar. Ende Jahr hat der 25-jährige Stürmer von Manchester City die Marke von 100 Premier-League-Treffern durchbrochen. Keiner war damit je früher dran.

Da die Schweizer. Wie Norwegen im gesamten letzten Jahr unbezwungen. Wie Norwegen souverän durch die WM-Qualifikation gerauscht. Und wie Norwegen zählt auch die Schweiz an der Endrunde im kommenden Sommer zu den geheimen Geheimfavoriten. Und die Nati kann wie Norwegen auch Spektakel. Zuletzt hat sie das am Freitag beim 3:4 gegen Deutschland bewiesen.

Klar, Nati-Trainer Murat Yakin ist nicht mit dem Plan nach Oslo geflogen, um uns bestmöglich zu unterhalten. Sein Ansatz lautet: testen, ausprobieren, experimentieren, Erkenntnisse gewinnen. So nimmt er im Vergleich zum Deutschland-Spiel vier Wechsel vor. Für Gregor Kobel steht Yvon Mvogo im Tor. Für Captain Granit Xhaka, der als Vorsichtsmassnahme nicht im Aufgebot steht, agiert Ardon Jashari in der Schaltzentrale. Für Silvan Widmer spielt Michel Aebischer und für Ricardo Rodriguez wird Denis Zakria reinrotiert.

Yakin kehrt zurück zur Dreierkette

Yakin belässt es nicht nur bei personellen Wechseln, sondern ändert auch das System, stellt von Vierer- auf Dreierkette um. All die Wechsel und Umstellungen, wie auch der schlechte Platz, der eine Mischung aus Wiese und Sandbank ist, können mit Wohlwollen als mildernde Umstände gelten gemacht werden. Aber die erste Halbzeit ist so mau, dass man sie problemlos zu Meditationszwecken einsetzen könnte.

Belege dafür: Erling Haaland hat keine wirklich aufregende Szene, ehe er in der 62. Minute ausgewechselt wird. Den ersten und für lange Zeit einzigen gefährlichen Abschluss haben die Schweizer unmittelbar vor der Pause, als Ruben Vargas einen Distanzschuss zu hoch ansetzt. Ansonsten sehen wir viele spielerische Mängel und wenig Dynamik auf beiden Seiten.

Glücklich sieht anders aus: Erling Haaland bei seiner Auswechslung in der 62. Minute.
Bild: Toto Marti/Freshfocus

Wenn man ein bisschen näher heran rückt, gibt es aber durchaus Spannendes zu beobachten. In erster Linie: Das mit der Dreierabwehr mit Elvedi, Akanji und Zakaria funktioniert, auch wenn man bedenken muss, dass Norwegen ohne den verletzten Arsenal-Superstar Martin Ödergaard – den Mann, der für Glanz im Mittelfeld sorgt – angetreten ist.

Eine andere Erkenntnis: Ardon Jashari, der irgendwann wohl mit der Aufgabe betraut wird, Granit Xhaka zu ersetzen, ist noch kein Xhaka. Am Ball macht der 23-jährige Milan-Akteur zwar kaum etwas falsch. Aber sein Impact in der Defensive ist nicht der gleiche, wie ihn die Lichtgestalt des Schweizer Fussballs hat.

Rieder und Zakaria sind die Gewinner

Hingegen macht Fabian Rieder im Kampf um die WM-Stammplätze weiter an Terrain gut. Üblicherweise im offensiven, zentralen Mittelfeld am Werk, bringt ihn Yakin als linken Schienenspieler. Rieder untermauert nicht nur seine Polyvalenz, sondern bietet sich als ernsthafte Alternative auf der linken Seite an.

Und da wäre auch noch Denis Zakaria positiv zu erwähnen. Gegen Deutschland wagte Yakin erstmals den Versuch, den Romand, der für gewöhnlich ein Zentrumsspieler ist, als rechten Aussenverteidiger zu nominieren. Das Experiment ging nicht auf. Gegen Norwegen hingegen zeigte Zakaria in der Dreierabwehr eine vorzügliche Darbietung und unterstreicht damit, dass er eigentlich in die erste Elf gehört, wenn denn Yakin einen Platz für ihn findet.

Denis Zakaria (rechts) überzeugt gegen Norwegen als rechter Verteidiger der Dreierabwehr.
Bild: Cyril Zingaro/Keystone

Fürs Spektakel wären aber andere verantwortlich als Zakaria. Doch der spielerische Gehalt wird in der zweiten Halbzeit nicht besser. Im Gegenteil. Wir erleben die maximale Monotonie. Was nicht verwundert, da Yakin in der Pause sieben Wechsel tätigt. Von diesen sieben Einwechselspielern sticht keiner wirklich heraus. Immerhin deuten die beiden jungen Verteidiger Luca Jaquez (VfB Stuttgart) und Aurèle Amenda (Eintracht Frankfurt) an, dass sie auf diesem Niveau bestehen können. Wobei sie in vielen Bundesliga-Spielen mehr gefordert sind als an diesem ruhigen Abend in Oslo.

Die Partie im Livestream:

Der Liveticker zum Spiel:

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