Sportpolitik

Audrey Werro und Ditaji Kambundji: Sportliche Erfolge dank Frauen an ihrer Seite

Eine Motion im Parlament will die Frauenquote im Sport kippen. Doch die Zahlen zeigen: Von Gleichstellung ist die Schweizer Sportwelt noch weit entfernt. Dabei gehören gerade in der Leichtathletik Trainerinnen zu den Baumeisterinnen der jüngsten Erfolge.

Muss der Schweizer Sport die Uhren wieder zurückstellen? In der Herbstsession stimmt das Parlament über eine Motion der Aargauer SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner ab. Sie will die im Kontext der intensiven Ethikdiskussionen eingeführte Geschlechterquote für Leitungsorgane von Verbänden und Vereinen abschaffen. Seit 2025 gilt im Sport eine Quote von minimal 40 Prozent Frauen in den Führungsgremien. Bei Missachtung drohen Kürzungen von Subventionen.

Heimgartner argumentiert, dass durch diese starre Vorgabe die Ehrenamtlichkeit in Gefahr und der eingeschlagene Weg deshalb nicht zielführend sei. Man schaffe künstliche Hürden und generiere eine Bürokratisierung. «Gerade im Sport, wo Teamgeist und Engagement entscheidend sind, sollte es darum gehen, Personen zu fördern und zu schätzen, die sich mit Herzblut einbringen – unabhängig von ihrem Geschlecht.» In der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats stiess die Motion auf Anklang. Sie empfiehlt diese zur Annahme.

Unabhängig von der Zukunft dieser Geschlechterquote bleibt die Untervertretung der Frauen im Sport eine Tatsache, die sowohl in der Schweiz als auch international derzeit mit Nachdruck angegangen wird. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) rühmt sich zwar der Tatsache, bei den Teilnehmenden an den jüngsten Olympischen Sommer- und Winterspielen das Ziel erreicht zu haben.

Nur zehn Prozent Frauen als Coaches bei Olympia

Das IOC versieht diesen Erfolg aber selbst mit einem grossen «Aber» und schreibt: «Obwohl Paris 2024 Geschichte schreibt als die ersten Olympischen Spiele, die volle Geschlechterparität auf dem Spielfeld erreichen, ist die Zahl der Frauen und Männer im Bereich der Trainer und Coaches deutlich weniger ausgeglichen.» Konkret waren in Paris nur 13 Prozent der akkreditierten Coaches Frauen. Bei den Winterspielen sind es sogar nur 10 Prozent. Die Zahlen verharren zudem seit Jahren auf tiefem Niveau.

Auch die Schweiz ist diesbezüglich kein Vorbild, selbst wenn hier der Frauenanteil im Bereich der bei Olympia im Einsatz stehenden Trainerinnen steigt – im Winter von 6,4 Prozent (Peking 2022) auf 10,1 Prozent (Milano Cortina 2026), im Sommer von 4,7 Prozent (Tokio 2021) auf 11,9 Prozent (Paris 2024).

Dabei gehören – mit Blick auf die olympische Kernsportart Leichtathletik – zwei Schweizerinnen zu den aktuellen Stars der Trainergilde. Zwei der erfolgreichsten Aushängeschilder des Schweizer Sports in den vergangenen beiden Jahren – Hürdensprint-Weltmeisterin Ditaji Kambundji und 800-m-Seriensiegerin Audrey Werro – werden von Frauen trainiert. Werro steht seit deren Anfangszeiten in der Leichtathletik Christiane Berset Nuoffer zur Seite. Kambundji zählt im Techniktraining auf die Dienste der Baslerin Claudine Müller. Sie trainiert mit Europameister Jason Joseph zudem seit vielen Jahren auch einen männlichen Topathleten. Christine Berset Nuoffer, die Schwester von Alt-Bundesrat Alain Berset, wurde vom Verband auf diese Saison hin zur vollamtlichen Nationaltrainerin Mittelstrecken befördert.

Auch in den Führungsgremien der Sportorganisationen verbleiben die Frauen trotz neuer Quote weiterhin in der deutlichen Minderheit. In den Vorständen sind es inzwischen 29 Prozent, beim Präsidium stagniere der Anteil bei tiefen 14 Prozent.

Swiss Olympic startet Kampagne für mehr Frauen

Der Dachverband Swiss Olympic hat deshalb in diesem Sommer zusammen mit den beiden Organisationen alliance F und sporti(f) die Sensibilisierungs-Kampagne «TakeTheSeat» gestartet. Sie will Vorstände und Leitungsgremien im Schweizer Sport durch mehr Gleichstellung und Diversität stärken. Swiss Olympic hält den Argumenten von Nationalrätin Stefanie Heimgartner entgegen: «Wir sind sicher: Mehr Diversität in Sportgremien erhöht die Innovationskraft, erschliesst neues Potenzial und verteilt Verantwortung auf mehrere Schultern.»

Als Botschafterinnen engagieren sich unter anderem Radprofi Marlen Reusser und Fussballerin Lia Wälti. Sie sagt: «Wenn Frauen im Sport auch abseits des Platzes Entscheidungen treffen, verändert das die ganze Kultur für alle, die nach uns kommen.»

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