Max Verstappen spürt endlich wieder dieses Kribbeln. 237 Formel-1-Rennen hat er absolviert, wurde viermal Weltmeister und startete in seiner so erfolgreichen Karriere in etlichen Klassen. Doch am Wochenende stellt sich der Superstar der «Grünen Hölle» - und erlebt etwas völlig Neues. Erstmals wird er beim legendären 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring dabei sein, die ultimative Herausforderung für den Motorsportenthusiasten, der mit den neuen Regeln der Königsklasse noch immer fremdelt.
Am Samstag um 15 Uhr wird das Rennen gestartet, Verstappen teilt sich seinen mehr als 500 PS starken Mercedes-AMG GT3 mit dem Österreicher Lucas Auer, dem Franzosen Jules Gounon und dem Spanier Daniel Juncadella. Doch nicht nur der V8-Saugmotor werde ein Genuss, sondern insbesondere die Stunden in der Nacht. «Das wird wohl das beste Gefühl sein», sagte Verstappen: «Dann ist man völlig auf sich allein gestellt und pusht in der Dunkelheit. Normalerweise ist das Auto in der Nacht auch am schnellsten, darauf freue ich mich sehr.»
Vorsicht vor Langsamfahrern
25,378 Kilometer lang ist eine Runde, die über den Grand-Prix-Kurs und die Nordschleife verläuft. Rund 160 Fahrzeuge sind am Start, die in mehr als 20 Klassen unterteilt sind. Verstappen startet natürlich in der schnellsten, eine Herausforderung stellen nicht nur die Kontrahenten dar, sondern auch die Fahrer in langsameren Autos. Jeder fährt also sein eigenes Rennen, muss aber stets auf der Hut sein.
«Auf der Nordschleife passiert so viel um einen herum. Man hat Scheinwerfer vor und hinter sich auf der Strecke, aber auch Discolichter aus dem Wald», sagte der Niederländer Nicky Catsburg, der das Rennen schon zweimal gewonnen hat: «Oder es wird plötzlich neblig wegen der Grills. Auch das macht das Rennen einzigartig. In der Szene spricht natürlich jeder von Le Mans, aber für mich persönlich sind die 24 Stunden vom Nürburgring das schönste Rennen des Jahres.»
Einst fuhr er als «Franz Hermann»
Und dieses liegt für Verstappens Terminkalender ideal. Am 3. Mai fuhr die Formel 1 nach ihrer Zwangspause in Miami, am 24. steht in Montreal der Große Preis von Kanada an. Das Wochenende nach Christi Himmelfahrt war frei und der Start in der «Grünen Hölle» damit naheliegend. Der Niederländer war bereits mehrfach auf dem Nürburgring am Start. Einst unter dem Synonym «Franz Hermann», um seinen Auftritt beim Trainingstag der Langstreckenserie NLS zu kaschieren, später dann als Max Verstappen.
Dass die «Grüne Hölle» nicht nur faszinierend, sondern auch höchst risikoreich ist, erlebte Verstappen bereits hautnah mit. Am 18. April war Verstappen bei einem NLS-Rennen dabei, bei dem der gebürtige Finne Juha Miettinen tödlich verunglückte. «Motorsport ist etwas, das wir alle lieben. Aber Tage wie dieser erinnern uns daran, wie gefährlich er sein kann», schrieb Verstappen damals bei Instagram.
Nach einigen Momenten des Verharrens drehte sich die Motorsportwelt weiter, und jetzt steht «der Mythos» des 24-Stunden-Rennens im Fokus, wie die Organisatoren auf ihrer Homepage schrieben. Mehr als 280.000 Fans waren im vergangenen Jahr vor Ort, diesmal werden auch wegen Verstappen noch mehr Zuschauer erwartet - einen Formel-1-Superstar im GT3-Auto sieht man eben nicht alle Tage.


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