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Formel 1

Max Verstappen droht mit Rücktritt und die Königsklasse des Motorsports steht wegen des Kriegs im Nahen Osten still

Nach der Absage der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien pausiert die Formel 1 für fünf Wochen. Was das für die Königsklasse bedeutet.
Max Verstappen ist derzeit nicht konkurrenzfähig.
Bild: EPA /Franck Robichon

Der Krieg im Nahen Osten liess den Machern der Königsklasse keine Wahl. Aus Sicherheitsgründen waren die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien am 12. und 19. April nicht mehr zu vertreten. Die Eskalation des Krieges von Israel und USA gegen den Iran machte alle Hoffnungen zunichte, dass sich die Lage bis zu den beiden Rennen wieder ausreichend beruhigt haben würde. Mögliche Ersatzrennen in Portugal oder der Türkei wurden verworfen, der Kalender umfasst nun nur noch 22 statt 24 WM-Läufe.

Experten zufolge zahlen die Veranstalter der beiden Grand Prix zusammen jährlich rund 100 Millionen Dollar an die Formel 1. Diese rund 80 Millionen Franken dürften der Rennserie damit entgehen, sofern es keine Nebenabsprachen mit den Organisatoren gibt. Somit würde jedes Team mehrere Millionen aus dem nun kleineren Preisgeldtopf verlieren. Im Gegenzug sparen die Rennställe die Kosten für Flüge und Hotels und müssen weniger Geld für Ersatzteile ausgeben. Die TV-Einnahmen tangiert das wohl nicht, da die vereinbarte Mindestzahl an Rennen erreicht wird.

Der GP in Saudi-Arabian gehört normalerweise zu den Fixpunkten im Rennkalender.
Bild: AP / Hassan Ammar

Zeit für technische Neuerungen

Alle Teams, die derzeit hinter der Spitze herfahren, gewinnen mehr Zeit für die Weiterentwicklung der Boliden. Bis Miami (3. Mai) bleibt genug Zeit, technische Lösungen auf Prüfständen und in Windkanälen zu testen. Teams wie Williams, deren Auto mehr als 20 Kilogramm Übergewicht hat, oder Aston Martin, wo der neue Honda-Motor eine Fehlkonstruktion ist, setzen viel Hoffnung in die Pause.

Aber auch Top-Teams wie McLaren, Ferrari und Red Bull dürften beim Neustart in Florida viele neue Teile ans Auto schrauben. «Alles wird sich verändern, es wird eine neue Saison. Wir haben in den ersten Rennen nicht alles gebracht – auch wegen der Budgetgrenze. Ab jetzt wird jeder pushen», sagte Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur bei Sky.

Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur will aus der Zwangspause Kapital schlagen und das Auto verbessern.
Bild: AP / Andy Wong

Rückschlag für Dominator Mercedes

Ungelegen kommt die Zwangspause aus sportlicher Sicht für Mercedes. Wunderjunge Kimi Antonelli und Teamkollege George Russell teilten sich die Siege in Australien, China und Japan auf, der Silberpfeil ist unter dem neuen Technik-Reglement das derzeit stärkste Auto. Doch schon in Suzuka schien der Vorsprung nicht mehr ganz so gross. «Die anderen haben definitiv Fortschritte gemacht», sagte Russell.

Zum 1. Juni schliesst der Weltverband Fia eine Regellücke, von der bislang Mercedes profitiert hat. Mit einem Trick beim Verdichtungsverhältnis holen die Ingenieure des deutschen Werksteams mehr Leistung aus dem Motor. Durch die Absage der April-Rennen kommt Mercedes dieser Vorteil nur noch  in Miami und Kanada (24. Mai) zugute, wie die Konkurrenz hofft.

Mercedes um Kimi Antonelli prägt die noch junge Saison in der Formel 1 bisher massgeblich.
Bild: AP Hiro Komae

Elektro-Zusatzschub bereitet Sorgen

Seit Saisonstart tobt der Streit um die Technik-Revolution. Weil viel mehr auf den Elektro-Anteil des Motors ankommt, sind die Piloten weniger als Vollgas-Artisten und mehr als Energie-Manager gefordert. Das nervt viele Fahrer wie Titelverteidiger Lando Norris und Superstar Max Verstappen.

Fahrersprecher Carlos Sainz mahnte nach dem Japan-Rennen erneut Änderungen an, weil ein heftiger Unfall von Haas-Pilot Oliver Bearman die Gefahren des hohen Geschwindigkeitsüberschusses durch den Elektro-Zusatzschub offenbart hatte.

«Jegliche Anpassungen, insbesondere im Bereich des Energiemanagements, erfordern sorgfältige Simulationen und detaillierte Analysen», teilte die Fia daraufhin mit. Die Regelhüter planen für den April mehrere Treffen mit den Beteiligten, um zum Beispiel über Änderungen für die Qualifikation zu entscheiden. «Das ist hinzubekommen, da gibt es schon konkrete Vorschläge», sagte Peter Bayer, Geschäftsführer der Racing Bulls.

Oliver Bearman erlebte in Japan einen heftigen Crash.
Bild: erleBild: AP / Eugene Hoshiko

Verstappen droht mit Rücktritt

Schärfster Kritiker der Technik-Reform ist der vierfache Weltmeister Max Verstappen. «Natürlich versuche ich, mich darauf einzustellen, aber die Art und Weise, wie man hier fahren muss, ist nicht schön. Das ist wirklich das Gegenteil von Fahrspass», sagte der 28-Jährige nach dem Japan-Gastspiel der BBC. Und er frage sich daher: «Lohnt sich das? Oder geniesse ich es mehr, zu Hause bei meiner Familie zu sein?» Weil Verstappen wohl eine Ausstiegsklausel aus seinem bis Ende 2028 laufenden Vertrag hat, fürchten manche, er könnte sich lieber anderen Rennserien zuwenden.

Ganz ausgeschlossen ist das nicht, zumal Verstappen im unterlegenen Red Bull für einige Zeit wohl keine Aussicht auf weitere Titel hat. Andererseits schätzt auch Verstappen die Formel 1 als Krone des Motorsports, will sich mit den Besten seines Fachs messen und ist sehr loyal zu seinem Team. Daher könnte seine harsche Dauerkritik an der neuen Gestalt der Rennserie auch einfach der brachiale Versuch sein, die zu erwartenden Regelanpassungen in seinem Sinne zu beeinflussen.

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