
Tadej Pogacar breitete die Arme aus und rollte abgekämpft, aber mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht ins Ziel der Flandern-Rundfahrt. Mit einer erneuten Machtdemonstration feierte der Weltmeister seinen dritten Erfolg. Der 27-jährige Slowene ist nun einer von sieben Fahrern, die den Frühjahrsklassiker in Belgien dreimal gewonnen haben. Darunter der Zweitplatzierte Mathieu van der Poel und der Schweizer Fabian Cancellara.
«Das war ein verrücktes Rennen heute. Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll. Es war superhart, aber es ist gut für mich ausgegangen», sagte Pogacar, der im dritten Rennen den dritten Saisonsieg feierte: «Bislang läuft alles perfekt, und ich kann mehr als glücklich sein.»

Wie im Vorjahr: Angriff am Kwaremont
Wie im Vorjahr setzte Pogacar seine letzte und entscheidende Attacke beim 269 Kilometer langen Rennen im Norden Belgiens rund 18 Kilometer vor dem Ziel bei der dritten und letzten Passage des gepflasterten Anstiegs zum Oude Kwaremont. Am Ende des 2,2 Kilometer langen Abschnitts mit bis zu elf Prozent Steigung hatte er sechs Sekunden Vorsprung. Im Ziel lag er 34 Sekunden vor seinem grossen Widersacher in Eintagesrennen.
Bereits 57 Kilometer vor dem Ziel hatten Pogacar und Van der Poel mit Remco Evenepoel ihren letzten Begleiter abgeschüttelt. Der Belgier fuhr bei seiner ersten Teilnahme gleich aufs Podest (1:11 Minuten Rückstand). Stefan Bissegger belegte als bester Schweizer den 37. Rang (6:56 Minuten Rückstand), während van der Poels Edelhelfer Silvan Dillier, davor lange Zeit in einer Spitzengruppe, am Ende abreissen lassen musste (116. Rang).

Pogacars Fahrfehler bei Paris-Roubaix
Für Pogacar geht die Rekordjagd indes weiter. Im März hatte er erstmals Mailand-Sanremo gewonnen. Nach nun fünf Siegen in der Lombardei-Rundfahrt und je drei Siegen bei der Flandern-Rundfahrt und Lüttich–Bastogne–Lüttich steht er nun bei zwölf Siegen bei einem der fünf Monumente des Radsports. Vor ihm liegt nur noch Eddy Mercky mit 19
Pogacars Sieg ist ein echter Paukenschlag im Hinblick auf das kommende Wochenende. Paris-Roubaix ist das einzige Monument des Radsports, das er noch nicht gewonnen hat. Im vergangenen Jahr beging er bei der «Königin der Klassiker» einen Fahrfehler, fand in Mathieu van der Poel einen Bezwinger und wurde bei seiner Premiere Zweiter.

Mit den Belgiern Eddy Merckx, Rik Van Looy und Roger De Vlaeminck haben bisher nur drei Fahrer alle fünf Monumente mindestens einmal für sich entscheiden können. Pogacar und Merckx sind auch die einzigen zwei Fahrer, die innerhalb eines Kalenderjahres drei der fünf Monumente gewonnen haben. Pogacar gelang dies im Vorjahr erstmals, Eddy Merckx schaffte dieses Kunststück sogar viermal (1969, 1971, 1972 und 1975).
Nachdem Pogacar Mitte März im sechsten Anlauf auch erstmals beim einst als Klassiker der Sprinter taxierten Mailand-Sanremo triumphiert hat, ist er nun bei vier der fünf wichtigsten Eintagesrennen aktueller Sieger. Es gibt nicht wenige, die dem Weltmeister sogar das Unvorstellbare zutrauen: alle fünf Monumente des Radsports in einem Kalenderjahr zu gewinnen.

Paris-Roubaix ist van der Poels Revier
Galt er bei der Flandern-Rundfahrt als Favorit, dürfte die Aufgabe am kommenden Wochenende in der «Hölle des Nordens» deutlich schwieriger werden. Paris–Roubaix führt über 258,3 Kilometer, 55 davon über 20 Sektoren verteilt über Kopfsteinpflaster, was bei Nässe zum Härtetest für Material und Moral wird. Gefordert sind Ausdauer, Tempohärte und Fahrtechnik. Dazu sind «nur» knapp 1400 Höhenmeter zu bewältigen.
Terrain, das Mathieu van der Poel besser liegt. Der Niederländer gewann im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge. Zudem dürfte das Feld der möglichen Anwärter auf den Sieg deutlich grösser sein. Zu ihnen zählen auch Mads Pedersen, Filippo Ganna, Jasper Philippsen oder Wout van Aert.

Pogacar geht mit viel Rückenwind in seine nächste grosse Mission. Druck macht sich Pogacar aber offenbar keinen: «Die Motivation ist hoch, der Druck niedrig. So niedrig, wie der Reifendruck sein wird», scherzte der Slowene. Er werde es geniessen, «egal, wie das Ergebnis ausfallen wird».
Nach Paris-Roubaix stehen noch Lüttich-Bastogne-Lüttich (26. April) und die Lombardei-Rundfahrt (10. Oktober) im Kalender der wichtigsten Eintagesrennen. Auch dort ist Pogacar der Mann, den es zu schlagen gilt.
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