Ski alpin

Paukenschlag im Skisport: Urs Lehmann geht per sofort und könnte bald wieder zurückkehren

Wenige Tage vor der Präsidiumswahl im Internationalen Skiverband (FIS) kommt es zum grossen Bruch zwischen (Noch-)Präsident Johan Eliasch und CEO Urs Lehmann. Der Schweizer tritt per sofort zurück.
Der gemeinsame Weg bei der FIS von CEO Urs Lehmann (rechts) und Präsident Johan Eliasch ist zu Ende.
Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

Gute Zeiten, schlechte Zeiten beim Welt-Skiverband FIS. Die Schmetterlinge im Bauch der beiden charismatischen Alphatiere Johan Eliasch und Urs Lehmann hielten nur knapp neun Monate. Sechs Tage vor der möglichen Wiederwahl des FIS-Präsidenten zieht der 57-jährige Aargauer die Reissleine und tritt als CEO des Verbandes zurück, wie der «Blick» am Freitag vermeldete. Lehmann selbst will sich zu den Umständen seines Abgangs nicht äussern. Sein Sprecher Lorenz Furrer sagt auf Anfrage, sein Mandant schweige «aus Rücksicht auf die bevorstehende Wahl».

Der Zeitpunkt von Lehmanns Abgang, die Art und Weise und die Beweggründe bieten allerdings genügend Stoff für eine einfach nachzuzeichnende Geschichte. Nachdem der langjährige Schweizer Verbandspräsident Urs Lehmann bei der Präsidentenwahl der FIS im Sommer 2021 auch zum eigenen Erstaunen am britisch-schwedischen Multimilliardär und Chef der Skimarke Head gescheitert war, herrschte anschliessend frostige Eiszeit zwischen FIS und Swiss-Ski.

Im August 2025 verblüffte der frühere Weltcup-Abfahrer Lehmann dann mit der Ankündigung, das Präsidium bei Swiss-Ski niederzulegen und per sofort als CEO zur FIS zu wechseln. Die langjährigen Rivalen Eliasch und Lehmann gaben CH Media auch ein gemeinsames Exklusiv-Interview zu ihrer unerwarteten neuen Liaison.

Aus der Zweckehe zurück zur Rivalität

Ab sofort schritt man bei der Gestaltung des internationalen Skisports vereint voran, wobei sich vor allem beim Thema Finanzen zuletzt Risse bemerkbar machten. Während Eliasch die Situation um millionenschwere Jahresverluste und eine Reduktion des Verbandskapitals um zwei Drittel konsequent schönredete, warnte Urs Lehmann die nationalen Verbände eindringlich vor einer verhängnisvollen Entwicklung.

In den letzten Tagen spitzte sich das Zerwürfnis zu. Nachdem verschiedene Landesverbände Einsicht in die Finanzzahlen verlangten, sei Urs Lehmann auch deshalb nicht mehr bereit gewesen, an der Seite des FIS-Präsidenten zu wirken, weil dieser zum wiederholten Mal die Fakten rund um die finanzielle Lage des Verbandes uminterpretierte. Die Flucht Lehmanns aus dem CEO-Amt soll im Hinblick auf die am Donnerstag beim FIS-Kongress anstehenden Wahlen unentschlossene Landesverbände aufrütteln.

Seine beiden Heimatländer Grossbritannien und Schweden haben Johan Eliasch die Gefolgschaft schon länger entzogen und ihn nicht zur Wiederwahl als FIS-Präsident nominiert. Eliasch besorgte sich als Konsequenz die georgische Staatsbürgerschaft und die Wahlempfehlung des dortigen Skiverbandes.

Das mögliche Comeback von Lehmann bei der FIS

Aus einem ursprünglichen Quartett an Wahl-Widersachern für Eliasch verabschiedeten sich die Kandidaturen aus Dänemark und den USA aus taktischen Gründen aus dem Wahlkampf. So treten am Donnerstag die Britin Victoria Gosling und der Liechtensteiner Alexander Ospelt gegen Eliasch an. Dieser versucht im Stile von Gianni Infantino vor allem die kleinen der gut 80 stimmberechtigten Skiverbände mit Versprechungen auf seine Seite zu ziehen.

Im Lager der gewichtigen Skinationen wie der Schweiz, Deutschland, Österreich oder Norwegen hat man sich inoffiziell auf die Unterstützung des langjährigen Liechtensteiner Verbandspräsidenten Ospelt geeinigt. Der 58-jährige Rechtsanwalt und Treuhänder sitzt seit 2024 im Vorstand der FIS und will als Wahlversprechen Brücken bauen und Transparenz schaffen.

Eine Brücke bauen könnte Alexander Ospelt bald auch wieder zu Urs Lehmann. Ein schnelles Comeback des Aargauers als CEO unter Ägide eines neuen FIS-Präsidenten aus Liechtenstein ist deutlich mehr als eine theoretische Variante. Alternativ wäre auch eine Rückkehr Lehmanns ins Projektteam der Schweizer Olympia-Kandidatur denkbar. Dort fehlt seit seinem Abgang ein charismatisches Zugpferd.

Näher liegt aber definitiv die Variante, dass aus Urs Lehmanns sofortigem Rücktritt als operativer Chef der FIS letztlich nur einige Wochen unbezahlter Urlaub werden. Zumindest die Rückendeckung von Swiss-Ski geniesst der 57-Jährige weiterhin, wie Peter Barandun, Lehmanns Nachfolger als Präsident, in seiner energischen Reaktion auf den Knall bei der FIS ausdrückt: «Wir bedauern den Rücktritt sehr, können seine Beweggründe aber nachvollziehen. Dass Urs wenige Tage vor der Präsidentenwahl solch drastische Konsequenzen zieht, ist ein weiterer Beleg dafür, dass Johan Eliasch als Präsident nicht mehr tragbar ist. Eliasch sieht sich als Alleinherrscher und redet besonders die desaströse finanzielle Situation der FIS unaufhörlich schön. Dass Urs Lehmann dieses Spiel nicht mehr mitspielt, spricht ebenso für seine Geradlinigkeit wie für den Ernst der Lage.»

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