Fussball-WM 2026

Trump bedankt sich: Die Fifa begnadigt US-Stürmer Balogun ohne Begründung

Eigentlich hätte USA-Stürmer Folarin Balogun das Achtelfinal gegen Belgien aufgrund einer Roten Karte verpasst. Nun hebt die Fifa die Sperre auf. Eine Begründung dafür lässt sie aus.
Donald Trump ist erfreut darüber, dass die Rot-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun aufgehoben wird.
Bild: AP Photo

Selbst Donald Trump zeigte sich dankbar. «Danke an die Fifa dafür, das Richtige zu tun und eine grosse Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!», schrieb der US-Präsident nach der Kehrtwende des Weltverbands auf seiner Plattform Truth Social. Die USA haben ihren Hoffnungsträger zurück: Stürmer Folarin Balogun steht der Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino im WM-Achtelfinale gegen Belgien in der Nacht auf Dienstag (2.00 Uhr MESZ) in Seattle doch zur Verfügung.

Baloguns Rote Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina wurde von der Fifa aufgehoben, seine Sperre auf Bewährung ausgesetzt – die Erwartungen in einem plötzlich fussballbegeisterten Land steigen endgültig ins Unermessliche. Denn wenn die USA etwas hätte aufhalten können auf ihrer Traumreise bei der Heim-WM, so schien die Meinung einer ganzen Nation, dann das Fehlen von Balogun. Des dreifachen Torschützen, des Antreibers, des Kreativposten. Doch so weit wird es nicht kommen – dabei schienen die Regeln klar.

New York Times: Trump hat Infantino beeinflusst

Auf diese verweist auch der belgische Fussballverband, der «erstaunt» reagierte und ankündigte, «derzeit alle möglichen Optionen» zu prüfen. Die Belgier stützen sich vor allem auf Artikel 66.4 des Fifa-Disziplinarkatalogs, der besagt, dass eine Rote Karte automatisch zu einer Sperre für das nächste Spiel führt, und auf ein vor dem Start der WM verschicktes Rundschreiben, in der auf diese Regel hingewiesen worden sei.

Rotsünder Folarin Balogun.
Bild: EPA

Was hinter der überraschenden Wende steht, meint die New York Times zu wissen: Wie die Zeitung unter Berufung auf drei Quellen berichtete, soll Trump FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich gebeten haben, die Sperre zu überprüfen. Ein schwerer Vorwurf, auf den die belgische Seite nicht eingehen wollte.

«Ich wusste nicht, dass der 5. Juli der 1. April ist», sagte Belgiens Nationalcoach Rudi Garcia zur Causa Balogun, betonte bei der Pressekonferenz aber: «Als Trainer werde ich mich auf mein Team fokussieren.» Dass Balogun nun doch spielen dürfe, verändere für ihn «nichts». Fragen zum brisanten Bericht über Trump wurden vom Pressesprecher abgeräumt.

Balogun dachte erst, es wäre ein Scherz

Balogun und seine Mitspieler erfuhren von der spektakulären Wende am Sonntagvormittag Ortszeit im Bus auf dem Weg zum Training auf dem Campus der University of Washington – und dachten erst an einen schlechten Witz. «Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es wahr ist oder nicht. Ich denke, jeder weiss, wie das mit KI ist», berichtete Abwehrchef Chris Richards. «Am Ende haben wir es über Social Media herausgefunden. Es war cool, die Bestätigung zu bekommen, dass es stimmt», sagte Verteidiger Chris Richards.

«Offensichtlich gibt uns das einen Schub», sagte US-Star Christian Pulisic. Baloguns Reaktion sei «lit» gewesen, also begeistert, ergänzte Richards lachend. Der US-Verband liess wissen, er habe die Entscheidung «akzeptiert» und sei «zufrieden» damit. «Unsere gesamte Aufmerksamkeit gilt nun dem Achtelfinalspiel gegen Belgien in Seattle, und wir freuen uns auf die weitere Unterstützung unserer grossartigen Fans», hiess es danach in einer Erklärung.

Auch US-Aussenminister hatte sich eingemischt

Ein Einspruch, so hiess es nach dem Spiel der USA gegen Bosnien-Herzegowina, sei gegen die Sperre nicht möglich gewesen. Am Freitag hiess es noch, Balogun, der nach seinem Treffer in der 64. Minute nach einem unglücklichen Tritt auf den Knöchel seines Gegenspielers des Feldes verwiesen worden war, entgehe zumindest einer längeren Sperre. Die USA tobten dennoch.

Folarin Balogun war sichtlich enttäuscht, nachdem er vom Platz gestellt wurde.
Bild: AP Photo

«Sie sind beschissen behandelt worden», hatte US-Aussenminister Rubio im Presseraum des Weissen Hauses in Washington gepoltert und gefordert: «Dafür muss es ein Einspruchsverfahren geben». Schon vor Rubios Unmutsbekundung hatte Pochettino den Platzverweis kritisiert. «Für mich ist das niemals eine Rote Karte», sagte der Argentinier. «Es war zu keinem Zeitpunkt seine Absicht, den Spieler zu treten. Es war eine im Fussball ganz normale Aktion.»

Das sah nun wohl auch die Fifa so. Gemäss Artikel 27 des Disziplinarkatalogs des Weltverbands kann eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Von einer derartigen Bewährung hatte nicht zuletzt Cristiano Ronaldo profitiert, nachdem er im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom Platz gestellt worden war. Ronaldo wurde von der Fifa zunächst für drei Spiele gesperrt, verpasste aber nur das anschliessende Qualifikations-Duell gegen Armenien. Die weiteren Spiele wurden für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

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