Von Freitag bis Pfingstsonntag findet in der Mobiliar-Arena in Bern-Gümligen das traditionelle Schweizer Fecht-Weltcupturnier statt. Der Anlass setzt sowohl sportlich wie organisatorisch Meilensteine. Mit 371 Degenfechtern aus 70 Nationen verzeichnet die 61. Austragung des 1965 ins Leben gerufenen Events eine neue Rekordmarke.
Sportlich will das Schweizer Quartett im Teamevent vom Sonntag etwas erreichen, was noch nie gelang - den Heim-Weltcup zu gewinnen. Die Ausgangslage ist verlockend: An den vier Team-Weltcups dieser Saison stand die Schweiz zweimal zuoberst auf dem Podest. Bei einer weltweiten Konkurrenz aus mehr als 40 Ländern eine grandiose Ausbeute.
Dieses Kunststück ist umso bemerkenswerter, als dass die vier Schweizer Fechter in der Einzel-Weltrangliste mit den Rängen 19, 22, 53 und 60 eigentlich nicht zur allerersten Garde zählen. Doch der neue französische Nationaltrainer Daniel Jerent hat in Sachen Teamspirit und Taktik offensichtlich hervorragende Arbeit geleistet. Der langjährige Weltklasse-Fechter Max Heinzer, seit zwei Jahren als Präsident oberster Funktionär von Swiss Fencing, sagt: «Uns war es wichtig, einen Nationaltrainer zu engagieren, der auf Augenhöhe mit den Athleten kommuniziert.»
Wie zweimal Weihnachten, aber mit dickem Einzahlungsschein
Auch für die Zukunft des Berner Weltcups hat Swiss Fencing soeben einen Erfolgstreffer gelandet, wenn auch einen bittersüssen. Ende Mai wird der Weltverband das Wettkampfprogramm bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles verkünden. Die Schweiz bleibt eine von nur fünf Weltcupstationen bei den Männern – neben drei zusätzlichen Grand Prix.
Dieser Prestigeerfolg – die Fecht-Nation Frankreich verliert mit der Olympiastadt Paris ihren Weltcup, weil man sich nicht den Terminregeln des Weltverbandes unterstellen wollte – hat aber eine Schattenseite, welche Verband und Organisatoren Kopfweh bereitet. Neu findet der Berner Weltcup anstatt im Mai im November statt. Mit der Konsequenz, dass es 2026 zwei Austragungen des sportlichen Flaggschiffs von Swiss Fencing gibt.
Einen Sportevent mit einem Budget von 184’000 Franken in einem Umfeld zu stemmen, in welchem die meisten Sponsoren mit den Organisatoren oder dem Fechtsport auf wohlwollende Weise verbunden und andere traditionelle Turniersubventionen ans Kalenderjahr gebunden sind, ist aus Sicht von Max Heinzer eine Herkulesaufgabe. Erst recht, weil der Dachverband Swiss Olympic wegen ausbleibender olympischen Erfolge in Paris sowie vormaliger organisatorischer Defizite in der Verbandsarbeit die Swiss Fencing aus der höchsten Kategorie zurückgestuft hat. Seit 2025 erhält Swiss Fencing als Konsequenz jährlich 400'000 Franken weniger Verbandsgelder.
Kann und will der Bund eine Ausnahme machen?
Der 38-jährige Innerschweizer Heinzer hofft zur Sicherung der exklusiven Weltcupveranstaltung auf unkomplizierte Unterstützung von Swiss Olympic und durch das Bundesamt für Sport. Der Dachverband offeriert in Anbetracht von fehlenden Gefässen für einen solchen Fall als ersten Schritt einen Austausch mit Swiss Fencing.
Das Baspo hingegen kann seit 2025 jährlich wiederkehrende Sportanlässe in der Schweiz finanziell unterstützen – auch Events in Randsportarten. So wurden im Vorjahr etwa dem Badminton Open in Basel, dem Beachvolleyball-Event in Gstaad und dem internationalen Tischtennisturnier in Montreux maximal je rund 100'000 Franken zugesagt.
Fechtclubs öffnen ihre Türen für Aussenstehende
Auch für 2026 hat das Parlament insgesamt 5 Millionen Franken gesprochen. Wie schon 2025 wird der Maximalbetrag kaum ausgeschöpft. Der Haken an der Sache: Die Anmeldefrist für die Subvention ist im September 2025 abgelaufen. Nun hofft man bei Swiss Fencing auf Kulanz für ein Gesuch, das erst nach der definitiven Bestätigung des Weltverbandes von nächster Woche ausgearbeitet werden kann.
Hofft man zu Recht? Im Bundesamt für Sport gibt man sich sehr zurückhaltend und antwortet auf die Anfrage von CH Media: «Das Baspo hat keine Kenntnis dieser Entwicklungen. Gesuche zur Unterstützung wiederkehrender Sportgrossanlässe werden ausschliesslich formell und gemäss den gesetzlichen Vorgaben geprüft.» Tönt fürs Erste nicht nach einer grossen Bereitschaft hinsichtlich einer terminlichen Ausnahme, selbst wenn der Zweck der Subvention beim Fecht-Weltcup unbestritten gegeben ist.
Bleibt Swiss Fencing und Max Heinzer also nicht viel mehr übrig, als möglichst auf breiter Basis für Goodwill und Interesse für die eigene Sportart zu weibeln. Man tut dies unter anderem mit einem neuen Projekt: In der ersten Juni-Woche öffnen die Schweizer Fechtclubs ihre Türen für die erste Austragung der «Swiss Fencing Week». Vielleicht ergeben sich ja anlässlich dieser diversen Schnuppertrainings interessante Kontakte. Oder zumindest dürfen die Funktionäre über sportliche Heldentaten am eigenen Weltcupturnier berichten.




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