Der FC Zürich ist so etwas wie das fussballerische Pendant zu Franjo von Allmen. Wie beim skifahrenden Abfahrtweltmeister ist auch beim Canepa-Klub Spektakel jederzeit garantiert und man weiss unterwegs nie so richtig, wie es am Schluss herauskommt. Allerdings stehen die Chancen auf einen Sieg bei von Allmen in der Regel besser.
Wieder einmal startete man beim FCZ mit Aufbruchstimmung und einem Neuanfang ins Jahr. Die Trennung von Sportchef Milos Malenovic und die gleichzeitige Ernennung von Dennis Hediger zum Cheftrainer über die aktuelle Saison hinaus waren spektakulär verpackte Weihnachtsgeschenke im Letzigrund.
Als sich dann nach dem Jahreswechsel auch noch die Stammspieler und Malenovic-Vertrauten Steven Zuber und Mariano Gomez per Eilsendung aus dem FCZ-Universum verabschiedeten, wurde die Ansage angesichts von fehlender Erfahrung im Kader erst recht zum Programm: Den sportlichen Erfolg auf dem Fundament der eigenen Nachwuchs-Academy zu suchen. So stand am Sonntag beim Gastspiel in Genf eine ausserordentlich junge Equipe auf dem Rasen. Nur zwei Spieler in der Startelf waren älter als 26 Jahre.
Auch bei Gegner Servette kriselt es seit Wochen. Anstatt in Richtung Europacup-Plätze geht der aktuelle Weg eher in Richtung Barrage. Die Niederlage im Nachtragsspiel gegen Lausanne zur Wochenmitte war alles andere als ein verspätetes Silvester-Feuerwerk im neuen Jahr. Doch gegen den FCZ zeigten sich die Genfer wieder einmal von ihrer besseren Seite. Engagement, Zweikampfverhalten und zu Beginn auch der Ertrag stimmten für einmal. Gefährlich vor dem Zürcher Tor wurde es aber vorwiegend bei Eckbällen. In der 20. Minute erzielte Neuzugang Marco Burch von Legia Warschau nach einem solchen den Führungstreffer. Zuvor und danach vergaben die Platzherren weitere gute Gelegenheiten nach Standardsituationen.
Mit zehn Mann verteidigt der FCZ den Punkt
Bei Zürich stimmte zwar der Einsatzwillen, aber von jugendlicher Leichtigkeit war vor allem im Angriff wenig zu erkennen. Und im Defensivverhalten gab es nicht nur bei stehenden Bällen ebenfalls gehörig Luft nach oben. Insgesamt spielte der FCZ lange zu passiv, verlor zu viele Zweikämpfe. Der Ausgleich des Holländers Damienus Reverson in der 28. Minute war die erste zwingende Offensivaktion. Nach einem langen Abschlag von Torhüter Brecher wurde der Ball direkt in den Servette-Strafraum weitergeleitet. Torhüter Mall verlor kurz die Übersicht, Reverson reagierte am schnellsten.
In der zweiten Halbzeit steigerte sich der FCZ zwar, kam aber gleichwohl aus dem Spiel heraus praktisch zu keinen Abschlüssen. Bis eine Viertelstunde vor Schluss schienen sich die zwei Teams gütlich mit dem einen Punkt abzufinden. Dann veränderte der Platzverweis gegen Kamberi, der als hinterster Mann eine Servette-Torchance irregulär verhinderte, die Ausgangslage nochmals radikal. Servette drückte nun mit neuem Offensivmaterial vehement auf den zweiten Treffer, doch die dickste Torchance hatte in der siebenminütigen Nachspielzeit der FC Zürich durch den eingewechselten Nigerianer Umeh Emmanuel. Torhüter Mall rettete Servette den mehr als verdienten Punkt.
Der Weg zu Ancillo Canepas Maximalziel für die laufende Saison - doch noch einen Platz im Europacup zu ergattern - wird für den FCZ definitiv kein Zuckerschlecken. Bei allen guten Ansätzen fehlte im Spiel der Stadtzürcher die ordnende Hand im Mittelfeld. Noch drängte sich niemand wirklich als Alternative zu Zuber auf.
GC verschläft den Start und bleibt chancenlos
Auch bei Stadtrivale GC verliefen die Festtage nicht ohne Unruhe. Trotz durchzogener sportlicher Bilanz von nur vier Siegen aus 19 Partien avancierte GC-Dompteur Gerald Scheiblehner in seiner Heimat bei Sturm Graz zum Kronfavoriten auf den verwaisten Trainerstuhl. Sportchef Alain Sutter musste ein Machtwort sprechen und Scheiblehner die Vorzüge der Stadt Zürich ans Herz legen.
Zumindest bei den Spielern hat der Verbleib ihres Chefs an der Seitenlinie keine spürbaren Euphoriestürme ausgelöst. Nach einem 1:7 im Testspiel gegen Nürnberg geriet auch der Super-League-Wiedereinstieg gegen Leader Thun zum Fiasko. Nach nur neun Minuten und Gegentoren durch den überragenden Elmin Rastoder und Kastriot Imeri war das Spiel für GC im Grunde gelaufen. Die Zürcher legten gegen bestens organisierte Thuner eklatante Abwehrschwächen an den Tag.
In einer durchaus unterhaltsamen Partie änderte auch das überraschende Anschlusstor durch Abwehrspieler Abels via Rücken von Thun-Torhüter Steffen unmittelbar nach Wiederanpfiff nichts an der Tatsache, dass zwischen den beiden Mannschaften ein Klasseunterschied zu erkennen war, der sich auch in den aktuellen Tabellenpositionen manifestiert. GC war weit weg von einer ähnlichen Überraschung wie im Hinspiel, als man dem Leader auswärts einen Punkt abzwackte. Die Zürcher behalten also ihr Image der enormen Leistungsschwankungen auch im neuen Jahr. Aktuell mit Pfeil nach unten.


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.