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Hediger raus, Koller rein: Das Trainerkarussell beim FCZ dreht weiter

Und wieder hat es den nächsten Trainer erwischt. Der FC Zürich stellt Dennis Hediger per sofort frei und verpflichtet Marcel Koller ab Juni. Pikant: Kollers Berater hat beim FCZ etwas zu sagen.
Marcel ist im Profifussball viel herumgekommen.
Bild: Hans Punz

Für den FC Zürich ist die Saison 2025/26 eine zum Vergessen. Wo im letzten Sommer noch die Top Sechs als Minimalziel verkündet wurde, herrscht schon lange grosse Ernüchterung. Schlechte Spiele, viele späte Gegentore und eine nicht endende Personal-Rochade resultieren in einem äusserst mageren zehnten Platz und das auch nur, weil der Grasshopper Club und der FC Winterthur noch schlechter sind. Nun zieht der Verein ein weiteres Mal die Reissleine und entlässt Cheftrainer Dennis Hediger per sofort. Sein Ersatz wurde bereits gefunden und hat im Schweizer Fussball einen grossen Namen: Marcel Koller.

Koller weiss, wie man Titel gewinnt

Koller gab sein Debüt 1997 beim FC Wil, wo er massgeblich zum Aufstieg der Ostschweizer 1998 beitrug. Zwei Jahre später gelang ihm in St. Gallen der ganz grosse Coup: Als Trainer führte er die Espen zum ersten Meistertitel nach 96 Jahren und verwandelte die Stadt in ein Tollhaus. Nach weiteren Stationen bei GC (wo er den bis dato letzten Meistertitel der Hoppers gewann), Köln und Bochum war Koller von 2011 bis 2017 österreichischer Nationaltrainer, welche er erstmals auf sportlichem Wege an die Europameisterschaft 2016 führte.

Präsident Thomas Müller, links, und Trainer Marcel Koller, rechts, mit dem Pokal in der Hand, am 7. Juni 2000 bei der Meisterfeier in St. Gallen.
Bild: Keystone/Walter Bieri

Nach diesem Engagement heuerte Koller beim FC Basel an, wo er aber die damalige Dominanz der Young Boys nicht durchbrechen konnte. Seine bisher letzte Station als Trainer führte ihn nach Ägypten zum Al-Ahly SC. Mit diesem wurde er 2023 ägyptischer Meister und gewann im selben Jahr die afrikanische Champions League. Diesen Triumph wiederholte er ein Jahr später. Nun soll er beim FC Zürich einen Neubeginn anführen. Für die kommenden Spiele in der Relegation Round übernimmt allerdings noch Co-Trainer Carlos Bernegger ad interim.

Diese personelle Veränderung ist nur eine von vielen in der jüngeren Vergangenheit des Stadtclubs. Hediger ist der fünfte Trainer seit Februar 2024, der nun entlassen wird. Und auch in der letzten Winterpause sorgten die Stadtzürcher für Schlagzeilen: Der immer heftiger in der Kritik stehende Sportchef Milos Malenovic musste den Hut nehmen, nachdem Mitchell van der Gaag im Oktober durch Hediger ersetzt wurde.

Malenovic bei einer 2:0 Niederlage gegen Basel im Herbst 2025. Sein Abgang beim FCZ war ein unrühmlicher.
Bild: Philipp Kresnik

Welche Rolle spielt Dino Lamberti beim FCZ?

Eine weitere personelle Meldung ging in diesem Trubel fast unter: Anstelle von Malenovic erhielt ein gewisser Dino Lamberti ein befristetes, nicht weiter spezifiziertes Mandat. Damals hiess es, Lamberti solle «den FCZ unterstützen und relevante Transferthemen mit Nachdruck vorantreiben». In enger Zusammenarbeit mit dem Präsidium sei Lamberti für die operativen Transferentscheide verantwortlich.

Dino Lamberti ist Gründer und CEO der Fairplay Agency, einer Spielerberatungsfirma. Er hatte schonmal mit dem FCZ zu tun: Einige werden sich vielleicht noch an den unrühmlichen Abgang von Almen Abdi im Jahr 2010 erinnern. Der dreifache Meisterspieler schlug mehrere Angebote zur Vertragsverlängerung bei den Zürchern aus und wechselte nach Frankreich. Abdi war damals ein Klient Lambertis. Darauf tauchte in den Medien eine «schwarze Liste» auf, welche deutlich machte, mit welchen Spielerberatern der FCZ künftig nicht mehr zusammenarbeiten würde. Dino Lamberti stand auf dieser Liste ganz oben.

Nach 16 Jahren ist scheinbar alles vergeben und vergessen, das «mangelnde Vertrauen», welches FCZ-Präsident Ancillo Canepa damals noch beklagte, ist einer engen Zusammenarbeit gewichen. Lars Villiger, Matteo Di Giustio, Ezgjan Alioski und Urs Fischer sind nur einige Beispiele der namhaften Kunden der Agentur. Eine weitere Person, welche mit der Fairplay Agency zusammenarbeitet? Marcel Koller. Dass nun ausgerechnet der seit seiner Entlassung im April 2025 vereinslose Koller beim FCZ engagiert wird, wirft vor dem Hintergrund dieser Beziehung zwischen Lamberti und Canepa zumindest Fragezeichen auf.

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