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FC Basel

Jetzt ist es fix: Stephan Lichtsteiner ersetzt Magnin beim FC Basel

Auch der spektakuläre 4:3-Sieg im Klassiker gegen den FC Zürich hat Ludovic Magnin den Job nicht gerettet. Der Trainer muss den FC Basel nach nur sieben Monaten verlassen. Die Nachfolge regelt der Doublesieger am Montagabend.
Stephan Lichtsteiner unterschreibt beim FCB bis 2029 und sagt: «Ich bin sehr überzeugt vom langfristigen Projekt beim FC Basel und freue mich deshalb, dass ich ab sofort ein Teil davon sein kann.»
Bild: FC Basel 1893 / Luca Cavegn

Ein Bussard kreist über den FCB-Trainingsplätzen im Joggeli und wird dann von einer Krähe verjagt. Unten auf dem Rasen absolviert Andrej Bacanin mit Co-Trainer Simone Grippo ein Einzeltraining. Einen Kilometer weiter weg joggt Moussa Cissé in FCB-Hose und VfB-Stuttgart-Pulli durch das Natur-Erholungsgebiet Grün 80. Ansonsten regt sich rund um den St. Jakob-Park nichts Rotblaues. Am Tag nach dem 4:3-Sieg gegen den FC Zürich steht kein Training auf dem Programm.

Stattdessen brodelt die Gerüchteküche. Aus unterschiedlichen Quellen ist zu hören, dass die FCB-Führung trotz des Sieges im Klassiker entschieden hat, sich von Trainer Ludovic Magnin zu trennen. Am Montagmittag vermeldet zunächst der «Blick», dass die Entlassung fix und Ex-Naticaptain und ehemaligen FCB-Juniorentrainer Stephan Lichtsteiner ein heisser Kandidat für die Nachfolge sei, was sich auch mit den Informationen dieser Zeitung deckt. Um 12.45 Uhr bestätigt der FCB die Trennung von Magnin.

Um 20.35 Uhr macht der Klub auch offiziell, dass Lichtsteiner ab sofort übernimmt und einen Vertrag bis 2029 unterschrieben hat. Sportdirektor Daniel Stucki sagt dazu: «Stephan bringt ein grosses taktisches Verständnis mit und versteht es seit jeher, seine Teams mitzureissen und als Kollektiv besser zu machen.»

Am Sonntag sass Ludovic Magnin im Letzigrund zum letzten Mal auf der Trainerbank des FC Basel. Seine Abschlussbilanz lautet: 15 Siege, 7 Unentschieden und 11 Niederlagen
Bild: Martin Meienberger/Freshfocus

Die Trennung von Magnin begründet Stucki wie folgt: «In den Wochen und Monaten vor der Winterpause hatten wir das Gefühl, dass unsere Leistungen stagnierten. Die ersten drei Spiele im neuen Jahr, darunter das Unentschieden zuhause gegen den FC Sion, sowie vor allem der ungenügende Auftritt auswärts in Salzburg, entsprachen dann auch nicht den Erwartungen der sportlichen Leitung. Die erhoffte Trendwende blieb trotz einer guten Vorbereitung aus.»

Am Ende fehlten dem im Sommer mit einem Vertrag bis 2027 ausgestatteten Trainer, der vom Team aufgrund seiner offenen Kommunikation sehr geschätzt wurde, vor allem die Resultate. Zwar hat Magnin in der Liga nur einen Punkt weniger geholt als Vorgänger Fabio Celestini zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Doch nur fünf Siege aus den vergangenen 15 Spielen und ein Gesamtpunkteschnitt von 1,58 genügen nicht den Ansprüchen des FCB.

«Vor dem Klassiker hatte ich weniger Argumente, jetzt habe ich wieder welche», sagte Magnin am Sonntagabend. Zwölf Stunden später lässt er sich gentleman-like zitieren: «Ich möchte mich beim FC Basel herzlich für ein trotz allem tolles halbes Jahr bedanken. Ich durfte spüren, was dieser Klub der Stadt und den Menschen bedeutet, und natürlich fällt mir der Abschied schwer.»

Jetzt steht die Arbeit von Stucki und Degen auf dem Prüfstand

Stucki und seine FCB-Sportkommissionsmitstreiter David Degen und Ruedi Zbinden erhoffen sich durch den Trainerwechsel einen Impuls, der die Saisonziele wieder in Reichweite bringt. Die Verantwortlichen wissen: Nach wie vor fehlt ein Mittelstürmer und es fallen auch verletzte Leistungsträger aus. Aber vor allem sind die nächsten drei Spiele innert sieben Tage vorentscheidend.

Stucki sagt dazu: «Uns ist bewusst, dass Stephan in einer anspruchsvollen Phase zu uns stösst, in der in kurzer Zeit richtungsweisende Spiele anstehen. Und dies ohne wirkliche Erfahrung als Cheftrainer auf Profiniveau. Aber unser grosses Ziel ist es, langfristig und nachhaltig zu planen. Stephan kennt Drucksituationen aus seiner Aktivzeit bestens und obwohl er noch kein Team auf höchstem Niveau trainiert hat, trauen wir ihm diese Aufgabe zu 100 Prozent zu.»

Aktuell hat der Meister zehn Punkte Rückstand auf Leader Thun, der am Sonntag ins Joggeli kommt. Davor steht in der Europa League am Donnerstag noch die finale Runde gegen Viktoria Pilsen an, ehe am kommenden Mittwoch ein schwieriger Cup-Viertelfinal in St. Gallen auf den Titelverteidiger wartet.

Lichtsteiner steht vor einer schwierigen Aufgabe

Lichtsteiner sagt: «Ich bin sehr überzeugt vom langfristigen Projekt. Obwohl der Schritt etwas früher als geplant kommt, war es für mich selbstverständlich, dass ich diese Herausforderung bei diesem tollen Klub jetzt annehmen möchte.»

Am Dienstag wird der 42-Jährige erstmals das FCB-Training leiten. Unterstützt wird er dabei auch von Assistenztrainer Pascal Bader, der zuletzt im Nachwuchs des FC Aarau aktiv war und mit ihm nach Basel wechselt.

Lichtsteiner trainierte zuletzt den viertklassigen FC Wettswil-Bonstetten (1. Liga Classic), wo er im Sommer 2024 nach zwei Jahren Tätigkeit im Nachwuchs des FCB anheuerte. In der Zeit als U15- und U16-Trainer beim FCB machte sich der ehemalige Nationalmannschaftscaptain (108 Länderspiele) intern einen Namen als Trainertalent.

In seiner reichen Spielerkarriere feierte Lichtsteiner mit Juventus Turin sieben Meisterschaften. Dazu kommt ein Schweizer Meistertitel mit GC, von wo der Aussenverteidiger 2005 auszog, um in Lille, bei Lazio Rom, in Turin, bei Arsenal und zuletzt in Augsburg eine Laufbahn hinzulegen, wie sie wenigen Schweizer Profifussballern gelungen ist.

Mit Magnin spielte Lichtsteiner von 2007 bis 2010 zusammen in der Nati. Der eine links hinten, der andere rechts. So gesehen hat der FCB einen schönen Seitenwechsel vollzogen. Doch ob Lichtsteiner den FCB aus der Krise lotsen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht lediglich, dass es zum Einstieg in die Trainerkarriere in der Super League einfachere Aufgaben gibt.

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