FC Basel

Der Wunsch von Hansi Flick, ein ausverkauftes Joggeli und Milliardenschulden: alles Wissenswerte vor dem Barça-Gastspiel

Am Sonntag (16.30 Uhr) trifft der FC Basel in einem Testspiel im Joggeli auf den grossen FC Barcelona. Wie es zum Spiel kam, was finanziell für den FC Basel herausspringt und wer von den Weltmeistern nach Basel reist.
Hansi Flick gewann im Frühling in seiner zweiten Saison mit Barcelona den zweiten Meistertitel.
Bild: Imago

Wieso spielt der FC Barcelona so kurzfristig im Joggeli?

Eigentlich hätte der FC Barcelona am Samstag ein Testspiel in Marokko gegen Ittihad Tanger ausgetragen. Vor dem Testspiel am kommenden Mittwoch zu Ehren des Klubgründers und Schweizers Hans «Joan» Gamper, der auch zwei Spiele für den FC Basel absolvierte, gegen Al Ahli aus Ägypten, wäre es der zweitletzte Test für die Culers gewesen. Diese starten am 23. August in Elche in die Meisterschaft.

Nach der Migrationskrise in Ceuta haben die Katalanen das Spiel in Tanger jedoch vergangene Woche abgesagt. Zehntausende Menschen überquerten eineinhalb Autostunden von der marokkanischen Hafenstadt entfernt die Grenze zur spanischen Exklave auf dem afrikanischen Kontinent – nach aktuellem Stand verloren dabei über 140 Menschen ihr Leben. «Unter diesen Umständen betrachtet der FC Barcelona es als unangebracht, die Partie auszutragen», teilte der Klub mit.

Barça-Trainer Hansi Flick klopfte deshalb in der Folge bei David Degen an und fragte, ob die Basler spontan in die Bresche springen möchten. Auf den «ausdrücklichen Wunsch» des Deutschen ging Degen ein, weshalb es am Sonntag (16.30 Uhr) nun zum Duell der beiden rotblauen FCB im Joggeli kommt.

Wie steht es aktuell um den FC Barcelona?

Mit dem FC Barcelona ist der amtierende spanische Meister zu Gast in Basel. Dank einer neuen Generation von Spielern aus der berühmten «La Masia» rund um Lamine Yamal, Pau Cubarsí und Fermín López sehen die Buchmacher Barça auch für die kommende Saison als Favorit auf den Titel. Im aktuellen (erweiterten) Kader wurden 18 Spieler zumindest teilweise im eigenen Nachwuchs ausgebildet. In der Champions League wartet der fünffache Sieger seit 2015 auf den Titel, zuletzt schaffte es das Team von Flick nach einigen enttäuschenden Kampagnen wieder ins Viertelfinal, wo gegen Atlético Madrid Endstation war.

Auch finanziell hat sich die Lage leicht verbessert, ist jedoch weiterhin angespannt. 2021 zeigte die Pandemie schonungslos die Missstände im Verein auf. 98 Prozent des Budgets wurden für Löhne ausgegeben. Lionel Messi verdiente nach neun Vertragsverlängerungen ein Salär im dreistelligen Millionenbereich pro Saison (!) und musste den Klub verlassen, da dieser die bereits zuvor arg strapazierten Financial-Fairplay-Regeln der Uefa einzuhalten hatte.

Die Schulden des Vereins betragen heute 2,5 Milliarden Euro, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete. Ein Grossteil davon wurde für den Neubau des Camp Nou aufgenommen. Das Stadion soll dabei helfen, in Zukunft nachhaltig Gewinn zu erwirtschaften – ab 2027 rechnet Barça-Präsident Joan Laporta mit Einnahmen von 400 Millionen Euro pro Saison, welche durch das neue Stadion generiert werden sollen. Das wäre mehr als doppelt so viel wie bisher.

Im vergangenen November spielte Barcelona nach zweieinhalb Jahren wieder im Camp Nou. Komplett fertiggestellt soll das Stadion 2027 sein.
Bild: AP

Laporta sieht den Klub auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Nach seiner Wiederwahl im Frühling sagte er: «Aufregende Jahre stehen bevor, es werden die besten unseres Lebens sein.» Auf dem Transfermarkt ist Barça auf jeden Fall wieder voll mit dabei. Anthony Gordon (von Newcastle) und Karim Adeyemi (Dortmund) sind in diesem Sommer schon gekommen, Rodri, bester Spieler der Weltmeisterschaft, soll noch folgen.

Karim Adeyemi unterschrieb in Barcelona einen Fünfjahresvertrag.
Bild: EPA

Was springt für den FC Basel finanziell heraus?

Dass europäische Schwergewichte in der Vorbereitung auch gegen kleinere Klubs testen, ist selten auf Goodwill zurückzuführen. Für den Test in Marokko wäre Barcelona mit einer Antrittsgage von 4,5 Millionen Euro entlöhnt worden, wie die spanische Zeitung «Mundo Deportivo» schreibt. Auch der FC Basel hat den Katalanen vermutlich eine Gage überwiesen, wenn auch aufgrund der spontanen Zusage eine deutlich niedrigere. Auf Anfrage äusserte sich der Klub nicht zu den Details der Vereinbarung mit Barcelona.

Auch zum erwarteten Gewinn schweigen die Basler. Mit den Einnahmen aus dem Ticketing (im öffentlichen Verkauf kosteten die Karten zwischen 30 und 100 Franken) und dem Catering dürften die Basler aber sicherlich schwarze Zahlen schreiben.

David Degen, hier beim letzten Heimspiel der Doublesaison 2024/25 gegen Luzern, freut sich auf ein volles Joggeli.
Bild: Freshfocus

Wie kam es zum Ticketchaos und wo wird das Spiel übertragen?

Ab Samstag deckten sich Saisonkartenbesitzer und Vereinsmitglieder bereits mit zahlreichen Tickets ein. Am Montag brach der FCB-Online-Ticketshop dann wegen Überlastung zusammen, als der freie Verkauf gestartet wurde. Über 100'000 Personen befanden sich am Dienstagmittag in der neu eingerichteten Warteschlange. Wenige Minuten später war das Stadion mit 38’512 Zuschauenden ausverkauft. Tausende Fans gingen leer aus. Wer nicht bereit ist, die Wucherpreise auf dem Zweitmarkt zu bezahlen, kann die Partie live auf Blue Zoom, dem Gratissender von «blue», verfolgen.

Spielen die Weltmeister überhaupt?

Sportlich macht die Begegnung am Sonntag aus Basler Sicht wenig bis keinen Sinn. 24 Stunden zuvor spielt das Team von Stephan Lichtsteiner noch in der ersten Cuprunde in Courtételle. Bei der Entscheidung überwog jedoch die Vorstellung von Barças acht frischgebackenen spanischen Weltmeistern (und die damit verbundenen Einnahmen) im Joggeli.

Doch Yamal, Cubarsí und Kollegen sind nach ihren wohlverdienten Ferien erst am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und werden vermutlich höchstens zu Teileinsätzen kommen. Aller Voraussicht nach nicht nach Basel reisen wird Ferran Torres. Der Siegtorschütze aus dem WM-Final steht vor einem Wechsel zu Paris Saint Germain.

Ferran Torres feiert seinen Siegtreffer im WM-Final gegen Argentinien.
Bild: AP
Kommentare (0)