Kommentar

Knatsch um Fanzüge: Das sind die Lehren  für SBB und Fussballvereine

Erst ein öffentlicher Schlagabtausch zwischen SBB und FCZ, dann die nächste Spielverschiebung. Und trotzdem bleibt die Angst vor Randalen – was braucht es jetzt? Unsere Analyse.

Der Knatsch um die Extrazüge für Fussballfans in dieser Woche ist so bemerkenswert wie einzigartig. Die SBB und der FCZ beschuldigen sich öffentlich. Kantonale Polizeibehörden und die Swiss Football League geraten unter Druck. Am Ende steht bei Sion-FCZ eine nächste, diesmal kurzfristige, Spielverschiebung. Und die Frage: Wird aus dem Erfolgsmodell «Extrazüge» ein Problemfall?

Seit Jahren beklagen sich die SBB über ungedeckte Kosten wegen Extrazügen für Fussballfans. Gut vier Millionen sollen sie betragen. Ein stolzer Betrag, gewiss. Verständlich darum, wenn die Bundesbahnen deshalb möglichst viele Kosten auf die Fussballklubs überwälzen wollen. Am liebsten mit einer drastischen Massnahme: Künftig sollen die Klubs selbst «Charterzüge» buchen – und damit die Haftung für Randale der Fans übernehmen. Dass die SBB seit dieser Saison ausserhalb der Fahrplanzeiten keine Extrazüge mehr anbietet, ist ein Zwischenschritt, um Druck auszuüben.

Nur: Diese Gesamthaftung wird ein Fussballklub niemals übernehmen. Das Klumpenrisiko könnte einen Verein in den Ruin treiben. Trotzdem sind auch die Klubs gefordert. Die permanente «Hände-in-Luft-wir-können-nichts-tun-Haltung» nervt die Bevölkerung. Und lässt die Fans unnötig an der langen Leine. Es sind markige Worte gefragt – und proaktive Beiträge für Lösungen. Wer sich diesen Lösungen verschliesst, macht sich mitschuldig an der Eskalation.

Die Erfahrung im Umgang mit Fussballfans zeigt: Dialog ist zielführender als Repression. Darum ist auch die SBB auf dem Holzweg. Die Behauptung sei gewagt: Ohne Extrazüge wären die ungedeckten Kosten einiges höher. Tausende Menschen in der Schweiz müssten die sowieso schon überfüllten Züge Wochenende für Wochenende mit Fussballfans teilen. Das will niemand.

Gespräche sind darum dringend nötig. Es braucht dabei von jeder Partei Zugeständnisse. Nur so lässt sich der Schaden für Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich halten. Bilder von Fangewalt und Ausschreitungen will niemand sehen. Weder in Stadien. Noch an Bahnhöfen. Aber genau dazu wird es kommen, wenn sich die Fronten zwischen SBB, Klubs, Liga und Behörden weiter verhärten.

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