In der Sportfabrique in Biel haben die Trainer einen grossen Ventilator vor die weit geöffneten Türen der Turnhalle gestellt. Der Luftzug soll für etwas Abkühlung sorgen. Heiss ist es trotzdem, während die Kunstturnerinnen eines ihrer letzten Trainings vor der Reise an die EM in Zagreb absolvieren.
Am Donnerstag beginnen in Kroatien die Titelkämpfe der Frauen. Es geht – natürlich – um Medaillen. Für die Schweizer Kunstturnerinnen aber auch bereits um die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Mindestens den 13. Rang müssen die fünf Schweizer Turnerinnen in der Teamwertung erreichen, um im Rennen um einen olympischen Quotenplatz zu bleiben. Es steht im Zentrum der Zielsetzung des Schweizerischen Turnverbands.
Zu den fünf Frauen, die diesen 13. Rang erreichen sollen, gehören zwei Aargauerinnen: Anny Wu, die bereits ihre sechste Europameisterschaft bestreiten wird, und Daria Hartmann. Die 19-Jährige gehört erst zum zweiten Mal zum Schweizer Aufgebot für die kontinentalen Titelkämpfe.
Daria Hartmann reist mit ganz anderen Gefühlen an die EM als noch vor einem Jahr. Während damals in Leipzig bereits die Teilnahme ein Erfolg war, tritt sie dieses Mal mit konkreten Ambitionen an. «Ich will helfen, den 13. Rang zu erreichen», sagt Hartmann. Dafür wird es eine starke Leistung von ihr brauchen. Vor allem aber Nervenstärke und einen kühlen Kopf.
Der Schwebebalken gibt ihr den Kick
Zumindest temperaturmässig dürfte es in Zagreb angenehmer werden. Die Wettkampfhalle wird auf 22 Grad gekühlt. Das wird helfen – wobei Hartmann generell nervenstark ist. Schliesslich ist ihr Lieblingsgerät ausgerechnet jenes, das nicht einmal die kleinsten Fehler verzeiht: der Schwebebalken. Die Gefahr eines Sturzes ist auf dem nur zehn Zentimeter breiten Balken omnipräsent. Doch Hartmann liebt genau diesen Kitzel.
«Der Adrenalinkick ist speziell. Ich glaube, so etwas habe ich sonst in meinem Leben nirgends», sagt die Villnacherin, die das Turnen beim TV Lenzburg lernte. Seit sie 14 ist, trainiert Hartmann mit dem Nationalkader. Meist in Magglingen, derzeit temporär in der Sportfabrique in Biel. Die ersten vier Jahre lebte die Aargauerin bei einer Gastfamilie. Seit zwei Jahren wohnt sie in einer WG mit anderen Turnerinnen in Magglingen.
Am Montag hätte sie eigentlich ihren ersten Schultag des Abschlussjahres ihrer KV-Ausbildung absolvieren sollen. Doch die 19-Jährige bekam frei. Schliesslich steht für sie mit der EM ein Highlight auf dem Programm. Irgendwann möchte sie an Titelkämpfen Gerätefinals erreichen. «Noch kommt dies aber wohl zu früh», schätzt Hartmann die Ausgangslage ein.
Vor einem Jahr in Leipzig klassierte sie sich am Schwebebalken auf dem 27. und am Boden auf dem 30. Rang. Mit dem Team resultierte der 15. Platz. Eine Steigerung hat sich Hartmann fest vorgenommen. Ihr bisheriges Jahr verlief gut. «Ich bin zufrieden mit meiner Entwicklung», sagt sie.
Der nächste Schritt soll nun ab Donnerstag an der EM in Zagreb erfolgen. Wohin der Weg führen soll, weiss Hartmann längst. Sie sagt: «Die Olympischen Spiele sind seit meiner Kindheit ein Traum. Darauf arbeite ich hin. Es wäre mega, wenn es schon in diesem Zyklus klappen würde.»



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