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Eishockey

Eishockey-Nati glückt Hauptprobe vor der Heim-WM mit Rekordsieg gegen Tschechien

Aber nach dem Rekordsieg gegen Tschechien (6:1) im letzten Spiel vor der Heim-WM lautet die Frage: Ist die Eishockey-Nati auch hart genug für die Goldmedaille?
Die Eishockey-Nati beendet die Vorbereitung auf die Heim-WM mit einem Sieg und einem überzeugenden Auftritt.
Bild: Keystone / Johan Nilsson

Ängelholm war in den letzten vier Tagen mehr als die letzte Station vor dem WM-Start am nächsten Freitag in Zürich gegen die USA. Die finale Phase der WM-Vorbereitung endete gestern mit einem Schlussfeuerwerk. Ja, mit einer Offenbarung. Die Schweizer haben auch ohne die geschonten NHL-Titanen Roman Josi, Nino Niederreiter, Timo Meier und Nico Hischier die Tschechen mit 6:1 vom Eis gefegt.

Ein Resultat mit historischen Dimensionen. Es ist der höchste Sieg gegen diesen Gegner seit mehr als hundert Jahren: In der offiziellen Länderspiel-Statistik finden wir ein 8:2 vom 24. Januar 1909. Damals gab es weder Tschechien noch die Tschechoslowakei, aber den 1908 gegründeten Eishockey-Verband Böhmen, die Wiege der tschechischen Hockeykultur. Deshalb wird dieses 8:2 als Sieg gegen Tschechien gewertet.

Die Schweizer Eishockey-Nati feiert einen 6:1-Erfolg gegen Tschechien.
Bild: Keystone / Johan Nilsson

Eishockey wie ein Kammerorchester

Die Schweizer spielen zum Abschluss der WM-Vorbereitung mit der Gelassenheit und Selbstverständlichkeit eines Titelanwärters. Der Puck läuft schnell und präzis. Die Kombinationen haben diese seltene Eleganz, die erst aus der Verbindung von Talent und Selbstvertrauen entsteht. Hockey wie ein Kammerorchester: technisch fein, rhythmisch sicher, elegant und mit erstaunlichen Automatismen.

Nie zuvor in der Geschichte sind die Tschechen so dominiert, zerlegt, entwaffnet worden. Für einmal spielt es keine Rolle, wer das Tor hütet: Sandro Aeschlimann muss nicht hexen. Ohnehin ist klar, dass er bei der WM hinter Leonardo Genoni und Reto Berra die Nummer drei sein wird.

Sandro Aeschlimann ist an der WM die Schweizer Nummer 3.
Bild: AP / Johan Nilsson

Sven Andrighetto ist zurück

Zur grandiosen WM-Hauptprobe passt ein wundersames Comeback: Sven Andrighetto ist wieder da. Und er ist bei seinem Comeback gleich der wahre Sven Andrighetto. Er ist bei drei Treffern auf dem Eis und beim 4:1 versenkt er ein Zuspiel von Denis Malgin mit Direktschuss. Der Puck schlägt wie der Blitz im Netz ein. Er sagt auf eine entsprechende Frage, der wahre Sven Andrighetto sei er noch nicht. «Ich muss den Rhythmus noch finden.»

Aber ansonsten sei er wieder hundertprozentig fit. Keine Selbstverständlichkeit. Am 25. März stösst er im dritten Viertelfinalspiel gegen Lugano mit einem Mitspieler zusammen. Hirnerschütterung. Für die ZSC Lions kann er nicht mehr spielen. Aber er wird ins WM-Vorbereitungsprogramm integriert, darf aber lange Zeit nur mit den Torhütern zum Schusstraining aufs Eis. Erst in der finalen Phase der Vorbereitung ist er dazu in der Lage, das Training mitzumachen.

Jubel über Rückkehr und Treffer von Sven Andrighetto.
Bild: AP / Johan Nilsso

(Noch) kein Grund zur Euphorie

Nun hat Andrighetto den finalen Test im Spiel gegen Tschechien bestanden. Er wird bei der WM ein Schlüsselspieler sein: Kein anderer Stürmer beherrscht die Kunst des Direktschusses so virtuos wie er. Unser Powerplay ist ein anderes mit Sven Andrighetto.

Und doch gibt es keinen Grund zur Euphorie. Die Umstände haben die Schweizer begünstigt. Sie sind in Ängelholm praktisch mit dem WM-Team angetreten. Definitiv kommt nur noch NHL-Verteidiger Janis Moser zum Team, offen ist lediglich die Freigabe für Philipp Kuraschew. Die Finnen, Schweden und Tschechen erwarten hingegen noch sechs bis acht Verstärkungen.

Denis Malgin im Duell mit dem Tschechen Tomas Cibulka.
Bild: Keystone / Johan Nilsson

Fazit: Test bestanden, mehr nicht

So vollständig war unser WM-Team in der Neuzeit zu diesem frühen Zeitpunkt noch nie. Und so ist die bange Frage berechtigt: Sind die Schweizer gestern gegen die Tschechen zu hoch geflogen? Jan Cadieux hat keine Flugangst: «Jeder in der Kabine kann die Leistung richtig einschätzen. Wir hatten uns vorgenommen, von Anfang an mit hoher Intensität zu spielen. Das ist uns gelungen.» Aus der Sicht des Nationaltrainers, der in seinem Wesen und Wirken von Tag zu Tag lockerer und souveräner wird: Test bestanden. Mehr nicht.

Da war hier in Ängelholm nämlich auch die zweite Partie am Samstag gegen Schweden (0:3). Die intensivste der gesamten Vorbereitung. Die Schweizer haben nicht nur verloren. Sie hatten nie eine echte Chance. Vom spielerischen Glanz aus dem ersten Spiel gegen Finnland (5:4 n.P) und dem Schlussfeuerwerk gegen Tschechien war nichts zu sehen.

Bringt die Schweizer Equipe auch die nötige Härte aufs Eis?
Bild: Bild; Keystone /Johan Nilsson

Siegenthaler, Glauser und Fora für die Härte

Aber die WM wird dort entschieden, wo Eleganz und spielerischer Glanz enden und «Überleben» beginnt: im «Infight» vor beiden Toren, an der Bande. Die alles entscheidende Frage ist also: Kann die spielerische Herrlichkeit mit genügend «Schleifpapier», Wasserverdrängung und Härte veredelt werden? NHL-Verteidiger Jonas Siegenthaler, sowie Andrea Glauser und Michael Fora, die bissigsten, härtesten Verteidiger unserer Liga fehlen verletzungsbedingt.

Raue Kerle, die schon geholfen haben, bei der WM-Silber zu schmieden. Die dann die Differenz machen können, wenn die Räume eng werden. Die schönen Tage von Angelholm auf den Punkt gebracht: Spielerisch gut genug, um erstmals Weltmeister zu werden, aber auch hart genug?

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