
Als der grosse Titelfavorit böse abgestürzt war, verschwand Kylian Mbappé keineswegs unauffällig durch den Hinterausgang. Frankreichs Captain stellte sich den bohrenden Fragen, auf die aber auch er keine Antworten fand. «Diese Niederlage ist eine grosse Enttäuschung», sagte der Starstürmer nach dem 0:2 gegen eiskalte Spanier, durch das der Traum vom Einzug in den WM-Final jäh geplatzt war: «Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, wie enttäuscht die Mannschaft und ich sind.»
Es war nicht das Aus allein, das das Team verarbeiten musste. Fast noch schlimmer war die Chancenlosigkeit der Franzosen, die dem ballsicheren Europameister nie gewachsen waren. Weder spielerisch noch taktisch, technisch oder in Sachen Einsatz. «Insgesamt haben wir nicht das Level erreicht und nicht das Spiel gespielt, das wir spielen wollten», gab Mbappé ehrlich zu: «Und wenn du nicht das lieferst, was du in einem WM-Halbfinal liefern solltest, gewinnst du nicht.»
Das Hadern mit dem Schiedsrichter
So deutlich der Qualitätsunterschied auf dem Platz war, so erstaunlich war es, wie viel Gewicht die enttäuschten Franzosen auf die Leistung des Schiedsrichters legten. «Ich werde nun eine Frage stellen, diese aber nicht beantworten», sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps nach dem Ausscheiden sowohl im Platzinterview als auch danach bei der Pressekonferenz und schob hinterher: «Hat dieser Schiedsrichter das Niveau, einen WM-Halbfinal zu pfeifen?»
Eine Antwort brauchte er nicht zu geben, sein Gesicht sprach Bände. «Es gab bestimmte Situationen, oft zu unserem Nachteil.» Der Unparteiische war Ivan Barton aus El Salvador, der unter anderem schon den Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien geleitet hatte.
«Er war nicht auf der Höhe», sagte der eingewechselte Rayan Cherki, der anfügte: «Aber es hat nicht an ihm gelegen. Er hat uns kein Tor aberkannt. Wir haben uns selbst geschlagen.» Frankreich hätte alles gehabt, um den Titel zu holen. Der 22-Jährige glaube sogar weiterhin, dass die Franzosen das bessere Team seien als Spanien. «Doch wir haben heute nicht so Fussball gespielt, wie wir es sonst tun. Spanien hingegen schon. Jetzt müssen wir die Konsequenzen tragen.»

Deschamps übergibt sein Traineramt nach 14 Jahren an Zinédine Zidane
Und so geht es für die Franzosen, die wegen ihrer brillanten Offensive als Top-Favorit auf den Titel gegolten hatten, nicht zum grossen Final nach New York. Nein, stattdessen bleibt am Samstag (23 Uhr, Schweizer Zeit) im Spiel um Platz drei einziger Antrieb, dem grossen Didier Deschamps, der sein Traineramt nach der WM nach 14 Jahren an Zinédine Zidane übergibt, einen würdevollen Abschied zu bereiten.
Der 57-jährige Deschamps, der Frankreich seit 2012 trainiert und das Team 2018 zum Weltmeister machte, schob dies allerdings beiseite. «Auf persönlicher Ebene ist es nicht wichtig, ob ich im Halbfinal oder Final verliere», sagte Deschamps. Und «jetzt ist auch nicht der Zeitpunkt, um über die Zukunft zu sprechen». Jetzt gerade sei er «sehr stolz auf alles, was wir gemeinsam als Nationalmannschaft erreicht haben».

Doch die Hoffnung auf einen weiteren grossen Triumph und ein goldenes «Au Revoir» hatte sie alle angetrieben. «Es war unser Wunsch, das Finale zu erreichen und unser Land weiter träumen zu lassen», sagte Mbappé. Doch weder der Torjäger von Real Madrid noch Ousmane Dembélé oder Weltfussballer Michael Olise fanden ein Mittel gegen die nahe der Perfektion spielenden Spanier.
Jetzt gehe es darum, «unseren Kopf oben zu behalten. Ob bei Siegen oder Niederlagen - und auch, wenn es roboterhaft klingt: Wir müssen uns aufraffen und den nächsten Anlauf nehmen. Der Fussball wartet auf niemanden, wir müssen das Scheitern jetzt abhaken und daraus lernen.»
Zweimal nacheinander hatte Frankreich den Final einer WM erreicht, der Hattrick war zum Greifen nah. Doch anders als beim Triumph in Russland 2018 und beim zweiten Platz in Katar 2022 bleibt Les Bleus diesmal nur die Rolle des Zuschauers, wenn am Sonntag (21 Uhr) in New York das Endspiel steigt.
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