An den Jubelrufen im Publikum wurde nach dem Auftritt von Lukas Britschgi an der Eiskunstlauf-EM schnell klar, das ist nicht irgendeine Kür. Das ist die Europameisterkür. Der 26-jährige Schaffhauser kniet auf das Eis, ist immer noch ausser Atem. Dann steht er auf, klatscht ebenfalls und ballt seine beiden Fäuste.
Auch dem Eiskunstläufer muss in diesem Moment wohl klar geworden sein, dass seine Kür praktisch fehlerlos war und es für einen Europameistertitel reichen könnte. Er legte einen fulminanten Start hin, landete zweimal pünktlich mit dem eintretenden Bass präzis auf seinen Kufen. Bei der Landung patzten viele andere seiner Konkurrenten gleich mehrmals. Nicht aber der Schaffhauser. Dieser landete abermals perfekt auf den dünnen Eisen.
Je mehr seine Figuren und Techniken aufgingen, desto mehr sah man ihm an, dass er seine Kür genoss. Es wirkte, als würde er auf dem Eis in Tallinn schweben. «Irgendwann habe ich realisiert, dass es wirklich sehr gut läuft», sagt er nach der Kür gegenüber SRF. Am Schluss war es wenig verwunderlich, dass er mit 184,19 Punkten belohnt wurde. Für Britschgi ist das ein neuer Bestwert.
Seine Konkurrenz patzte und stürzte
Dass er am Schluss die begehrte Goldmedaille abstaubte, hatte auch damit zu tun, dass seine Konkurrenz patzte. Der amtierende Europameister aus Frankreich, Adam Siao Him Fa, stürzte mehrfach und fiel hinter dem Schaffhauser auf Platz drei zurück. «Es war eine lange Zeit auf dem Sofa», witzelt Britschgi über die Wartezeit.
Mit einer Gesamtpunktzahl von 267,09 Punkten krönte Britschgi sich zum Europameister. Und das, obwohl er seine persönliche Bestleistung von 274,09 Punkten unterbot, die er an der letzten WM in Montréal gezeigt hatte.
Noch beim Kurzprogramm am Donnerstag belegte der Schweizer nur den achten Zwischenrang. «Ich hatte nichts zu verlieren, sondern konnte nur angreifen und aufholen», sagt er. Dies tat er. Und wie.
Am Samstagabend steigerte er sich nicht nur, sondern brillierte – anders als seine bisherige Saison vermuten liess. Denn diese ähnelte eher einer Achterbahnfahrt. Zu Saisonbeginn reagierte seine Patellasehne im linken Knie auf die vielen Vierfachsprünge. «Ich muss einfach ab zu auf die Zähne beissen», sagte er vor der EM noch gegenüber «20 Minuten» . Ohnehin wurde er von Verletzungen in seiner bisherigen Karriere nie verschont.
Für den Schaffhauser ist es die zweite EM-Medaille
Nun ist er zuoberst bei der Achterbahnfahrt angekommen: bei seinem grössten Erfolg in seiner Karriere als Eiskunstläufer, dem Europameistertitel. «Es ist überwältigend mit den Emotionen und dauert noch, diese zu verarbeiten», sagt er weiter zu SRF und fügt hinzu: «Dass es für den Europameistertitel reicht, hätte ich niemals gedacht.»
Für Britschgi ist es nicht die erste EM-Medaille. 2023 holte er im finnischen Espoo die Bronzemedaille. Neben dem Schaffhauser hat erst Hans Gerschwiler 1947 an einer EM gewonnen. Der zweifache Weltmeister Stéphane Lambiel schaffte es nie auf das oberste Treppchen an einer Europameisterschaft. Er gewann dafür dreimal Silber.

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