Leichtathletik

Die Weltbesten zu Besuch in Lausanne: Läuft Audrey Werro heute Weltrekord?

Die Schweizer EM-Stars treffen am Freitagabend beim Diamond-League-Meeting «Athletissima Lausanne» im Stade Olympique de la Pontaise auf die absolute Weltelite der Leichtathletik. Und die eine oder andere EM-Revanche steht an.
Audrey Werro war bei den jugendlichen Fans in Lausanne bereits vor ihrem Rennen eine gefragte Athletin.
Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

Neben 14 Europameistern aus Birmingham – darunter auch die drei Schweizer Champions Jason Joseph, Angelica Moser und Audrey Werro-, stehen in Lausanne elf aktuelle Weltmeister und neun Olympiasieger am Start. Der Höhepunkt folgt um 21.32 Uhr mit dem Final der Frauen über 800 Meter.

200 m Frauen B-Lauf: Kambundjis Spurt nach dem Rennen

Mujinga Kambundji rennt derzeit noch weit hinter den Besten ins Ziel.
Bild: LAURENT GILLIERON

Es war eine seltsame Szene nach dem ungewohnt frühen Einsatz von Mujinga Kambundji. Für die 34-Jährige reichte es bei ihrem Comeback nach der Schwangerschaft nur für einen Platz im B-Lauf des Vorprogramms. Sportlich geht es bei der schnellsten Frau der Schweiz neun Monate nach der Geburt von Sohn Léon noch nicht vorwärts. Die 23,87 in Lausanne waren die schwächste Zeit in ihren drei Rennen seit dem Comeback.

Den eigentlichen Sprint absolvierte die Schweizer Rekordhalterin (22,05) allerdings nach dem Wettkampf. Weil unmittelbar im Anschluss ihres Zieleinlaufs vor der Haupttribüne der Pontaise die Präsentation der Stars auf dem Programm stand, wurde Mujinga Kambundji von einem Offiziellen quer durchs Stadion gescheucht. Immerhin war der Applaus für sie dann mindestens so herzlich wie für jene Stars, die aktuell noch in einer anderen Liga spielen.

800 m Frauen B-Lauf: Joceline Wind läuft sich den EM-Frust von der Leber

Die aus dem Berner Jura stammende Mittelstreckenläuferin Joceline Wind war nach ihrem Vorlauf-Aus über 1500 m an der EM zu Tode betrübt. Eine Woche später sah man die 25-Jährige in Lausanne nach dem Rennen wieder jubeln. Die Trainingskollegin von Audrey Werro machte einen ihrer seltenen Abstecher auf die 800-m-Strecke, um im Vorprogramm des Meetings ebenfalls einen Auftritt vor Heimpublikum geniessen zu können. Es war seit 2018 erst ihr insgesamt 20. Start über diese Distanz. Und der erste, der mit einer Zeit unter der Schallmauer von zwei Minuten endete. Joceline Wind verbesserte ihre persönliche Bestmarke auf 1:59,87. Sie unterstrich damit, dass die EM-Form durchaus da gewesen wäre.

100 m Frauen B-Lauf: Ajla Del Ponte mit einem seltenen Sieg

An den Olympischen Spielen 2021 in Tokio sorgte Ajla Del Ponte als Fünfte und schnellste Europäerin im Final über 100 m für ein sportliches Highlight. Vor einer Woche im Birmingham glänzte die 30-Jährige beim Staffelsilber mit ihrer speziellen Geste des Startverzichts zugunsten von Landsfrau Fabienne Hoenke für einen emotionalen Höhepunkt. Dazwischen liegt für die Tessinerin eine schwierige Zeit mit vielen Verletzungen und psychischen Tiefs. In Lausanne rannte Del Ponte wieder einmal als Siegerin eines 100-m-Rennens über die Ziellinie. Wenn auch nur im B-Lauf und im Vorprogramm des Diamond-League-Meetings. Die Zeit: 11,38 Sekunden. Noch immer weit entfernt von ihren insgesamt fünf Zeiten unter elf Sekunden, die Ajla Del Ponte alle in ihrem Fabeljahr 2021 lief.

Speer Frauen: Hügli findet nicht aus ihrem Zwischentief

Speerwerferin Leonie Hügli versteht die Welt nicht mehr.
Bild: Zamir Loshi

An den Europameisterschaften in Birmingham erlebte nicht nur Audrey Werro mentale Höhen und Tiefen innerhalb kürzester Zeit. Ähnlich erging es Speerwerferin Leonie Hügli. In der Qualifikation warf die 21-Jährige bei ihrer Grossanlass-Premiere mit 62,33 Schweizer Rekord. Keine der zwölf Finalistinnen war besser. Im Final dann ging plötzlich gar nichts mehr, «auch wenn ich überhaupt nicht das Gefühl hatte, nervös zu sein». Nach nur drei Versuchen und einer Bestweite von 54,55 m war Feierabend. Rang 10 und die Erkenntnis, dass ihre Qualifikationsweite für Silber gereicht hätte.

Bereits an den Schweizer Meisterschaften in Zürich erlebte die Bernerin eine Enttäuschung – und reagierte mit dem Schweizer Rekord beim nächsten Einsatz. Wie also fiel Hüglis Antwort auf die EM-Enttäuschung in Lausanne aus? Leider scheinen die Erlebnisse in Birmingham bei der jungen Schweizerin eine bleibende Verunsicherung ausgelöst zu haben. Diesmal flog Hüglis Speer sogar nur auf 53,83 m – fünf Meter kürzer als bei der Zweitletzten. Irgendwie ist nach ihrem Höhenflug zurzeit der Wurm drin.

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