Formel 1

Die Ferrari-Religion hat ihren Gott gefunden: So will Lewis Hamilton den achten Weltmeistertitel holen

Nach 12 Jahren ist bei Mercedes für Lewis Hamilton Schluss. Der 40-jährige Brite fährt diese Saison bei Ferrari und hat bereits vor der Saison einen Hype in Italien ausgelöst. So hat er es vom Jungen aus einfachen Verhältnissen zum siebenfachen Weltmeister geschafft.

Da steht er – mit Krawatte und Ferragamo-Mantel vor einem Haus. Sieben Fensterläden sind offen, als würden sie seine sieben Weltmeistertitel symbolisieren. Die Tür und damit der achte Versuch auf den Triumph ist noch geschlossen. Das Bild von Lews Hamilton wird in die Geschichtsbücher der Formel 1 eingehen.

Denn das Haus, vor dem der Brite posiert, ist kein gewöhnliches. Es ist das Haus von Enzo Ferrari, dem Gründer des Sport- und Rennwagenherstellers Ferrari. Es steht im italienischen Dorf Fiorano, dem Nachbardorf von Maranello – dort, wo das Herz von Ferrari liegt. Und die Herzen der Tifosi schlugen schon früh in der letzten Saison höher.

Fünf Mal stand Ferrari in der vergangenen Saison dank den beiden Fahrern Charles Leclerc und Carlos Sainz auf dem Podest. Der Heimsieg in Monza brachte die Ferrari-Tifosi in Ekstase. Für die grösste Überraschung sorgte aber Lewis Hamilton und das nicht einmal auf einer Rennstrecke. Am 1. Februar 2024 wurde bekannt, dass der siebenfache Weltmeister ab dieser Saison bei der Scuderia Ferrari fährt.

Sein Vater arbeitete bei drei Jobs gleichzeitig

Es war die Meldung des Jahres im Motorsport. Wenn nicht sogar die Meldung des Jahrzehntes. Kaum eine andere Neuigkeit hat in der Formel 1 zuletzt so hohe Wellen geschlagen wie Hamiltons Wechsel von Mercedes zu Ferrari.

Es wirkte, als hätte Italien einen neuen Gott über Räder, Rennen und Rekorde. Dies zeigt die Ferrari-Fahrerpräsentation in Mailand, wo über 20’000 Fans anwesend waren. Oder die erste Fahrt von Hamilton im roten Boliden auf der Rennstrecke in Fiorano, welche sich Hunderte Fans nicht entgehen liessen. In Italien ist Ferrari kein gewöhnliches Formel-1-Team, es ist Religion.

Bevor Lewis Hamilton zum Gott des italienischen Motorsports wurde, wuchs er in bescheidenen Verhältnissen in England auf. Sein Vater schenkte dem Sechsjährigen ein ferngesteuertes Auto, zwei Jahre später begann Hamilton mit Kartfahren.

Das Hobby war teuer. Deshalb arbeitete Vater Anthony Hamilton während zehn Jahren in drei Jobs gleichzeitig. Von fünf Uhr morgens arbeitete er bis spät abends. Danach flickte er den Secondhand-Kart seines Sohnes zusammen und liess ihn wie neu aussehen. Dies zahlte sich aus.

Vom Secondhand-Kart zum Weltmeister-Boliden

Der junge Brite wusste sein Gefährt richtig zu bedienen. Er hatte Talent und gewann 1995 die British Karting Championship. Mit 13 Jahren wurde er von McLaren entdeckt und kam in deren Förderprogramm. Im Winter 2001/2002 startete er seine Rennsportkarriere. Zunächst in England. Bis er als ­erster schwarzer Fahrer in der Formel 1 startete, dauerte es noch fünf Jahre und einige Rennprogramme.

Beim ersten Rennen 2007 in Australien holte Hamilton gleich einen Podiumsplatz, wenig später gewann er in Kanada. Kurz darauf übernahm er als jüngster Fahrer in der Geschichte kurzzeitig die WM-Führung. Beinahe wäre er gleich in seiner ersten Saison Weltmeister geworden. Es fehlte nur ein Punkt.

Ein Jahr nach seiner Debütsaison wurde er erstmals Weltmeister. Spätestens dann war allen klar, dass Lewis Hamilton kein gewöhnlicher Fahrer ist. Der 40-Jährige agiert solide und zeigt auch, dass er einer der besseren Fahrer im Regen ist. Er fährt aggressiv aber selten unfair und hat stets die britische Höflichkeit im Cockpit dabei.

Er will den Rekord mit Ferrari knacken

Ab 2013 fuhr Hamilton für Mercedes, wo er sechs weitere Titel gewann. Mercedes-Boss Toto Wolff sagte nach seinem Abgang zu Ferrari, dass er ihn in all den 12 Jahren nie in einen Anzug gebracht habe. Bei seinem neuen Arbeitgeber posierte Hamilton bereits am ersten Tag mit einer Krawatte, als wäre er Herrscher über Ferrari.

Lewis Hamilton ist gemeinsam mit Michael Schumacher Rekordweltmeister in der Formel 1. Nun will der Brite mit seinem neuen Team angreifen und mit Ferrari seinen achten Weltmeistertitel holen. Dann würde sich neben den sieben Fensterläden beim Haus von Enzo Ferrari Ende Saison vielleicht auch die rote Tür öffnen.

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