Völlig erschöpft schleppte sich Jannik Sinner zum Netz, gratulierte fair seinem Gegner und winkte ein letztes Mal ins Publikum. Der Topfavorit hat bei den French Open nach einem körperlichen Einbruch sensationell in der zweiten Runde verloren und damit die Titelchancen von Alexander Zverev drastisch erhöht. Der 24 Jahre alte Italiener musste sich von Krämpfen und Schwindelgefühlen geplagt dem Argentinier Juan Manuel Cerundolo mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 geschlagen geben.
Sinner hatte im dritten Satz schon mit 5:1 geführt - ehe sein Körper streikte und sich dramatische Szenen auf dem Court Philippe Chatrier abspielten. Danach gewann der Weltranglistenerste nur noch zwei Spiele.
Damit sind die Hoffnungen des deutschen Tennisstars Zverev auf den ersehnten Grand-Slam-Turniersieg deutlich grösser geworden. Sinner, der Zverev neun Mal in Serie in direkten Duellen geschlagen hat, galt als grösster Titel-Konkurrent des Hamburgers.
Sinner fühlte sich «sehr schwindelig»
Für Sinner war es die erste Niederlage nach zuvor 30 Siegen in Serie. Als auf dem Court Philippe Chatrier alles schon nach einem Zweitrundensieg im Eiltempo aussah, kam es zu einer drastischen Wendung: Die Mittagshitze mit 30 Grad und viel Sonne bereiteten Sinner nun doch riesige Probleme. Er humpelte, dehnte sich und massierte sein linkes Bein bei einer Pause auf der Bank selbst. Nach einem Ballwechsel lehnte er sich völlig erschöpft an eine Bande.
«Es muss wirklich extrem schlimm sein, er bewegt sich ja keinen Millimeter mehr», sagte Ex-Profi Philipp Kohlschreiber bei Eurosport. Beim Stand von 5:4 und 0:40, nachdem Sinner 15 Punkte in Serie verloren hatte, beantragte er eine medizinische Auszeit. Ihm sei auch «sehr schwindelig», sagte der Südtiroler zu einem Physiotherapeuten. Und der Schiedsrichterin sagte er, dass er sich dehydriert fühle und sich übergeben müsse.
Sinner kämpft und keucht
Auch nach der Pause litt Sinner, und so verlor er fast ohne Widerstand den dritten Satz. Danach verliess er wieder den Platz für eine Kabinenpause. Nach der Rückkehr bewegte sich der Italiener etwas besser, gut fühlte er sich aber nicht. Teilweise kauerte er im Schatten und musste sich fast übergeben. Immer wieder beugte er sich auf seinen Schläger und atmete schwer.
«Wie er sich jetzt da seit eineinhalb Stunden rumschleppt und quält, das ist schon richtig, richtig bitter», sagte Kohlschreiber. Der angeschlagene Favorit versuchte, die Ballwechsel so kurz wie möglich zu halten. Er spielte phasenweise nur noch aus dem Stand. Cerundolo spielte clever, er streute zahlreiche Stopps ein und spielte mit viel Spin. Nach 3:36 Stunden stand die grösste Überraschung des bisherigen Turniers fest. (dpa)

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