
Pirmin Zurbriggen fühlt sich in der Zeit zurückversetzt. «Es ist nächstes Jahr zwar schon 40 Jahre her, aber jetzt, wenn ich hier stehe, kommt sehr vieles wieder hoch», sagt der 63‑Jährige. 1987 hat er an der Ski-WM in Crans-Montana zweimal Gold und zweimal Silber gewonnen und war massgeblich an den erfolgreichsten Weltmeisterschaften eines Schweizer Skiteams in der Geschichte beteiligt. 14 Medaillen wurden es insgesamt.
An diesem Mittwoch ist Zurbriggen nach Crans-Montana zurückgekehrt. 160 Tage vor Beginn der nächsten Ski-WM an gleicher Stelle haben ihn die Organisatoren zusammen mit Erika Hess – sie gewann 1987 Slalom- und Kombi-Gold –, Franjo von Allmen und Michelle Gisin eingeladen, um in einer Zeitkapsel Wünsche und Tipps für die WM 2027 zu hinterlassen.

Ganz einfach ist diese Aufgabe nicht. Zumindest, wenn man nicht die passende Disziplin auf dem Zettel für die Podestprognose hat. «Ich hätte mir den Riesenslalom der Männer gewünscht», sagt Erika Reymond-Hess und lacht. Dort geht mit Marco Odermatt ein klarer Favorit an den Start. Tippen muss die 64-Jährige schliesslich das Podest des Frauen-Slaloms.
Verraten werden die Tipps natürlich nicht. Wobei sich Zurbriggen ein Spässchen auf Kosten von Franjo von Allmen erlaubt. «Er musste zwar die Abfahrt der Frauen tippen, hat aber eine Slalomfahrerin aufgeschrieben.» Von Allmen wird im Februar als Topfavorit in der Abfahrt an den Start gehen. 2025 und 2026 gewann er die Hauptproben auf der Piste Nationale.
Wobei das mit den Prognosen bei Sportlerinnen und Sportlern ja so eine Sache ist. Zumindest, wenn sie ihre eigenen Erwartungen benennen sollen. «Die WM ist noch weit weg. Als Skifahrer lebe ich von Woche zu Woche», bemüht von Allmen dann auch eine der beliebtesten aller Sportlerfloskeln.
Zurbriggen steht ein paar Meter daneben und schmunzelt. «Wenn ich Franjo zuhöre, weiss ich genau, wie er sich fühlt. Als Athlet weiss man, wie schnell es gehen kann und sich alles verändert», verteidigt die Skilegende die Zurückhaltung des Schweizer Hoffnungsträgers vor der Heim-WM.
Gisin lässt ihre Zukunft offen
Zurbriggen und Hess stehen an diesem Mittwoch für die Vergangenheit. Von Allmen und Gisin für die Zukunft. Wobei diese zumindest bei Michelle Gisin ungewiss ist. Noch immer spürt sie die Folgen ihres Sturzes im Dezember 2025, als sie sich im Abfahrtstraining in St. Moritz schwere Verletzungen an der Halswirbelsäule, am Handgelenk und im Knie zugezogen hatte. «Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich im Februar in Crans-Montana dabei sein werde. In welcher Form, ist völlig offen.»

Frühestens im Oktober will Gisin erste Trainingsversuche zurück auf Schnee absolvieren. «Derzeit bin ich einfach froh, dass es mir so gut geht, wie es mir geht», sagt die 32-Jährige im Wissen darum, dass sie auch gelähmt sein könnte. «Wie es sportlich weitergeht, wird sich zeigen.»
Etwas abseits unterhält sich Gisin mit Reymond-Hess über die Zeit nach der Karriere, darüber, wie es ist, das Leben als Spitzensportlerin zu beenden. Vielleicht spürt Gisin bereits, wohin ihr Weg führen wird. Der Austausch tut wohl so oder so gut. Genau wie das Schwelgen in den Erinnerungen. «Vor der WM 1987 habe ich zum ersten und einzigen Mal mit dem Männerteam Slalom trainiert», erinnert sich Reymond-Hess.

Und an Zurbriggen gewandt, sagt sie: «Erinnerst du dich noch daran?» Zurbriggen lächelt und sagt: «Ich bin mir nicht sicher, ob du unseretwegen Gold gewonnen hast.» Der Slalom der Männer mit Sieger Frank Wörndl aus Deutschland war neben der Kombination der Männer eines von nur zwei Rennen an der WM 1987, die ohne Schweizer Sieg zu Ende gegangen sind.


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