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Trauer

So reagiert die Sportwelt auf die Brandkatastrophe

Nach der Silvester-Tragödie in Crans-Montana stehen nicht nur die bevorstehenden Skirennen an gleicher Stelle unter besonderen Vorzeichen. Auch Swiss-Ski, das IOC sowie Veranstalter in Adelboden und Wengen befassen sich mit möglichen Zeichen der Anteilnahme.

Die tödlichen Ereignisse von Crans-Montana beschäftigen den internationalen Sport. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Finden die Ski-Weltcuprennen in Crans-Montana statt?

In vier Wochen, vom 30. Januar bis 1. Februar, macht der Weltcup-Tross in Crans-Montana Halt. Die Frauen bestreiten eine Abfahrt und einen Super-G. Die Männer zum Abschluss eine Abfahrt. Es sind einerseits die letzten Rennen vor den Olympischen Spielen und andererseits ist es die Hauptprobe für die Ski-WM im kommenden Jahr. Aber wird der Event nach der Silvester-Tragödie überhaupt durchgeführt?

Was passiert mit den Skirennen in Crans-Montana?
Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE/Keystone

Ein klares Statement dazu gibt es derzeit nicht. Didier Défago, CEO der Ski-WM und der Weltcuprennen, will sich noch nicht dazu äussern, welchen Einfluss das Drama auf die Planung haben könnte oder ob man sogar über eine Absage der Rennen diskutiert. In einem Communiqué teilt das OK mit: «Die gesamte Gemeinschaft von Crans-Montana ist von diesem tragischen Ereignis zutiefst betroffen. Wir möchten einen Moment innehalten und in Gedanken bei den Familien sowie bei allen involvierten Mitarbeitenden sein. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir keine Kommentare zu möglichen Auswirkungen auf unsere Veranstaltungen abgeben. Die Vorbereitungen für die kommenden Rennen werden planmässig fortgesetzt.»

Wie reagiert die graue Sport-Eminenz von Crans-Montana?

Hugo Steinegger, einst Direktor der Tour de Suisse, ist so etwas wie die graue Sport-Eminenz des Walliser Skiorts. Fast zwei Jahrzehnte lang amtete er unter anderem als Vizepräsident des Weltcup-OK von Crans-Montana. Unterdessen ist er Ehrenpräsident. Auf die Frage, ob die Rennen in vier Wochen stattfinden sollen, meint er: «Ja.» Er betont, dass dies seine persönliche und nicht die offizielle Meinung der aktuellen Führungs-Crew sei. Er wolle der Entscheidung nicht vorgreifen. «Aber ich finde, die Rennen sollen stattfinden. Dabei würde ich es aber begrüssen, wenn das Rahmenprogramm aus Pietätsgründen auf ein absolutes Minimum beschränkt würde.» Rennen ja, aber keine Party.

Hugo Steinegger würde die Rennen durchführen.
Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE/Keystone

Wie reagiert Swiss-Ski auf das Unglück?

Man sei mit den Organisatoren von Crans-Montana im engen Austausch, heisst es. Aber welche Massnahmen oder Anpassungen an den jeweiligen Austragungsorten getroffen würden, sei den lokalen OK vorbehalten. In einer offiziellen Mitteilung drückt der Verband seine Anteilnahme aus. Darüber hinaus diskutiert man in den einzelnen Teams von Swiss-Ski, ob die Athletinnen und Athleten bei den kommenden Wettkämpfen einen Trauerflor tragen werden.

Wie reagieren andere grosse Sportverbände?

Das IOC mit Hauptsitz in Lausanne setzte die Fahnen auf halbmast. «Wir möchten dem Land, das uns beherbergt, unsere Solidarität bekunden und uns der grossen Betroffenheit anschliessen, die das Schweizer Volk nach Bekanntwerden dieser furchtbaren Nachricht empfindet», verkündete die Präsidentin Kirsty Coventry. «Als Zeichen des Respekts wird die olympische Flagge beim Olympischen Museum und im Olympischen Haus auf halbmast gesetzt.»

Urs Lehmann, CEO des Internationalen Skiverbands FIS, hat mit Nicolas Féraud, dem Gemeindepräsidenten von Crans-Montana, telefoniert. Gegenüber dieser Zeitung sagt Lehmann: «Wir sind von den tragischen Ereignissen zutiefst erschüttert. Es ist noch zu früh, um die Tragödie wirklich fassen zu können. Deshalb kann ich jetzt nicht sagen, wie wir darauf reagieren werden.»

Urs Lehmann lässt offen, wie die FIS auf die Tragödie reagieren wird.
Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

Wie ist die Situation in Adelboden und Wengen?

Die nächsten grossen Schweizer Ski-Events finden im Berner Oberland statt. Kommendes Wochenende in Adelboden, eine Woche darauf in Wengen. Werden diese Rennen wie geplant durchgeführt? Oder wird ein Teil des Programms gestrichen? Christian Hauter, Chef der Rennen in Adelboden, sagt: «Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Crans-Montana und allen Angehörigen der Opfer. Wie und ob wir auf das Unglück reagieren, werden wir am Samstag besprechen.»

Ähnlich ist die Situation in Wengen. Auch dort ist man in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Man wird sich in den nächsten Tagen überlegen, ob und welches Zeichen man im Gedenken an die Opfer von Crans-Montana setzen will.

Gibt es Sportlerinnen und Sportler unter den Opfern?

Ein Fussball-Klub ist von der Tragödie direkt betroffen. Wie «Blick» berichtet, galten mehrere junge Spieler des waadtländischen Fussballklubs Lutry am Freitagmorgen weiterhin als vermisst. Die Nachwuchs-Equipe aus der Nähe von Lausanne unternahm einen Ausflug in die Walliser Skidestination. Nach Informationen der Zeitung befanden sich mehrere Mitglieder des B-Junioren-Teams im Alter von 16 bis 18 Jahren in der Bar «Le Constellation», wo in der Silvesternacht um 1.30 Uhr das Feuer ausgebrochen ist. «Unser Klub und unser Dorf sind von diesem Drama schwer betroffen», sagte ein Vertreter des Klubs.

Unter den Todesopfern soll das in Dubai wohnhafte 16-jährige italienische Golftalent Emanuele Galeppini sein. Dies vermeldete der italienische Golfverband in den sozialen Medien: «Der italienische Golfverband trauert um Emanuele Galeppini, einen jungen Sportler, der Leidenschaft und authentische Werte mitbrachte.» Sebastiano Galeppini, Emanueles Onkel, dementiert diese Information jedoch laut «La Repubblica»: «Derzeit gilt Emanuele weiterhin als vermisst, und wir warten auf die Ergebnisse der DNA-Tests.»

Ein Spieler des französischen Fussball-Erstligisten FC Metz ist unter den Verletzten, wie die Nachrichtenagentur dpa meldet. Der Klub teilte mit, dass der 19-jährige Tahirys Dos Santos mit schweren Verbrennungen per Helikopter nach Deutschland geflogen worden sei. Später meldete der Berater des Spielers: «30 Prozent seines Körpers sind verbrannt.»

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