Ein Mal ist kein Mal. Am Samstag schien es, als würde das auch für Luis Enrique Gültigkeit haben. Vor einem Jahr schon hatte der spanische Trainer Paris Saint-Germain zum langersehnten Sieg in der Champions League geführt. Doch nachdem in Budapest mit dem Erfolg im Penaltyschiessen gegen Arsenal die Titelverteidigung geglückt war, da sagte der 56-Jährige: «Es fühlt sich besser an als im Vorjahr. Für den Klub und für die Stadt ist dieser Erfolg unglaublich.»
Luis Enrique hat die Champions League als Trainer nun drei Mal gewonnen. 2015 mit dem FC Barcelona, nun eben zum zweiten Mal mit PSG. Diese Bilanz hievt ihn auf eine Stufe mit den ganz Grossen: Auch Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und Zinédine Zidane weisen drei Titel im wichtigsten Klub-Wettbewerb vor. Die Zeitung «Sport» aus Barcelona forderte am Sonntag eine «Statue für Luis Enrique in Paris».
Das mit der Statue ist womöglich ungewollt eine kleine Pointe, die zu Luis Enriques nun dreijährigem Schaffen in der französischen Hauptstadt passt. Von einer Statue schwafelte vor zehn Jahren nämlich auch Zlatan Ibrahimovic, als er noch in Paris spielte. Er glaube nicht, dass man an Stelle des Eiffelturms eine solche für ihn erbaue, so der Superstar aus Schweden. Aber wenn doch, dann beende er gerne seine Karriere in Paris, so Ibrahimovic.
Aber was hat Ibrahimovic mit den aktuellen Erfolgen von PSG und Luis Enrique zu tun? Irgendwie eine ganze Menge – oder zumindest: Man kann an ihm einiges aufzeigen. Ibrahimovic war 2012 der erste Superstar, den sich die PSG-Besitzer aus Katar leisteten. Es folgten David Beckham, Kylian Mbappé, Neymar oder Lionel Messi. Doch es folgten keine grossen Titel.
Mit dem Triumph in der Champions League klappte es erst, nachdem mit Mbappé vor zwei Jahren, nach der ersten Saison von Luis Enrique in Paris, der letzte Glamour Boy den Parc des Princes verlassen hatte. Als der heutige Real-Stürmer Paris den Rücken kehrte, waren viele geschockt. Nicht so Luis Enrique: «Wir werden jetzt besser sein, weil ich jetzt alles kontrollieren kann, was auf dem Feld passiert.»
Ein junges Team, das alles kann
Gesagt getan: In den letzten beiden Saisons gewann PSG in der K.o.-Phase der Champions League 14 von 18 Spielen – bei einem Torverhältnis von 48:18. Enriques Mannschaft kann spektakulär siegen wie im Halbfinal-Hinspiel gegen Bayern München, sie kann einen Vorsprung taktisch geschickt verwalten wie im Rückspiel gegen die Münchner oder wie letztes Jahr im Halbfinal gegen Arsenal. Oder sie kann sich in einem Geduldsspiel beweisen wie am Samstag im Final gegen die Londoner.
Schon nach sechs Minuten lagen die Franzosen nach dem Treffer von Kai Havertz nämlich zurück. Sie rannten danach fast eine Stunde lang an. Mit viel Ballbesitz, aber wenig gefährlichen Torszenen. Um dann dank Raffinesse, einem Doppelpass und dem Foul an Khvicha Kvaratskhelia mittels Foulpenalty ins Spiel zurückzufinden.
Ja, unter Luis Enrique kann PSG alles. Vor allem – und das ist des Trainers grösster Verdienst – als Einheit auftreten. So redete auch Captain Achraf Hakimi: «Wir folgen ihm, wir vertrauen ihm. Wir sind nicht nur ein Team, wir sind eine Familie.»
Eine Familie, die womöglich noch lange zusammenbleibt. Leistungsträger wie Nuno Mendes, Wilian Pacho, João Neves, Bradley Barcola oder Désiré Doué sind noch keine 25 Jahre alt. Und im ganzen Kader steht mit Captain Marquinos nur ein Spieler, der älter ist als 30.

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