Am Freitag und Samstag findet in Brüssel der Final der Diamond League statt. Die Schweiz ist mit Audrey Werro, Veronica Vancardo, Simon Ehammer, Angelica Moser, Dominic Lobalu und Timothé Mumenthaler prominent vertreten. Einmal mehr sind die Augen auf die 22-jährige Freiburgerin Audrey Werro gerichtet. Kann sie ihre Ungeschlagenheit bei der diesjährigen Diamantenjagd wahren und sich die Siegprämie von 60'000 Dollar sichern? Und was ist mit dem Weltrekord?
Vom Schweizer Sextett muss einzig Simon Ehammer bereits am Freitag zum Weitsprung antreten. Audrey Werro läuft am Samstagabend um 21.39 Uhr im King Baudouin Stadium in Belgiens Hauptstadt. Sechsmal hat sie in dieser Saison bereits ein Diamond-League-Meeting gewonnen, dabei dreimal eine Jahres-Weltbestzeit aufgestellt und fünfmal den Meetingrekord geknackt. Zuletzt näherte sich die Athletin des CA Belfaux bei Weltklasse Zürich in 1:53,70 bis auf 42 Hundertstelsekunden dem Weltrekord.
Weil Olympiasiegerin Keely Hodgkinson kurzfristig auch auf Brüssel verzichtet, rutscht mit Veronica Vancardo eine Schweizerin nach und fällt für Werro eine der beiden grössten Widersacherinnen aus. Es verbleibt die Niederländerin Femke Broeders-Bol in ihrem Lehrjahr über 800 m nach dem Disziplinenwechsel von den 400 m Hürden. Sie rückt der Schweizerin zeitlich immer näher. In Zürich blieb Broeders-Bol erstmals unter 1:55 Sekunden.
Weltrekord, Weltrekord, Weltrekord – das Thema ist omnipräsent
Es ist davon auszugehen, dass es auch in Brüssel zu einem ultraschnellen Rennen und einem erneuten Angriff auf den Weltrekord kommen wird. Auch wenn Audrey Werro betont, dass sie mit dem EM-Titel ihr grosses Saisonziel erreicht habe und alles andere mehr oder weniger stressfreie Zugabe sei, so schwebt diese Bestmarke trotzdem über der 22-Jährigen.
Aber wieso sind die 1:53,28 von Jarmila Kratochvilova so schwer zu knacken? Die Tschechoslowakin lief den Weltrekord im Juli 1983 zwar an einem geschichtsträchtigen Ort – im Olympiastadion in München. Der Anlass war allerdings lediglich ein zweitklassiges Vorbereitungs-Meeting auf die im Anschluss stattfindende Europameisterschaft in Finnland.
Kratochvilova war zum Zeitpunkt ihres Wunderlaufs bereits 32 Jahre alt. Und es war erst ihr drittes Rennen über 800 m überhaupt nach dem Disziplinenwechsel von den 400 m. Nur zwei Wochen nach diesem Weltrekord lief die Tschechoslowakin in Helsinki übrigens auch einen Weltrekord über 400 m und blieb dabei als erste Frau unter 48 Sekunden. Diese Bestmarke hielt allerdings nicht annähernd so lange wie der Rekord über die zwei Stadionrunden. DDR-Läuferin Marita Koch erreichte zwei Jahre später die noch heute gültige Weltrekordzeit von 47,60 Sekunden.
Ein Kunststück auf der zweiten Runde
Neben der Qualität der gelaufenen Zeit von Kratochvilova in München – sie nahm der zweitklassierten Athletin mehr als sieben Sekunden ab – ist vor allem ein sehr aussergewöhnlicher Fakt bemerkenswert und schier nicht nachzuahmen. Die Weltrekordhalterin, die Doping bis heute abstreitet, absolvierte in einem reinen Tempolauf die zweite Runde schneller als die ersten 400 Meter im Windschatten der Tempomacherin. Dies ist Audrey Werro auch bei ihren besten Rennen nicht annähernd gelungen. Zuletzt im Letzigrund betrug die Durchgangszeit bei Rennhälfte 55,36 Sekunden.
Vor Audrey Werro kam einzig Caster Semenya wirklich in die Nähe des Uralt-Rekords. Die Südafrikanerin, 2016 in Rio über die doppelte Stadionrunde Olympiasiegerin und drei Jahre später wegen ihrer Intersexualität von Frauenrennen ausgeschlossen, stellte im Sommer 2018 in Paris in 1:54,25 eine persönliche Bestmarke auf.
Audrey Werro will sich auch für Brüssel von Kratochvilovas Bestmarke nicht verrückt machen lassen: «Es ist mein Traum, eines Tages den Weltrekord zu brechen, aber ich möchte mir diesen Druck nicht selbst aufbürden. Ich war nicht vorbereitet darauf, dass ein Weltrekord in dieser Saison ein Thema wird. Es geschah alles so schnell.»





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