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Olympische Spiele

«Ja, heute darf er feiern» – Vogt führt Schweiz zur ersten Viererbob-Medaille seit 20 Jahren

Der Schweizer Viererbob mit Michael Vogt, Andreas Haas, Amadou Ndiaye und Mario Aeberhard holt Bronze. Gold und Silber gehen an zwei deutsche Schlitten.
Michael Vogt, Andreas Haas, Amadou Ndiaye und Mario Aeberhard (von links) bei der Siegerehrung in Cortina.
Bild: EPA

Gut 50 Sekunden mussten die Schweizer in der Leaderbox zittern – danach liegen sie sich jubelnd in den Armen. Dank einer fantastischen Fahrt von Steuermann Michael Vogt im vierten Lauf zogen die Schweizer noch am Deutschen Adam Ammour vorbei und gewinnen die Bronzemedaille im Viererbob.

Zwölf Jahre musste der Schweizer Bobsport auf eine Olympia-Medaille warten. 2014 krönten sich Beat Hefti und Anschieber Alex Baumann in Sotschi zu Olympiasiegern im Zweierbob. Im Viererbob ist es gar die erste Schweizer Olympia-Medaille seit 20 Jahren. 2006 in Turin hatten Martin Annen, Thomas Lamparter, Beat Hefti und Cédric Grand Bronze gewonnen.

Eine Zitterpartie führt zu Bronze

Vogt und seine Anschieber Andreas Haas, Amadou Ndiaye und Mario Aeberhard legten in der Eisbahn von Cortina einen kontinuierlichen Steigerungslauf hin. Nach dem ersten Lauf lag der Schweizer Schlitten noch auf Rang sechs, zur Halbzeit bereits auf Platz vier. Das Beste sparten sich Vogt und seine Crew aber für den Schluss auf. Im vierten Lauf gelang dem Schweizer Quartett nicht nur die persönlich beste Startzeit, sondern generell auch die zweitbeste Laufzeit aller Schlitten. Einzig Johannes Lochner fuhr noch schneller.

Michael Vogt fährt im Finaldurchgang die zweitbeste Laufzeit und übeholt damit den Deutschen Adam Ammour.
Bild: Daniel dal Zennaro

Dank dem starken Schlusslauf setzte Vogt den bis dahin drittplatzierten Deutschen Ammour massiv unter Druck. Der Deutsche konnte nicht kontern, verlor im Finaldurchgang 0,13 Sekunden und fiel in der Endabrechnung um vier Hundertstel hinter Vogt zurück. «Dass es am Schluss so knapp geworden ist, war kaum zum Aushalten», sagte Vogt nach dem Rennen gegenüber SRF. Sein Anschieber Haas beschrieb die Minute in der Leaderbox gar als «Horror». Gelassener nahm es da Ndiaye: «Ich hatte es im Gespür, dass wir das hinkriegen. Schon während der Fahrt war ich super happy und wollte nur noch die Zeit sehen.»

Schon nach dem Diplom im Zweierbob – dort wurde Vogt gemeinsam mit Ndiaye Sechster – wollte Ndiaye feiern gehen. Damals gab es von Teamleader Vogt noch ein Feierverbot für den 23-Jährigen. Nach der Siegerehrung im Viererbob und mit der neuen Olympia-Medaille um den Hals fiel die Antwort von Vogt am Sonntag anders aus: «Ja, heute darf er feiern», meinte der 28-Jährige nur.

Lochners goldener Abschied

An der Spitze krönte Johannes Lochner seine Karriere in seinem persönlich letzten Rennen mit einer weiteren Goldmedaille. Nachdem er in Cortina bereits im Zweierbob triumphierte, fuhr er auch im Vierer in einer eigenen Liga, stellte in drei von vier Läufen die Bestzeit auf und siegte mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung vor seinem Landsmann Francesco Friedrich. Der Saisondominator Lochner ist damit Gesamtweltcup- und Doppelolympiasieger. Für Friedrich ist es bereits die sechste Olympia-Medaille: 2018 und 2022 hatte er jeweils beide Bob-Wettbewerbe gewonnen.

Francesco Friedrich (rechts) herzt seinen Landsmann Johannes Lochner nach dessen letztem Rennen.
Bild: Alessandra Tarantino

Auch die weiteren Schweizer Teams zeigten erfreuliche Leistungen: Cédric Follador sicherte sich mit seinen Anschiebern Luca Rolli, Tim Annen und Omar Vögele als Sechste ein olympisches Diplom. Der dritte Schweizer Bob mit Timo Rohner, Pascal Moser, Mathieu Hersperger und Cyril Bieri klassierte sich auf Rang 15.

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