Viraler Ohrwurm

Die inoffizielle WM-Hymne kommt aus Bosnien – und geht gerade um die Welt

Millionen Menschen singen derzeit: «I am from Bosnia, take me to America». Dabei ist der virale Hit kein neues Fussballlied, sondern ein 15 Jahre alter Song über Migration und den amerikanischen Traum.

Vor dem Duell mit der Schweizer Nati sorgt Bosnien-Herzegowina nicht nur sportlich für Aufmerksamkeit. Auch ein Song begleitet die Euphorie rund um das Nationalteam: «I am from Bosnia, take me to America».

Die Zeile geht derzeit um die Welt. Millionenfach wird das Lied auf Social Media geteilt. Dabei ist der Song der bosnischen Band Dubioza Kolektiv bereits 15 Jahre alt. Wie wurde aus einem Lied über Auswanderung und unerfüllte Träume die inoffizielle WM-Hymne?

«I Am From Bosnia, Take Me to America»: Die Songzeile der bosnischen Band Dubioza Kolektiv ist derzeit überall sichtbar.
Bild: AP Photo/Armin Durgut

Die Antwort lautet: die Fans. Ihren Anfang nahm die Geschichte beim Playoff-Spiel in Cardiff gegen Wales. Auf einem Transparent stand: «I am from Bosnia, take me to America» – eine Anspielung auf die Hoffnung auf die WM-Qualifikation und die Reise in die USA. Die Band zeigte sich so begeistert davon, dass Fans ihren Liedtext als Schlachtruf adaptiert hatten, dass sie die TV-Bilder mit ihrem Song unterlegte und das Video in den sozialen Medien veröffentlichte. Was als spontaner Post begann, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum viralen Hit.

«Ich freue mich, dass unser Lied zum Soundtrack dieses grossen sportlichen Erfolgs geworden ist», sagte Bandmitglied Brano Jakubović übereinstimmend in mehreren Medieninterviews.

In ihrem Originalsong «U.S.A.» setzt sich Dubioza Kolektiv mit der Vorstellung des amerikanischen Traums auseinander. Der Song erzählt von Auswanderungssehnsüchten, enttäuschten Erwartungen und der Rückkehr in die Heimat, nachdem die Realität mit den eigenen Hoffnungen kollidiert. Dass daraus Jahre später eine Fussballhymne werden würde, hätte wohl niemand erwartet.

Brano Jakubović, Bandmitglied von Dubioza Kolektiv, ist begeistert von der Entwicklung des Lieds.
Bild: Armin Durgut

Umso mehr freut sich die Band über diese Entwicklung: «Mir gefällt besonders, dass die Fans dem Lied einen gänzlich neuen Kontext und eine neue Bedeutung gegeben haben», sagt Jakubović. Der Song gehöre inzwischen nicht mehr ihnen, sondern den Menschen, die ihn singen. Für eine Band gebe es kaum ein schöneres Kompliment.

Neue Version eigens für die WM

Zurück zur WM-Euphorie: Auch an Dubioza Kolektiv ist der Erfolg ihres Songs nicht vorbeigegangen. Passend zum Grossereignis veröffentlichte die Band kurzerhand eine neue Version, die deutlich stärker als Fussballhymne daherkommt. Während das Original «U.S.A.» auf Englisch gesungen wird, ist die Neuauflage grösstenteils auf Bosnisch gehalten – «damit es jeder versteht», sagte Brano Jakubović kürzlich der Nachrichtenagentur APA.

Inhaltlich dreht sich nun fast alles um Fussball und die Euphorie rund um die WM-Qualifikation. Der Wechsel zwischen Englisch und Bosnisch hat der Popularität des Liedes keinen Abbruch getan. Das gilt auch dann, wenn manche Anspielungen ausserhalb des Balkans kaum verstanden werden. Etwa die Zeile über «Burek mit Käse» – eine in Bosnien fast schon Glaubensfrage, weil ein echter Burek dort kein Käsegebäck ist.

Wenn die «Zmajevi» – die «Drachen», wie Bosniens Nationalmannschaft genannt wird – gegen die Schweiz aufs Feld stürmen, dürfte «I am from Bosnia, take me to America» überall zu hören sein. Im Stadion, in den Fanzonen und auf Social Media.

Für Dubioza Kolektiv ist es eine Aufmerksamkeit, von der viele Bands nur träumen können. Aus einem 15 Jahre alten Lied ist innert weniger Wochen die Hymne eines nationalen Fussballmärchens geworden – und möglicherweise der grösste internationale Erfolg in der Geschichte der Band.

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