
Zahra Ghanbari hat einen Traum. Zuckerhut. Copacabana. Christus-Statue. Ghanbari träumt von der Fussball-WM nächstes Jahr in Brasilien. Mit dem Iran trifft sie bei der Asienmeisterschaft auf «grossartige Mannschaften», sagt die Kapitänin, «aber wir wollen uns wirklich für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Wir wissen, dass es harte Spiele werden, aber wir haben eine starke Mentalität und wollen unser Bestes geben.»
Selbst unter normalen Umständen wäre die Teilnahme von Irans Fussball-Frauen bei der Asienmeisterschaft in Australien schon etwas Besonders, doch nach dem Ausbruch des Krieges in der Heimat ist die Aufmerksamkeit noch einmal grösser geworden. Ghanbari und Co. waren wenige Tage vor dem Start der Angriffe nach Australien gereist, mittlerweile bereiten sie sich auf das zweite Gruppenspiel gegen die Gastgeberinnen vor - während zu Hause im Iran nach dem Tod von Ayatollah Ali Chamenei 40 Tage Staatstrauer angeordnet wurden und Freunde und Familien in Gefahr sind.
«Es ist eine schwierige Situation, und es ist wirklich mutig von ihnen, hier zu sein und anzutreten», sagte die Australierin Amy Sayer mit Blick auf die Partie gegen den Iran am Donnerstag: «Unser Mitgefühl gilt ihnen und ihren Familien.» Trotz der «aktuellen politischen Lage» und all «der Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben», hätte die iranische Mannschaft schon im ersten Gruppenspiel gegen Südkorea «eine wirklich starke Leistung gezeigt».
Dennoch verlor die Mannschaft von Trainerin Marziyeh Jafari mit 0:3, Ghanbari und ihre Kolleginnen spielten wie üblich mit Kopftuch und in knöchellanger Kleidung. So will es das Regime, es beruft sich bei den Vorgaben auf die Gesetze des Islam. Sittenwächter begleiten die Mannschaft in Australien. Vor ihrer Partie gegen Südkorea haben Irans Fussballerinnen beim Abspielen ihrer Nationalhymne geschwiegen. Weder die Spielerinnen noch der Trainerstab sang mit, wie auf Bildern zu sehen war.
Auf den Tribünen skandierte eine kleine Gruppe iranischer Fans während der Partie gegen Südkorea Parolen und schwenkte rot-weiss-grüne Fahnen, darunter war auch die Flagge aus der Zeit vor der islamischen Revolution zu sehen.
Zum Krieg in der Heimat will - oder darf - Trainerin Jafari nichts sagen. «Ich glaube nicht, dass wir jetzt über dieses Thema sprechen sollten», meint sie und betont, dass das Turnier eine Chance sei, «das Potenzial der iranischen Frauen» zu zeigen. Nach dem Australien-Spiel steht für den Iran noch die Partie gegen die Philippinen an, für den Traum von der WM in Brasilien muss mindestens die Qualifikation für die Viertelfinals her. Ghanbari und Co. werden ihr Bestes geben. Trotz oder gerade wegen der besonderen Umstände.
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